Einleitung
Einleitung
Die Therapie des Asthma bronchiale lehnt sich zunehmend an die pathophysiologischen
Grundlagen dieser Erkrankung an und basiert auf drei wichtigen Ansätzen: der Meidung
auslösender Faktoren, der antiinflammatorischen und der antiobstruktiven Pharmakotherapie.
Therapeutisches Ziel ist: a) die Erhaltung/Verbesserung der Lebensqualität, b) die
Steigerung der Lungenfunktion mit Unterbindung von u. U. lebensbedrohlichen Asthmaanfällen,
c) damit die Vermeidung von irreversiblen Umbauvorgängen (remodelling), bei d) gleichzeitiger
Minimierung von Nebenwirkungen in der Langzeittherapie.
Neuere in Deutschland zugelassene Substanzen und Applikationsformen betreffen den
Leukotrienrezeptorantagonisten Montelukast, das Kombinationspräparat Salmeterol/Fluticasondipropionat
und ein mittels HFA (Hydroflouralkan) betriebenes BDP (Beclomethasondipropionat)-haltiges
Dosieraerosol, das durch einen hohen Anteil respirabler Partikel (Partikelgröße <
3 μm = > 30 %) eine hohe pulmonale Deposition (> 50 %) gewährleistet [[1]
[2]
[3]
[4]
[5]]. Weitere inhalative Kombinationspräparate (z. B. Formoterol/Budesonid) und andere
Glukokortikosteroide (Mometason-Furoat, Triamcinolonacetonid, Ciclesonid) werden wahrscheinlich
in naher Zukunft folgen [[6], [7]]. Die jüngste Entwicklung therapeutischer Substanzen zur Behandlung des Asthma bronchiale
imponiert daher durch die Etablierung neuer Kombinationspräparate oder durch die Modifizierung
pharmakokinetischer/-dynamischer Eigenschaften schon etablierter Substanzen.
Die vorliegende Übersicht soll anhand der aktuellen Literatur und der jüngst auf internationalen
Kongressen vorgestellten Arbeiten einen Überblick über die Entwicklung in der Pharmakotherapie
des Asthma bronchiale geben.
Weiterentwicklung bekannter Substanzen
Weiterentwicklung bekannter Substanzen
Physiologie des neuronalen Systems
Die neuronale Kontrolle des Asthma bronchiale erfolgt mediatorvermittelt über das
sympathische (adrenerge und nicht-adrenerge) und das parasympathische (cholinerge
und nicht-cholinerge) Nervensystem der Lunge. Beide Systeme befinden sich beim Lungengesunden
im Gleichgewicht. Das sympathische System wird über die Aktivierung folgender Rezeptoren
gesteuert: α1-, α2-, β1-, β2- und β3-Rezeptor. Die tiefen Atemwege sind reich an β-Rezeptoren, wobei sich die Rezeptorendichte
von β2- zu β3-Rezeptoren im Verhältnis von 3 : 1 verhält. Die medikamentöse Stimulation von β2-Rezeptoren führt nicht nur zur Bronchodilatation, sondern reduziert die Mastzellendegranulation
und verringert die Aktivität des cholinergen Nervensystems [[8], [9]]. Über die β3-Rezeptoren ist dagegen noch relativ wenig bekannt.
Das parasympathische Nervensystem beinhaltet afferente und efferente Nerven, die,
wie histologische Studien zeigen, häufig im Bereich der zentralen Atemwege nachzuweisen
sind und in der Peripherie an Dichte abnehmen. Die postganglionären parasympathischen
Nerven innervieren direkt die glatte Bronchialmuskulatur und mukusproduzierende Zellen,
nicht aber das Bronchialepithel oder das Bronchialgefäßsystem [[10]]. Dabei werden die postsynaptischen Neurone durch präsynaptisch sezerniertes Acetylcholin
(ACh) aktiviert. Untersuchungen mittels Radioligandenbindung und Autoradiographie
zeigen, dass ACh über die Aktivierung von Muscarinrezeptoren wirkt, von denen insgesamt
vier Subtypen bekannt sind (M1 - 4) [[11]]. Für die obstruktiven Atemwegserkrankungen ist von den insgesamt 4 Muskarinrezeptorsubtypen
(M1 - 4) insbesondere der M3-Rezeptor von pathophysiologischer Bedeutung, da seine Aktivierung zur Muskelkontraktion
(Atemwegsobstruktion) und zur gesteigerten Mukussekretion (auch durch M1-Rezeptoraktivierung) führt. Die medikamentöse Blockade von Muskarinrezeptoren (M1 und M3), z. B. mittels Ipratropiumbromid, bedingt über eine Verminderung der ACh-Freisetzung
(M1-Blockade) und der dadurch zusätzlichen ACh-Unempfindlichkeit der Bronchialmuskulatur
(M3-Blockade) eine Bronchodilatation [[10], [12], [13]]. Da aber der nicht-selektive Muskarinrezeptorblocker Ipratropiumbromid auch M2-Rezeptoren antagonisiert, kommt es zu einer unerwünschten Gegenregulation. Aus pathophysiologischer
Sicht erscheint daher für die Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen eine Substanz
mit selektiver Inhibition der M3-Rezeptoren erfolgversprechender.
Eine weitere neuronal interessante Rezeptorfamilie sind die D(Dopamin)1 - 4-Rezeptoren, obwohl es bisher unklar ist, ob die sensorischen Nervenfasern und deren
Nervenenden in der humanen Lunge dopaminerge Rezeptoren besitzen. So konnten Bonner
et al. (1998) nachweisen, dass die selektive D2-Rezeptoraktivierung einen positiven Effekt auf Bronchokonstriktion, Luftnot, Mukusproduktion
und Hustenreiz hat [[14]].
β2- und D2-Rezeptoraktivierung
Die Substanz AR-C68397AA ist ein Wirkstoff mit einem dualen Wirkprinzip, der simultan
sowohl den β2- als auch den D2-Rezeptor spezifisch stimulieren kann. In-vitro-Untersuchungen demonstrierten an Meerschweinchen-Tracheen
die hohe β2-Aktivität. Die prozentuale Relaxation in nanomolaren Konzentrationen lag dabei um
ca. 20 % niedriger als die von Isoprenalin. Die D2-Rezeptoraktivität (gemessen an der Ohrarterie des Kaninchens) erreichte ebenfalls
im nanomolaren Bereich ihr Wirkungsmaximum [[15]]. Untersuchungen in vivo demonstrierten bei Hunden, denen AR-C68397AA (5 μg/kg)
mittels Aerosol verabreicht wurde a) ca. eine Halbierung des Capsaicin-induzierten
Hustenreflexes, b) eine Reduktion (bis zu 66 %) der ammoniakinduzierten Mukusproduktion,
und c) eine Rezeptorbindungszeit von > 4 h. An Nebenwirkungen trat ab einer Substanzkonzentration
von 30 μg/kg Erbrechen auf [[16]]. Aufgrund des Wirkprinzips eignet sich diese Substanz eher für die Therapie der
COPD und weniger zur Behandlung des Asthma bronchiale. Ziele der derzeit durchgeführten
Phase-IIb/IIIa-Studien sind die Evaluation der klinischen Effektivität und das zukünftige
Einsatzgebiet (COPD-Asthma) von AR-C68397AA.
Muskarinrezeptorblocker
Tiotropiumbromid (Ba 679 BR) ist eine Weiterentwicklung des Ipratropiumbromid, dessen
parasympatholytische Wirkung stärker ist und länger andauert als die der Vorläufersubstanz
[[17]]. Da es sich aber bei dieser Neuentwicklung um eine Substanz handelt, die primär
bei der COPD Anwendung finden wird, soll hier auf eine weitere Beschreibung verzichtet
werden.
Physiologie der Phosphodiesterasen
In den vergangenen Jahren wurden insgesamt 8 verschiedene Isoenzym-Familien der Phosphodiesterasen
(PDE; 3′ : 5′-zyklisches Nucleotid 5′-Nucleotidhydrolase; EC 3.1.4.17) identifiziert;
insgesamt sind 20 - 30 Isoenzymsubtypen beschrieben. PDEs sind Enzyme, die in unterschiedlicher
Weise die 3′-Ribose-Phosphatbindung von zyklischen 5-Nucleotid-Monophosphaten (cAMP,
cGMP) hydrolysieren. Beide Monophosphate vermitteln intrazellulär über eine rezeptorvermittelte
Reaktion die Wirkung verschiedener Neurotransmitter, Hormone und Autakoide. In der
Zelle werden die cAMP-abhängige Proteinkinase A (PKA) und die cGMP-abhängige Proteinase
G (PKG) aktiviert, die beide eine Bronchiodilatation induzieren [[18]
[19]
[20]]. Die verschiedenen PDE-Isoenzymsubtypen werden zelltypen- und speziesspezifisch
sehr unterschiedlich exprimiert. In humanen Trachealmuskelzellen wurden z. B. PDE2,
3, 4 und 5 nachgewiesen. In Mastzellen, neutrophilen und eosinophilen Granulozyten
findet sich überwiegend PDE4. Auch Lymphozyten besitzen verschiedene Subtypen. Die
Hemmung von PDEs führt nicht nur zu einer Muskelrelaxation, sondern auch zur Reduktion
des Zellaktivitätsgrades von Entzündungszellen (z. B. Oxidantienfreisetzung), weswegen
PDE-Inhibitoren - ebenso wie dem Theophyllin - ein antientzündlicher Wirkungsansatz
zugesprochen werden [[21], [22]].
Phosphodiesteraseinhibitoren
Phosphodiesteraseinhibitoren der ersten Generation waren durch ihre zahlreichen Nebenwirkungen
(Arrhythmien, Tachykardien, Vasodilatation bei PDE3-Inhibition; Übelkeit und Erbrechen
bei PDE4-Inhibition) für die Praxis unbrauchbar [[21], [23]]. Eine Weiterentwicklung bilden die aktuell evaluierten selektiven PDE4-Hemmer,
die sich nicht nur durch ein antiobstruktives, sondern auch ein signifikantes antiinflammatorisches
Wirkungsspektrum auszeichnen [[24], [25]]. Verschiedene PDE4-Hemmer, die hier exemplarisch vorgestellt werden, befinden sich
derzeit im Entwicklungsstadium.
Harbinson et al. (1997) evaluierten bei Patienten (n = 54) mit einem Asthma bronchiale
den oral applizierbaren PDE4-Inhibitor CDP 840. Diese Studie hatte ein dreiarmiges,
doppelt verblindetes, placebokontrolliertes Studiendesign: a) 15 mg/2×/d über 9,5
Tage; Zielparameter: Protektion vor einer Allergenprovokation (p1-Antigen der Hausstaubmilbe
Dermatophagoides pteronyssinus), b) 15 mg/2×/d über 9,5 Tage; Zielparameter: protektiver
Effekt nach Histaminprovokation, und c) 15 und 30 mg als Einmaldosis; Zielparameter:
bronchodilatativer Effekt [[26]]. Verbesserungen der FEV1, der asthmatischen Frühreaktion und der Atemwegsobstruktion nach Histaminprovokation
(als Maß für die bronchiale Hyperreaktivität) konnten nicht erzielt werden. Lediglich
die allergische Spätreaktion wurde mit einer 30 %igen Reduktion signifikant (p = 0,016)
beeinflusst. Die bei dieser Substanzgruppe häufig beobachtete Übelkeit mit Erbrechen
trat im Vergleich zur Plazebogruppe unter CDP 840 nicht vermehrt auf [[26]].
Ein weiterer neuer PDE4-Hemmer der zweiten Generation ist SB 207499 Ariflo® (c-4-cyano-4-[3-cyclopentyloxy-4-methoxyphenyl-r-1-cyclohexane
carboxylic acid]) [[24]]. Es liegen von SB 207499 mittlerweile Daten sowohl bei Patienten mit einem Asthma
bronchiale als auch mit einer COPD vor [[27]
[28]
[29]
[30]]. Compton et al. (1999) behandelten 309 Asthmatiker (FEV1 50 - 80 %) mit 5 mg, 10 mg oder 15 mg SB207499 (2×/d, orale Applikation, Behandlungsdauer:
6 Wochen) [[27]]. Die erzielte Lungenfunktionsverbesserung (FEV1 und Atemstoßtest PEF = peak expiratory flow) verhielt sich entsprechend der verabreichten
Dosis und war bei höchster Dosierung am besten. Die mittlere FEV1-Verbesserung (gegenüber dem Ausgangswert) betrug am Studienende 280 ml (Verumgruppe)
gegenüber 110 ml (Plazebogruppe; p = 0,056). Die Verumgruppe litt etwas häufiger an
Kopfschmerzen, Erbrechen und Dyspepsie [[27]]. Die auf der Jahrestagung der European Respiratory Society 1999 von der gleichen
Arbeitsgruppe vorgestellten Ergebnisse der mit SB207499 behandelten 303 Asthmatiker
(FEV1: 50 - 80 %soll, alle erhielten begleitend inhalative Kortikosteroide; SB207499-Dosis: 5, 10, 15
mg, orale Gabe 2×/d über 6 Wochen) erbrachten folgende Lungenfunktionsverbesserungen
(FEV1, 2 × 15 mg/d, Vergleich gegenüber Plazebo): 160 ml 4 h nach Einnahme (p = 0,031);
210 ml nach 2 Wochen (p = 0,006); 160 ml bei Studienende (p = 0,062) [[28]].
Eine Interaktion mit in der Inneren Medizin häufig verabreichten Medikamenten wie
Prednisolon, Theophyllin, Salbutamol, Digoxin, aber auch Warfarin ließ sich ausschließen
[[30]]. D4418 (8-methoxyquinoline-5-[N-(2,5-dichloropyridin-3-yl]carboxamide) ist ein
weiterer oral applizierbarer PDE4-Hemmer mit einer IC50 bei 2 · 10-7 mol/l. Im Tiermodell (Ratte, Frettchen, Meerschweinchen) steigerte D4418 intrazelluläre
cAMP-Konzentrationen, reduzierte die LPS (Lipopolysaccaride)-induzierte Tumornekrosefaktor-(TNF)
und Interleukin-5(IL-5)-Steigerung, und senkte damit die allergische Frühreaktion
mit Reduktion der Atemwegsobstruktion um 40 % und die der Spätreaktion um 100 % [[31]]. In der inzwischen durchgeführten Phase-I-Studie konnte nach einer oralen Gabe
(200 mg) eine Toxizität (Plasmaspiegel von Cmax 1,5 μg/ml) ausgeschlossen werden [[31]].
Zusammengefasst zeigten PDE4-Inhibitoren der zweiten Generation in den am Menschen
durchgeführten Studien nur schwache bronchodilatative Effekte.
Hemmung der Arachidonsäureprodukte
Produkte des Arachidonsäurezyklusses (Leukotriene, Thromboxane, Prostaglandine) sind
typische Mediatoren im asthmatischen Entzündungsgeschehen. Leukotrien-D4 (LTD4) erhöht
z. B. die vaskuläre Permeabilität, steigert die bronchiale Mukusproduktion und fördert
die bronchiale Muskelkontraktion. In der Vergangenheit wurde daher erfolgreich versucht
a) die Synthese zu inhibieren oder b) die entsprechenden Rezeptoren am Ende dieser
Entzündungskaskade zu blockieren. Jüngstes Beispiel ist die Markteinführung (in Deutschland
4/1998) von Montelukast, einem LTD4-Rezeptorblocker. Pranlukast, Zafirlukast (beides
Leukotrienrezeptorblocker) und Zileuton (ein Leukotriensyntheseinhibitor) sind weitere
in einigen Ländern verfügbare antiinflammatorisch wirksame Substanzen dieser Gruppe,
deren Markteinführung in Deutschland nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht vorgesehen
ist. Auch ist eine Neu- und Weiterentwicklung der Leukotrien-modulierenden Substanzen
in naher Zukunft nicht zu erwarten. Thromboxane - insbesondere das Thromboxan-A2 - haben starke bronchokonstriktorische Fähigkeiten. Insbesondere japanische Arbeitsgruppen
befassen sich mit der Hemmung von Produkten des Cyclooxygenase-Weges und hier insbesondere
der Thromboxane, von denen Seratrodast ein älterer, schon seit den 80er Jahren evaluierter
Inhibitor ist [[32]
[33]
[34]].
Arakida et al. (1998) untersuchten in vitro (isolierte Meerschweinchen-Tracheen) das
pharmakologische Profil eines neuen Thromboxan-A2 (TXA2)-Rezeptorantagonisten mit dem Kürzel YM158 [[35]]. Die Untersuchungen erfolgten im Vergleich zu Montelukast und Seratrodast, einem
TXA2-Antagonisten der ersten Generation. YM158 besitzt sowohl eine LTD4- als auch eine
TXA2-antagonistische Wirkung. Die LTD4-Blockade war allerdings 6,5-mal schwächer als die
von Montelukast und 2,5-mal stärker als die von Seratrodast. YM158 hemmte auch die
prostaglandinverursachte (PGD2 und PGF2α) Bronchuskontraktion, nicht aber die von Histamin oder Carbachol [[35]]. Ein weiterer TXA2-Rezeptorblocker ist AA-2414 [[36]]. Hoshino et al. (1999) evaluierten AA-2414 bei Asthmatikern (80 mg/d, orale Gabe,
Studiendauer: 4 Monate) und fanden eine ganze Reihe von positiven klinischen Effekten
(Signifikanzen gegenüber Plazebo): Symptomen-Score (p < 0,05), PEF (p < 0,01), PEF-Variabilität
(p < 0,01) und bronchiale Hyperreaktivität (p < 0,01) [[33]]. Untermauert wurde dieses Ergebnis durch die signifikante Verbesserung diverser
Entzündungsmarker: Senkung der submukösen Eosinophilenzahl in bronchialen Biopsien
(p < 0,05), der Anzahl RANTES (regulated and normal T-lymphocyte expressed and secreted
human cytokine)- (p < 0,05), Makrophagen-inflammatorisches Protein (MIP)-1 alpha (p
< 0,05) und Eotaxin- (p < 0,01) exprimierender Zellen des Bronchialepithels und der
submukösen Zellen [[37]]. In einer weiteren nur an einer kleinen Probandenzahl (n = 6, cross-over Design)
durchgeführten Studie wurden bei milden bis moderat erkrankten allergischen Asthmatikern
die klinische Wirkung von Pranlukast (450 mg/d, oral), Seratrodast (80 mg/d oral)
und Ozagrel (800 mg/d), einem TXA2-Synthetaseinhibitor, miteinander verglichen [[38]]. Zielkriterium war die Senkung der allergischen Früh- und Spätreaktion. Während
Pranlukast die Frühreaktion um 80,5 % (p < 0,0001) und die Spätreaktion um 54,6 %
senkte, ergaben sich bei Ozagrel eine 39,5 %ige (p = 0,043) Senkung für die Früh-
und keine Signifikanz für die Spätreaktion, während Seratrodast keinen entsprechenden
Suppressionseffekt aufwies [[38]]. Der Thromboxanrezeptor-Antagonist BAY u 3405 (20 mg orale Applikation) vermochte
bei 12 milden Asthmatikern im Mittel zwar den FEV1-Abfall nach inhalativer Prostaglandin-D2-Provokation (p = 0,0002) nicht jedoch die
nach Fahrradergometerbelastung und kalter Luft ausgelöste Atemwegsobstruktion zu reduzieren
[[39]].
Insgesamt scheinen die TXA2-Inhibitoren offenbar nur einen geringen klinischen Effekt beim Asthma bronchiale
zu besitzen. Die überaus positiven Ergebnisse der Untersuchungen von Hoshino et al.
(1999) sind daher auch vor dem Hintergrund des gewählten Studienaufbaus und Methodik
kritisch zu würdigen und bedürfen einer Bestätigung.
Glukokortikosteroide
Eine Steigerung der pharmakologischen Wirksamkeit von Glukokortikosteroiden erscheint
schwierig und ist klinisch eher von sekundärer Bedeutung, zumal potente Glukokortikosteroide
zur Verfügung stehen. Möglicherweise könnte sich trotzdem in der Entwicklung inhalativer
Glukokortikosteroide zumindest langfristig eine interessante Perspektive ergeben,
da eine weitere Reduzierung der Nebenwirkung überaus wünschenswert wäre. Das optimale
topisch wirksame Glukokortikosteroid wäre eine stark antiinflammatorisch wirksame
Substanz, die in der Lunge biologisch aktiv und von der Molekülstruktur stabil wäre,
die aber im Blutkreislauf innerhalb kürzester Zeit abgebaut oder inaktiviert würde
und somit systemisch keinen Effekt entfalten könnte. Mit der Entwicklung sog. „Soft-Steroids”
wird ein solcher Weg begangen. So könnte als möglicher Ansatzpunkt die Entwicklung
hydrolisierbarer Glukokortikosteroidmoleküle mit einer systemischen Halbwertszeit
von wenigen Minuten, oder „dissoziierte” Glukokortikosteroide, die zur Reduktion unerwünschter
Nebenwirkungen nur aus einem verkleinerten, dissoziierten Molekül bestehen, aus chemisch-pharmakologischer
Sicht ein gangbarer Weg für die nächsten Jahre oder des nächsten Jahrzehnts sein.
Veröffentlichungen über diesen seitens der Hersteller potenziell attraktiven und hoch-kompetitiven
Aspekt, sind verständlicher Weise ausgesprochen rar. Kürzlich jedoch erlaubte uns
die Fa. GlaxoWellcome einen kleinen Blick in die Pipeline ihrer neuen Pharmaka zur
Therapie obstruktiver Atemwegserkrankungen. Demnach befinden sich bei GlaxoWellcome
derzeit zwei hydrolisierbare Glukokortikosteroide, GR215846 und GR250495, in der Entwicklung.
GR215846 besitzt beispielsweise bei einer Plasmahalbwertszeit von weniger als einer
Minute einen sehr hohen Wirkungsgrad am Glukokortikosteroidrezeptor. Als mittlere
Konzentration, die zu einer 50 %igen Hemmung der spezifischen Bindung (IC50) führt, sind lediglich 2 nmol/l nötig. GR250495 ist etwas weniger potent, denn die
IC50 liegt bei 12 nmol/l und die Plasmahalbwertszeit bei fünf Minuten. Beide Verbindungen
sind in vivo stabil. Vorstudien mit GR215846 haben bei einer allerdings nur einmal
durchgeführten Applikation systemische Effekte beim Menschen ausschließen können,
so dass mit diesem Steroid jetzt eine „proof-of-concept”-Studie initiiert wurde [[40]].
Entwicklung neuer antiinflammatorisch wirksamer Substanzen
Entwicklung neuer antiinflammatorisch wirksamer Substanzen
Der Schwerpunkt in der Entwicklung neuer Substanzen und Substanzgruppen liegt in der
antiinflammatorischen Therapie. Mit zunehmender Kenntnis der immunpathologischen Vorgänge
beim Asthma bronchiale wird versucht, einzelne Komponenten und nicht, wie bei der
Glukokortikosteroidtherapie, die ganze Bandbreite dieses sehr komplexen Entzündungsgeschehen
zu inhibieren. Aktuelles Beispiel dieser Entwicklung ist die selektive Hemmung der
Leukotriensynthese bzw. die der Leukotrienrezeptoren (s. o.).
Im Folgenden sollen nun einige dieser sich in der Entwicklung befindlichen Therapieansätze
vorgestellt werden.
Immunglobuline
Immunglobuline (Ig) sind Glykoproteine, die von Plasmazellen („umgewandelte” B-Lymphozyten)
produziert werden und als Antikörper fungieren. Insgesamt gibt es fünf isotypische
Ig-Varianten mit entsprechenden Untergruppierungen. Für die allergische Reaktion ist
das Immunglobulin E (IgE) wegen der dadurch vermittelten Bindung eines Allergens mit
zellulären Oberflächenrezeptoren von Mastzellen und basophilen Granulozyten das wichtigste
Immunglobulin. Die Entzündungszellen werden dadurch aktiviert und setzen für die allergische
Reaktion charakteristische Mediatoren (z. B. Histamin, Leukotriene, Zytokine, Prostaglandine,
andere chemotaktische Faktoren) frei. Neben dem Asthma bronchiale gibt es noch andere
Erkrankungen, die IgE-assoziiert sind, z. B. Wurminfektionen, die allergische Rhinitis,
bestimmte Formen der Urticaria und das Angioödem.
Die Identifikation von IgE durch Johansson und Bennick (1967), und Ishizaka (1967),
und die Entdeckung, dass sich IgE mit einer hohen Affinität an den FcεR1-Rezeptor
auf Mastzellen und basophilen Zellen bindet, hat die Möglichkeit eröffnet, über die
FcεR1-Blockade allergische Reaktionen spezifisch zu inhibieren, da über diese Rezeptorbindung
die allergische Sofortreaktion ausgelöst wird [[41]
[42]
[43]]. Mittlerweile wurde ein weiterer Rezeptor (FcεR2) auf mononukleären, dendritischen,
Epithelzellen und eosinophilen Granulozyten identifiziert, der u. a. die vermehrte
Allergenaufnahme und Allergenpräsentation moduliert [[44]]. Der Antikörper muss also in der Lage sein, die FcεR1-Bindungsregion auf dem IgE-Molekül
zu blockieren und somit die IgE-Zellinteraktion zu unterbinden (Abb. [1]). Dieser Ansatz wurde erstmalig von Bozelka et al. (1982) beschritten. Die in dieser
frühen Experimentierphase verwendeten monoklonalen Antikörper führten allerdings noch
zu unerwünschten Kreuzreaktionen [[45]]. Interessanter Weise wurde mit der Idee der IgE-Blockade ein altes Prinzip der
Natur kopiert, denn anti-IgE-Antikörper kommen bei vielen Erkrankungen vor, so z.
B. der atopischen Dermatitis, der idiopathischen Urticaria, der rheumatoiden Arthritis/Vaskulitis,
Lupus Erythematodes, Dermatomyositis, Pemphigus vulgaris und dem bullösen Pemphigoid
[[46]]. Dabei reagieren (Auto-)Antikörper gegen die Fcε-Kette des IgE, gegen Epitope der
α-Ketten des FcεR1-Rezeptors, oder es fördern IgG-Antikörper die Bindung von IgG-IgE-Komplexen
an die zellulären FcεR1-Rezeptoren.
Die Entwicklung eines tatsächlich für den praktischen therapeutischen Einsatz geeigneten
hochspezifischen IgE-Antikörpers, der sowohl die allergische Früh- als auch die Spätreaktion
hemmen kann, wurde durch die Notwendigkeit einer vollständigen Blockade der FcεR1-Bindungsregion
des IgE-Moleküls ohne gleichzeitige Reaktion mit dem entsprechenden zellulären Rezeptor
mit nachfolgender Zellaktivierung lange Zeit verzögert.
Anti-IgE-Antikörper
Derzeit werden Phase-III-Studien mit einem rekombinant hergestellten, monoklonalen,
humanisierten (Modifizierung des murinen Antikörpers MAE11 durch Aminosäurenaustausch)
Anti-IgE-Antikörper (rhuMAb-E25) durchgeführt. Für die Markteinführung von rhuMAb-E25
zur Therapie des Asthma bronchiale ist das Jahr 2001 projektiert.
In-vitro-Untersuchungen belegten, dass sich rhuMAb-E25 nicht an Basophilen und insbesondere
nicht an den FcεF1-Rezeptor dieser Zellen bindet. Ferner führt rhuMAb-E25 nicht zu
Kreuzreaktionen mit allergensensibilisierten Basophilen, hemmt jedoch die Histaminfreisetzung
und die Kontraktion allergenstimmulierter humaner Lungenstreifen [[47]]. rhuMAb-E25 wurde sowohl im tierexperimentellen und mittlerweile aber auch am Menschen
in wissenschaftlichen Studien bei Allergikern (ohne Asthma) und Patienten mit einem
allergischen Asthma bronchiale evaluiert [[48]
[49]
[50]
[51]
[52]]. Casale et al. (1997) behandelte in einer doppelt-verblindeten, plazebokontrollierten,
Phase-II-Studie, 181 Graspollen-Allergiker mit rhuMAb-E25: i. v. Applikation ein Monat
vor der „Heuschnupfen-Saison” (= Tag 0), gefolgt von 0,15 mg/kg s. c. oder i. v. oder
0,5 mg/kg i. v. an den Tagen 7 bis 84 (insgesamt 8 Applikationen). In Abhängigkeit
zu den individuellen Ausgangs-IgE-Serumkonzentrationen und der gewählten Dosis reduzierte
rhuMAb-E25 die freien Serum-IgE-Spiegel [[49]]. Signifikante Unterschiede in der klinischen Wirksamkeit und der Serum-IgE-Reduktion
errechneten sich allerdings nicht. Bezüglich der Nebenwirkungen verhielten sich sowohl
die Verum- als auch Plazebogruppe gleich [[49]]. 1997 erschienen die bisher wichtigsten Untersuchungen zur Therapie des allergischen
Asthma bronchiale mit anti-IgE-Antikörpern [[53]]. In beiden, bei Patienten mit einem milden Asthma bronchiale durchgeführten Untersuchungen
konnte mit rhuMAb-E25 (i. v. Applikation: 2 mg/kg an Tag 0; je 1 mg/kg an den Tagen
7, 14, 28, 42, 56 und 70 [[48]]; bzw. 0,5 mg/kg 1×/Woche über 8 Wochen [[50]]) weder eine Verbesserung der Asthma-Symptome, der Lungenfunktion (FEV1) noch eine Verringerung der bedarfsweise verwendeten inhalativen β2-Agonisten erzielt werden [[48], [50]]. Allerdings waren die untersuchten Patientenkollektive klein (n = 19 bzw. 20) und
der Asthmagrad mild (FEV1 ≥ 70 %soll). Es fielen aber in beiden Studien einige Besonderheiten auf: So führte rhuMAb-E25
zu einem Anstieg der im Serum gemessenen Gesamt-IgE-, zu einem Abfall der freien IgE-Konzentrationen
und einer 11-fachen Reduktion der Sputumeosinophilie. Die bronchiale Empfindlichkeit
nach spezifischer inhalativer Allergenprovokation (ΔPC15 Allergen) nahm signifikant ab (Tag 27: p = 0,0009; Tag 55: p = 0,0005; Tag 77: p
≤ 0,002) [[48]]. Fahy et al. (1997) beschrieb eine rhuMAb-E25-vermittelte Reduktion des Allergen-induzierten
FEV1-Abfalls von 30 ± 10 % auf 18,8 ± 8 % in der allergischen Frühreaktion, und eine FEV1-Reduktion von 24 ± 20 % auf 9 ± 10 % in der allergischen Spätreaktion [[50]]. Die ΔPC20 für Methacholin stieg um das 1,6-fache an, wobei sich allerdings erst bei Studienende
eine Signifikanz (p = 0,05 an Tag 76) errechnen ließ [[48], [50]]. Die Stärken der rhuMAb-E25-Therapie liegen nach diesen beiden Untersuchungen in
einer guten Reduktion der spezifisch-allergischen zellulären Immunreaktion und der
allergen-provozierten Bronchokonstriktion, jedoch bestenfalls schwach in der Beeinflussung
der unspezifischen bronchialen Hyperreaktivität, nicht jedoch in einer Lungenfunktionsverbesserung.
Diese Interpretation wurde allerdings in einer viel größeren Untersuchung von Metzger
et al. (1998) relativiert, in der an 317 Asthmatikern gegenüber Plazebo der Effekt
einer unterschiedlichen rhuMAb-E25-Dosis (niedrig: 0,006; vs. hoch: 0,014 mg/kg/IU/ml)
untersucht wurde [[52]]. Dabei ließ sich die Steroiddosis der Verumgruppen signifikant (p < 0,02), die
des β2-Mimetikaverbrauchs, des Symptomen-Scores, und die Asthma-Exazerbationsraten von 45
% (Plazebo) auf 28 %/30 % (niedrige/hohe Behandlungsdosis; p = 0,03) senken [[52]].
Interleukine
Das Zytokinnetzwerk ist sehr komplex und kann an dieser Stelle nur bezogen auf die
Entwicklung der dort eingreifenden Pharmaka punktuell beschrieben werden. Ausgangspunkt
einer allergischen Reaktion ist die Interaktion zwischen einem Allergen und einer
antigenpräsentierenden Zelle (oder Zellen mit antigenpräsentierenden Eigenschaften),
wozu mononukleäre Zellen (Makrophagen/Monozyten, Lymphozyten) und die dentritischen
Zellen zusammengefasst werden. Diese Zellen verarbeiten das Allergen und präsentieren
Lymphozyten die entsprechenden immunogenen Sequenzen auf ihrer Zelloberfläche, die
ihrerseits eine Differenzierung in Th1- und Th2-Lymphozyten erfahren. Diese Zellen
sind somit „initiierende und amplifizierende” Zellen. Das für die Th1- und Th2-Lymphozyten
charakteristische Zytokinmuster (Abb. [2]) steuert die nachfolgende immunologische Reaktion der sog. Effektorzellen (Mastzellen,
basophile, neutrophile und eosinophile Granulozyten, Thrombozyten und Makrophagen),
die wieder zu einer entsprechenden Reaktion auf der Effektorzielzellebene führt (Epithelzellen,
Myofibroblasten, Muskelzellen). Die „Kommunikation” dieser verschiedenen Zellen erfolgt
dabei sowohl in synergistischer als auch antagonistischer Richtung mittels verschiedenster
Mediatoren (Chemokine, Immunglobuline, Leukotriene, Prostanoide, biogene Amine) [[54], [55]]. Die therapeutische Beeinflussung des Zytokinnetzwerkes zur Behandlung des Asthma
bronchiale ist dabei ein möglicher Ansatz [[56]]. B-Lymphozyten werden z. B. zur IgE-Produktion im wesentlichen durch IL-4 aber
auch durch IL-5, IL-6 und IL-13 angeregt, dem gegenüber stehen Interferon-gamma (IFN-γ),
IL-8 und IL-12, die diese Reaktion antagonisieren. IL-3, IL-5 und GM-CSF (granulocyte/macrophage
colony stimulation factor) sind bei allergischen, Eosinophilen-dominierten Erkrankungen,
wie dem Asthma bronchiale, entzündungsfördernd. Während IL-5 selektiv die Eosinophilen-Produktion
steigert, können dies IL-3 und GM-CSF auch für Neutrophile, Monozyten und Mastzellen.
IL-5 ist unter diesen Mediatoren der stärkste Aktivator von eosinophilen Granulozyten,
indem es die Lebensdauer dieser Zellen verlängert, die Apoptose verhindert, die zelluläre
LTC4 (Leukotrien-C4)-Synthese steigert und die Zellaktivität (zunehmende Degranulation) erhöht [[54], [55]]. Bezüglich der Lebenszeitverlängerung von Eosinophilen ist das Zusammenspiel der
o. g. Mediatoren von Bedeutung. Ein Mediator alleine ist nämlich schwächer wirksam
als der gemeinsame Effekt von IL-3, IL-5 und GM-CSF [[57]]. Da eosinophile Granulozyten beim Asthma bronchiale regelmäßig in der BAL, in der
Bronchialschleimhaut und im Lungengewebe nachgewiesen werden und die Zellmenge mit
der Erkrankungsschwere korreliert, wird IL-5 als einer der wichtigsten Entzündungsmediatoren
des Asthma bronchiale angesehen und prädisponiert zur therapeutischen Blockade, zumal
auch über die Reduktion der Eosinophilenzahlen ein wirksamer antiinflammatorischer
Effekt erzielt werden kann (Abb. [3]) [[58]
[59]
[60]].
Anti-IL-5-Antikörper
Bei Patienten mit einem symptomatischen Asthma bronchiale ließ sich in Abhängigkeit
zu den in der BAL gemessenen IL-3-, IL-5- und GM-CSF-Konzentrationen eine erhöhte
Überlebenszeit der aus Sputum oder peripherem Blut isolierten eosinophilen Granulozyten
nachweisen. Die verlängerte Lebenszeit der Zellen kann in vitro unter Verwendung der
entsprechenden Antikörper signifikant (p < 0,05) reduziert werden [[57], [61]]. Leckie et al. (1999) stellten die Ergebnisse der Therapie mit einem humanisierten
Antikörper gegen IL-5 (SB-240563) an Patienten mit einem allergischen Asthma (n =
24) auf dem Jahreskongress 1999 der American Thoracic Society vor [[62]]. Die Patienten erhielten entweder 2,5 mg/kg i. v. (n = 8), 10 mg/kg i. v. (n =
8) des SB-240563 oder Plazebo. Die Blut-Eosinophilenzahl sank bei der hohen Dosis
bis zu einem Beobachtungszeitraum von 113 Tagen post-injectionem am stärksten (von
initial 0,3 ± 0,12 × 106 Zellen/l auf < 0,1 × 106 Zellen/l) und war von einem Abfall der Sputum-Eosinophilenzahl begleitet. Klinisch
wurde die Wirkung kontrolliert mittels a) eines unspezifischen Provokationstests (Histamin;
PC20) und b) mittels spezifischer Allergenprovokationstestung (allergische Sofort- und
Spätreaktion). In der Histaminprovokation und in der allergischen Sofortreaktion ließ
sich unter der anti-IL-5-Therapie (Tag 8 in der 2,5-mg-Dosisgruppe; Tag 8, 14 und
29 in der 10-mg-Dosisgruppe) kein Effekt nachweisen: gegenüber Plazebo keine signifikante
Reduktion des FEV1-Abfalls ≥ 3 h nach Allergenprovokation [[62]]. Damit bestätigen sich prinzipiell die in einer tierexperimentellen Studie erhobenen
Ergebnisse, in der mit Ovalbumin sensibilisierten Mäusen sich mit einem Antikörper
gegen IL-5 die chemotaktische Wirkung auf Eosinophile und die allergische Früh-, nicht
jedoch die Spätreaktion reduzieren ließ [[63]]. Die fehlende Signifikanz in der humanen Studie von Leckie et al. (1999) begründeten
die Autoren u. a. mit den unterschiedlichen Ausgangswerten der drei Gruppen [[62]]. Da diese Studie primär zur Evaluation von Sicherheits- und Tolerabilitätsaspekten
konzipiert wurde, erfolgte nur eine Einmalgabe und dies nur an einer kleinen Patientengruppe,
weswegen bezüglich einer umfassenderen Beurteilung des klinischen Effektes weitere,
insbesondere Phase-III-Untersuchungen (u. a. mit Mehrfachgaben, größeres Patientenkollektiv),
abgewartet werden müssen. Diese werden derzeit durchgeführt (SB-240563, SCH55700).
IL-5-Transkriptionshemmung
Eine andere interessante Alternative zur IL-5-Hemmung kommt aus der Molekularbiologie.
Das IL-5-Gen ist auf Chromosom 5 lokalisiert und besteht aus 4 Exons und 3 Introns.
Die mRNA besteht aus 402 Nucleotidbasen, wobei die ersten 22 Aminosäuren die Signalsequenzen
enthalten. Die 5′-Promotorregion des IL-5-Gens enthält auch durch Kortikosteroide
regulierbare Elemente, weswegen Steroide die IL-5-Expression unterdrücken können.
Zur Transkriptionshemmung wurden antisense Oligonucleotide entwickelt, d. h. kurze,
komplementär zur spezifischen mRNA aufgebaute Nukleodidsequenzen (GenBank Accession
Number: X04688), die das „Ablesen” der mRNA blockieren und somit die IL-5-Bildung
unterbinden. In-vitro-Untersuchungen an aus peripherem humanen Blut isolierten mit
Phorbolmyristateacetate (PMA) aktivierten mononukleären Zellen zeigten, dass Oligonucleotide
in der Lage sind, die IL-5-Transkription vollständig zu hemmen [[64]]. Wie schwierig es ist, In-vitro-Ergebnisse auf die In-vivo-Situation zu übertragen,
zeigen die Untersuchungen von Molet et al. (1999) [[65]]. Es wurden in dieser Studie CD4+-Lymphozyten aus zervikalen Lymphknoten Ovalbumin-sensibilisierter Ratten isoliert,
ex vivo mit IL-4- oder IL-5-antisense Oligonucleotiden inkubiert und diese Zellen
naiven Ratten intraperitoneal implantiert. Nur in den IL-4-, nicht jedoch den IL-5-antisense
behandelten Tieren, konnte eine Reduktion der allergischen Spätreaktion, der Eosinophilie
und der IL-4-/IL-5-Expression festgestellt werden [[65]]. Die zukünftige klinische Realisierbarkeit eines solchen Therapieprinzips erscheint
nach derzeitigem Kenntnisstand in absehbarer Zeit allerdings fraglich.
IL-4-Inhibition
Da IL-4 ein Mediator der beim Asthma unerwünschten Th2-Antwort ist (u. a. steigert
IL-4 die Expression von Adhäsionsmolekülen), wurde versucht, auch mit IL-4-Antikörpern
einen antiinflammatorischen Effekt zu erzielen. Die Ergebnisse sind aber erst präliminär.
Der vor der Ovalbumin-Sensibilisierung Mäusen applizierte IL-4-Antikörper mit dem
Kürzel 11B11 unterband die IgE-Synthese [[66]]. Der IL-4 Antikörper BAY 16-9996 bindet an die α-Kette des IL-4-Rezeptors. An Primaten
konnte damit eine Reduktion der bronchialen Hyperreaktivität (Methacholin) demonstriert
werden. Obwohl nach der Gabe von 0,5 mg/kg subkutan (2×/d, Applikation parallel zu
inhalativ gegebenen Ascaris-Extrakten) die bronchiale Hyperreaktivität (Δlog PC100) um bis zu 64 % (Tag 24) sank, wurde das Signifikanzniveau (p = 0,057) nicht erreicht
[[67]]. Auch IL-13 hemmt IL-4, da dieses Zytokin an die Alphakette des IL-4-Rezeptors
bindet und diesen blockiert [[68]]. Auch hier konnte mit IL-4-antisense Oligonucleotiden bei Mäusen eine Reduktion
der allergischen Spätreaktion, der Eosinophilie und der IL-4- und IL-5-Expression
erzielt werden [[65]].
Auch durch die Gabe eines löslichen IL-4-Rezeptors (soluble IL-4 receptor = sIL-4R)
lässt sich freies IL4 binden und damit biologisch inaktivieren. In vivo sensibilisierte
Maus-Lymphozyten wurden in vitro re-stimuliert und a) mit löslichem Maus-sIL-4R, bzw.
mit b) einem dimerischen sIL-4R Ig Fusionsprotein inkubiert. Mit beiden Rezeptoren
ließen sich die IgE-Produktion um ca. 70 % und die des IgG1 um ca. 35 % reduzieren
[[69]]. Sowohl die intraperitoneale als auch die inhalative Gabe von sIL-4R reduzierte
in Ovalbumin-sensiblierten Mäusen die allergische Sofortreaktion mit Senkung der IgE-Spiegel
und Normalisierung der Atemwegswiderstände [[70]]. 62 Patienten erhielten in einer plazebokontrollierten, doppelt-verblindeten und
randomisierten Phase-II-Studie (Studiendauer: 12 Wochen) folgende sIL-4R-Konzentrationen
per inhalationem (1×/Woche) verabreicht: 0,75 mg (n = 15); 1,5 mg (n = 16); 3,0 mg
(n = 15); Plazebo (n = 16). In der Plazebogruppe verschlechterte sich die FEV1 um -13,2 %, in der Verumgruppe (3,0 mg) nur um -2,3 % (p = 0,053). Die Ergebnisse
der morgendlichen FEV1-Messungen waren eindeutiger: Plazebo -0,54 l vs. -0,09 l (p < 0,02). Die Halbwertszeit
betrug ca. 1 Woche. An Nebenwirkungen traten auf (Vergleich sIL-4R vs. Plazebo): Kopfschmerzen
13 % vs. 1 %; Erbrechen 13 % vs. 0 %; Infektionen des oberen Respirationstraktes 11
% vs. 6 %; Schmerzsymptome 11 % vs. 1 % [[71]]. Größere Studien mit sIL-4R wurden zur breiteren Bestätigung der klinischen Wirksamkeit
von den Autoren angekündigt.
Adhäsionsmoleküle
Adhäsionsmoleküle
Die Bedeutung der Adhäsionsmoleküle beim akuten Asthma bronchiale ist mit dem Nachweis
ihrer Expression durch verschiedene Entzündungszellen, z. B. VLA-1 (very late antigen)
in T-Helfer-Lymphozyten, lange bekannt [[72]]. Die beim Asthma bronchiale typische Entzündungsreaktion erfordert die Rekrutierung
der verschiedensten o. g. Entzündungszellen. Diese Migration aus dem Kapillarbett
zum Ort des Entzündungsgeschehens - beim Asthma bronchiale vorzugsweise Eosinophile,
Granulozyten, Mastzellen und Lymphozyten - wird durch die sog. Adhäsionsmoleküle und
deren entsprechende Rezeptoren gewährleistet und findet zielgerichtet von den Kapillaren
zum Bronchialepithel, dem Ort des Entzündungsgeschens beim Asthma, statt (Abb. [4]). Die Adhäsion und Migration intravasaler Entzündungszellen zum Entzündungsort ist
beim Asthma bronchiale sehr komplex und soll daher nur auf mögliche therapeutische
Ansatzmöglichkeiten im kurzen Überblick dargestellt werden.
Folgende Adhäsionsmoleküle und deren Liganden sind dabei von pathophysiologischer
Bedeutung: a) die vorwiegend in den Endothelzellen der entzündungsnahen Gefäße nachgewiesenen
Selectine (E-, P- und L-Selectin), und b) die Integrine (VLA-4; LFA-1 [CD11a/CD18];
MAC-1 [CD11b/CD18]; P150,95; ACT-1 [α4 β7]), die primär auf der Oberfläche von Lymphozyten, Neutrophilen, Basophilen, Mastzellen
und Monozyten nachgewiesen werden. Diese Adhäsionsmoleküle reagieren mit für sie spezifischen
Liganden wie z. B. Sialy-Lewis x (sLex) oder Mucine für die Selektine, den interzellulären Adhäsionsmolekülen (ICAMs) oder
Fibronektin für die Integrine, und VCAM-1 für ACT-1. Die Produktion sowohl der Selectine
und Integrine, als auch deren Liganden werden durch Zytokine selektiv gesteuert und
sind spezifisch für bestimmte Zelltypen. So wird z. B. VCAM-1 nur nach IL-4-Stimulation
vermehrt bereitgestellt und bindet Lymphozyten, Monozyten, Basophile und Eosinophile,
nicht aber Neutrophile.
Therapeutische Adhäsionsmolekülehemmung
Ziel der Blockade von Adhäsionsmolekülen (und/oder deren Liganden) ist letztendlich
die Minimierung der Entzündungszellzahl in den Atemwegen und den beteiligten Gewebestrukturen.
Hierzu wurden noch keine klinischen Studien publiziert. Lediglich in tierexperimentellen,
meist an Ovalbumin-sensibiliserten Nagern durchgeführten Untersuchungen ließen sich
mit Antkörpern gegen ICAM-1, VLA-1, VLA-4 oder MAC-1 die allergische Früh- und Spätreaktion
zusammen mit der entsprechenden zellulären Reaktion (Reduktion von Basophilen, Eosinophilen
und Lymphozyten) hemmen [[73]
[74]
[75]
[76]
[77]].
Resümee der medikamentösen Anti-Zytokintherapie
Resümee der medikamentösen Anti-Zytokintherapie
Ohne Zweifel handelt es sich bei den hochselektiven pharmakologischen Interventionen
in das Mediatorsystem um wissenschaftlich wie klinisch ausgesprochen interessante
Therapieansätze (Abb. [5]). Obwohl der Eingriff in das Zytokinnetzwerk im Sinne eines antiinflammatorischen
Wirkansatzes logisch erscheint, ist die praktische Umsetzung schwierig, da es kein
zentral regulierendes „Schlüsselinterleukin” gibt. Es stellt sich somit die kritische
Frage, ob ein pharmakologischer Eingriff an nur einer einzigen Stelle des in sich
verzahnten und durch seine ausgesprochene Komplexität charakterisierten Zytokinnetzwerkes
überhaupt einen klinischen Effekt haben kann. Zwangsläufig werden in einem solchen
Ansatz viele Wechselwirkungen unberücksichtigt bleiben oder es werden neue Wechselwirkungen
entstehen, die möglicherweise den gewünschten Effekt neutralisieren, intensivieren,
oder die vielleicht zu einem ganz neuen Verständnis der pathophysiologischen Vorgänge
führen können. Gleiches gilt prinzipiell auch für die Adhäsionsmolekülhemmung. Außerdem
müssen potentielle Nebenwirkungen eines solchen antiinflammatorischen Therapieansatzes
berücksichtigt werden, denn in den in dieser Übersicht zitierten tierexperimentellen
Arbeiten - Studien am Menschen waren teilweise noch nicht verfügbar - berücksichtigen
diesen Aspekt naturgemäß kaum oder gar nicht.
Wichtig erscheinen im Rahmen dieser Überlegungen auch der Zeitpunkt und Ort des pharmakologischen
Eingriffs in das immunologische Entzündungsgeschehen. Während nämlich die in der Asthma-Therapie
überaus wirkungsvollen und unselektiv wirkenden Kortikosteroide schon sehr früh, d.
h. auf der Ebene der Transkriptionsfaktoren wirken, greifen Antagonisten (z. B. anti-IgE-,
anti-IL-5-Antikörper, Hemmung des Adhäsionsmechanismus oder Leukotrienrezeptorantagonisten)
sehr selektiv und/oder vergleichsweise spät in das Entzündungsgeschehen ein, was sich
auf die klinische Effektivität auswirken dürfte. Derzeit ist bei vielen der hier vorgestellten
therapeutischen Konzepte nicht abzusehen, welche Eingang in die Asthmatherapie finden
werden. Vielfach sind die entsprechenden Ansätze nur tierexperimentell evaluiert worden.
Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen ist jedoch nur eingeschänkt
möglich.
Ohne Zweifel wird die weitere Entwicklung neuer Therapeutika zur Behandlung des Asthma
bronchiale interessant bleiben. Die Zukunft wird zeigen, welcher Ansatz sich in humanen
(Phase III)-Studien und später im klinischen Alltag bewährt, welcher schließlich die
Marktreife erlangen wird und welchen zusätzlichen Beitrag die jeweilige Substanz zur
Verbesserung der Symptomatik gegenüber der derzeitigen ohnehin schon in der Praxis
verfügbaren und überaus potenten Substanzen leisten kann.
Abb. 1Die spezifische Blockade der FcεR1-Bindungsstelle innerhalb des IgE-Moleküls mittels
eines monoklonalen Antikörpers verhindert die IgE-vermittelte allergische Reaktion,
da die Verbindung zwischen IgE und dem zellulären FcεR1-Rezeptor dadurch unterbunden
wird und somit eine Zellaktivierung ausbleibt (modifiziert nach [[46]]).
Abb. 2Vereinfachte Darstellung der Th1- und Th2-Antwort nach Allergenexposition beim allergischen
Asthma bronchiale (modifiziert nach [[78]]). IL- = Interleukin, IFN-γ = Interferon-gamma, GM-CSF = granulocyte/macrophage
stimulating factor, TNF-α = Tumornekrosefaktor-alpha, Th- = T-Lymphozyt.
Abb. 3Interleukin 5 (IL-5) fördert die Produktion eosinophiler Granulozyten, steigert deren
Aktivität und die Lebenszeit. Die IL-5-Hemmung - sei es durch einen selektiven Inhibitor,
durch Kortikosteroide oder ein IL-5-antisense Oligonucleotid - führt zu einer Reduktion
der Zellaktivität, der Zellzahl (Eosinophile) und der freigesetzten Entzündungsmediatoren.
Abb. 4Schematische Übersicht über die Rekrutierung von Entzündungszellen aus dem Gefäßsystem
zum Entzündungsgeschehen (guiding und rolling → Adhäsion an Endothelzellen der Gefäßwand
→ Migration durch die Gefäßwand [Diapedese] → Transmigration durch das Lungeninterstitium)
und der dabei beteiligten Adhäsionsmoleküle.
Abb. 5Übersicht über pharmakologische Möglichkeiten zur direkten und indirekten Hemmung
der Entzündungsreaktion beim Asthma bronchiale. LT = Leukotriene, PDE = Phosphodiesterasen,
iNOS = induzierbare NO-Synthase.