Einführung
Untersuchungsinteresse
In Fachkliniken für Suchtkranke werden nicht erst seit dem Qualitätssicherungsprogramm
der Rentenversicherung Untersuchungen zur Effektivität der medizinischen Rehabilitation
Suchtkranker unternommen. So existiert z. B. in der Allgemeinen Hospitalgesellschaft
(AHG) seit vielen Jahren im Rahmen von internen Qualitätszirkeln ein systematischer
Austausch zu Fragen der Ergebnisqualität, der auch Fragen der Struktur- und Prozessqualität
einbezieht. Dazu wurden in den Kliniken eine Reihe von Instrumenten, wie z. B. eine
gemeinsame Basisdokumentation [1 ], ein Entlassfragebogen [2 ] und ein gemeinsames Katamnese-Instrument, entwickelt und eingesetzt. Ergebnisse
der Begleitforschung werden regelmäßig ausgewertet und zur klinikinternen Qualitätssicherung,
aber auch zum fachlichen Austausch innerhalb der Gesellschaft genutzt. Bisherige gemeinsame
Untersuchungen der Kliniken fokussierten aber überwiegend die summative Evaluation
der Behandlung [3 ]
[4 ]. Künftige Entwicklungen sollen stärker differenzielle Aspekte beleuchten. Um die
Wirksamkeit einzelner Behandlungsmethoden nach international etablierten Standards
[5 ] untersuchen zu können, bedarf es einer differenzierten Beschreibung der einzelnen
therapeutischen Maßnahmen, die im Rahmen eines Therapieplanes zum Einsatz kommen.
Deshalb wurde 1998 ein weiteres Instrument entwickelt, das das Behandlungsangebot
der Kliniken nach gemeinsamen Kriterien beschreibt. Dieses Instrument [6 ], das Verzeichnis therapeutischer Leistungen (VTL), wurde für den Patientenentlassjahrgang
1998 erstmals eingesetzt. Weiterhin bedarf es präzise formulierter Zielkriterien,
um die Effektivität eines Behandlungsprogramms zu untersuchen. Hier eignen sich besonders
Kriterien, die einer übergreifenden Zielheuristik entstammen, die von einzelnen Therapietheorien
unabhängig ist.
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, eine umfassende Bestandsaufnahme des therapeutischen
Leistungsspektrums der AHG-Suchtfachkliniken durchzuführen und damit zur Qualitätsdiskussion
und zum Qualitätsmanagement in der Allgemeinen Hospitalgesellschaft als auch zur Diskussion
von Behandlungsstandards in der Fachöffentlichkeit beizutragen und weitere differenzielle
Untersuchungen anzustoßen. Als theoretische Bezugsgröße wurde die Beta-2-Version der
„Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit und Behinderung” [7 ] gewählt. Sie bietet Bewertungsmöglichkeiten für eine umfassende Leistungsdarstellung,
weil sie präzise beschriebene Befundkategorien von Störungen der Funktionsfähigkeit
liefert.
ICIDH-2-Beta-2 und mögliche Implikationen für die Rehabilitation Suchtkranker
Als besonderer Vorteil der ICIDH-2-Beta-2 könnte sich erweisen, dass dort mit den
Dimensionen „Aktivitäten” und „Partizipation” eine implizite Zielheuristik für einen
angemessen menschenwürdigen Lebensvollzug angelegt ist, die unabhängig von Störungs-
und Ätiologiemodellen ist, daher auch auf unterschiedliche therapeutische Ansätze
bezogen werden kann und deren Beschreibungskriterien den Therapeuten eine Operationalisierung
von individuellen Therapiezielen ermöglichen könnte.
Wie werden die zentralen Dimensionen „Körperfunktionen und -strukturen”, „Aktivitäten”
und „Partizipationen” definiert?
„Körperfunktionen sind physiologische oder psychische Funktionen von Körpersystemen.
Körperstrukturen sind anatomische Teile des Körpers wie Organe, Gliedmaßen und ihre Bestandteile.”
[7, S. 18] Körperfunktionen und Körperstrukturen sind in zwei verschiedenen, aber
parallel entworfenen Klassifikationen dargestellt.
Eine Schädigung ist eine „Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder -struktur im Sinn einer wesentlichen
Abweichung oder eines Verlustes”. [7, S. 18] Sie betreffen den physischen und psychischen
Funktionszustand, gemessen an von Fachleuten anerkannten Maßstäben.
Die Auswirkung einer Schädigung für das Leben des Individuums wird über die Kategorien
der „Aktivitäten” und der „Partizipation” beschrieben.
„Eine Aktivität bezeichnet die Durchführung einer Aufgabe oder einer Tätigkeit (Aktion) durch eine
Person.
Eine Beeinträchtigung der Aktivität ist eine Schwierigkeit oder die Unmöglichkeit für eine Person, die Aktivität durchzuführen.”
[7, S. 19]
Die Aktivitäten werden in der ICIDH-2-Beta-2 in 8 Kapiteln ausgeführt (in Klammern
die Codes auf der zweiten Gliederungsstufe):
Das Kapitel 1 „Aktivitäten des Lernens und der Wissensanwendung” betrifft elementare
und komplexe Aktivitäten, „die zum Lernen, zur Anwendung des gelernten Wissens, zum
Nachdenken, zum Lösen von Problemen und zum Treffen von Entscheidungen erforderlich
sind”. (a110-a199)
Kapitel 2 „Aktivitäten der Kommunikation” bezieht sich auf Aktivitäten des Verstehens
und der Produktion von gesprochenen, schriftlichen oder nonverbalen Mitteilungen und
Aktivitäten zur Konversation. (a210-a299)
Kapitel 3 „Elementare Bewegungsaktivitäten” sowie Handhabung von Gegenständen erfasst
Körperbewegungen, Veränderung der Körperposition, Verlagerung sowie Halten, Bewegen
und Handhaben von Gegenständen. (a310-a399)
Kapitel 4 „Aktivitäten der Fortbewegung” bezieht sich auf Fortbewegungsaktivitäten,
drinnen und draußen. (a410-a499)
In Kapitel 5 „Aktivitäten der Selbstversorgung” werden elementare Aktivitäten wie
Körperhygiene und -pflege, Ankleiden, sich ernähren und auf die Gesundheit achten
beschrieben. (a510-a599)
Kapitel 6 „Häusliche Aktivitäten” umfasst z. B. das Beschaffen von Wohnraum, Lebensmitteln
etc., Haushaltsaktivitäten, Reinigung und Instandsetzung usw. (a610-a699)
In Kapitel 7 „Interpersonelle Aktivitäten” werden elementare oder komplexe Aktivitäten
des Interagierens mit Menschen in einer kontextuell und sozial geeigneten Weise operationalisiert.
(a710-a799)
In Kapitel 8 „Aufgabenbewältigung und bedeutende Lebensaktivitäten” werden die Anforderungen
jeder Art von Aufgaben und Aktivitäten beschrieben, die in wichtigen Lebensbereichen
wie Arbeit, Bildung und Ausbildung sowie Freizeitgestaltung erforderlich sind. (a810-a899)
„Partizipation ist die Teilnahme oder Teilhabe einer Person in einem Lebensbereich bzw. einer Lebenssituation
vor dem Hintergrund ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung, ihrer
Körperfunktionen und Strukturen, ihrer Aktivitäten und ihrer Kontextfaktoren (personbezogene
Faktoren und Umweltfaktoren).
Eine Beeinträchtigung der Partizipation ist ein nach Art und Ausmaß bestehendes Problem einer Person bezüglich ihrer Teilhabe
in einem Lebensbereich bzw. einer Lebenssituation.” [7, S. 21]
Analog der Systematisierung der Aktivitäten werden die Partizipationen in 9 Kapiteln
ausgeführt:
Kap. 1 „Partizipation an der persönlichen Selbstversorgung” (p110-p199),
Kap. 2 „Partizipation an Mobilität” (p210-p299),
Kap. 3 „Partizipation am Informationsaustausch” (p310- p399),
Kap. 4 „Partizipation an sozialen Beziehungen” (p410- p499),
Kap. 5 „Partizipation am häuslichen Leben und an der Hilfe für andere” (p510-p599),
Kap. 6 „Partizipation an Bildung und Ausbildung” (p610- p699),
Kap. 7 „Partizipation an Erwerbsarbeit und Beschäftigung” (p710-p799),
Kap. 8 „Partizipation am Wirtschaftsleben” (p810-p899),
Kap. 9 „Partizipation an der Gemeinschaft, am sozialen und am staatsbürgerlichen Leben”
(p910-p999).
Der ICIDH-2-Beta-2 liegt, das wird aus dieser Systematisierung deutlich, ein „biopsychosozialer
Ansatz” zugrunde. Während also das „medizinische Modell” Behinderung und chronische
Erkrankung vorwiegend als ein persönliches Problem sieht, das z. B. von einer Krankheit
verursacht wird und das der Behandlung bedarf, und das „soziale Modell” Behinderung
und chronische Erkrankungen und damit auch Suchterkrankungen als gesellschaftliches
Problem mit gesellschaftlichen Ursachen sieht und damit vor allem gesellschaftliche
Veränderungen erfordern würde, leistet das Konzept der ICIDH-2 eine Integration dieser
beiden Modelle. Es versucht, „eine kohärente Sicht der verschiedenen Dimensionen der
Gesundheit auf biologischer, individueller und sozialer Ebene” [7, S. 25/26] zu ermöglichen
und ist daher auch für klinische und gesundheitspolitische Anwendungsbereiche geeignet.
Fragestellungen
Entspricht das Leistungsspektrum den diagnostischen Foci der ICIDH-2?
Wie lässt sich das therapeutische Gesamtangebot moderner Fachkliniken in der Bundesrepublik
am Beispiel von 5 Kliniken der Allgemeinen Hospitalgesellschaft, Hilden, beschreiben,
welche Schwerpunkte, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Programmprofil verschiedener
Kliniken zeichnen sich ab?”
Untersuchungsmethode
Die Klinikstichprobe : In die Auswertung gehen die Leistungsdaten des Entlassjahres 1998 von 6 Suchtkliniken
der Allgemeinen Hospitalgesellschaft (AHG) ein, das sind die Fachklinik Bad Tönisstein,
die Psychosomatische Fachklinik Münchwies, die Kliniken Daun, d. h. die Fachklinik
Thommener Höhe und die Fachklinik am Rosenberg, weiterhin die Klinik Schweriner See
sowie die Fachklinik Wilhelmsheim. Eine Klinik führt fast ausschließlich Kurzzeitbehandlungen
durch, die anderen Kliniken bieten das gesamte Therapiezeitspektrum von 4 bis zu 26
Wochen an.
Die Patientenstichprobe umfasst die kompletten Entlassjahrgänge des Jahres 1998, das sind 3640 Personen.
In die Untersuchung wurden alle regulär entlassenen Patienten, das sind 2923 (80,30
%) Personen aufgenommen, weil sich die Ergebnisse zu den durchschnittlich erbrachten
Leistungsmengen besser interpretieren lassen.
Die Stichprobe der therapeutischen Leistungen : Zur Erfassung der therapeutischen Leistungen wurde ein Instrument der Allgemeinen
Hospitalgesellschaft eingesetzt, das „Verzeichnis therapeutischer Leistungen” (VTL).
Dieses Verzeichnis wurde in enger Anlehnung an die Systematik des offiziellen Klassifikationskataloges
therapeutischer Leistungen der Rentenversicherung (KTL) entwickelt. Die therapeutischen
Maßnahmen werden im VTL in 8 Bereiche gruppiert, die den traditionellen Leistungsbereichen
der Sucht- und Psychosomatikkliniken entsprechen. Es sind dies die Bereiche „Medizin”,
„Physiotherapie/Krankengymnastik”, „Ernährung”, „Sport- und Bewegungstherapie”, „Ergotherapie”,
„Psychotherapie Einzel” - hier ist auch die psychologische Diagnostik enthalten -,
„Psychotherapie Gruppe”, „Indikative Gruppen” und „Soziotherapie”. Das Instrument
differenziert ca. 300 beschriebene Leistungen.
Um die Datenmenge noch überschaubar darstellen zu können sowie aus Gründen der Aussagekraft
von Durchschnittswerten einzelner Daten wurden nur solche therapeutischen Leistungen
ausgewertet, die mindestens bei 2 % der Gesamtstichprobe und bei mindestens 2 % der
einzelnen Klinikstichproben appliziert wurden.
Folgende Abfolge der Analyseschritte wurde gewählt:
Für jede Einzelleistung wurde in einer Konsensusgruppe der Autoren der Bezug der Therapieinhalte
zu den Kategorien der beiden Dimensionen „Aktivitäten” und „Partizipation” der ICIDH-2-Beta-2
eingeschätzt. Die Ergebnisse werden hier in einer Übersichtstabelle präsentiert.
Anschließend wurde überprüft, welche Kliniken die jeweiligen Einzelleistungen in welcher
Häufigkeit anbieten, Mittelwerte für die Gesamtstichprobe berechnet und die niedrigsten
und die höchsten Applikationsquoten aus den durchschnittlichen Klinikwerten berechnet.
Diese Berechnung liefert Hinweise über die Schwerpunkte der Leistungsprofile der Kliniken und regt einen fachlichen Austausch darüber an, für wen einzelne Leistungen
nach Indikationsgesichtspunkten sinnvoll erscheinen. Um die Datenmenge überschaubar
zu gestalten, wurden einige therapeutische Leistungen innerhalb der 8 Leistungsbereiche
zu Leistungsgruppen zusammengefasst.
Schließlich wurden für die erfassten Leistungen mittlere Leistungsmengen berechnet
und ebenfalls mit dem niedrigsten Klinikmittelwert und dem höchsten Mittelwert kontrastiert.
Diese Berechnung bzw. dieser Vergleich erlaubt Rückschlüsse und Diskussionen über
sinnvolle Leistungsmengen , also darüber, wie viel einer bestimmten therapeutischen Leistung in den einzelnen
Kliniken als sinnvoll angesehen wird, und ist ebenfalls als ein Beitrag zur internen
Qualitätsdiskussion gedacht.
Ergebnisse
Ergebnisse zur Stichprobenbeschreibung und zur Behandlungsdauer
Tab. [1 ] fasst ausgewählte Daten zur Charakterisierung der Stichprobe zusammen. Die Daten
stimmen weitgehend mit den Beschreibungsmerkmalen der im Fachverbund Sucht e. V. [8 ] vertretenen Kliniken überein. Nennenswerte Abweichungen: Die AHG-Stichprobe enthält
einen um 3 % größeren Frauenanteil, einen um 6 % größeren Anteil an verheirateten,
zusammenlebenden Personen sowie 7 % weniger Arbeitslose als die Vergleichsstichprobe.
Tab. 1 Stichprobenbeschreibung
Variable
Kategorien
N
%
Diagnose und Behandlungsgeschichte
Primärdiagnose Sucht
Alkoholabhängigkeit
3 479
95,6
Medikamenten-/Drogenabhängigkeit
87
2,4
Andere
74
2,0
Abhängigkeitsdauer
bis 5 Jahre
724
19,9
6-10
1 150
31,6
11-15
780
21,4
16-20
592
16,3
über 20
327
9,0
missing data
47
1,3
Zweitdiagnose Sucht
305 Alkohol-, Drogen- u. Medikam.missbrauch
1 095
30,1
304 Medikamenten-/Drogenabhängigkeit
260
7,1
häufigste med. Komorbiditätsdiagnosen
571 Chron. Leberkrankheit u. -zirrhose
1 295
35,6
272 Störungen des Lipidstoffwechsels
1 127
31,0
278 Adipositas
561
15,4
274 Gicht
382
10,5
577 Pankreatitis
365
10,0
401 Essenzielle Hypertonie
362
10,0
reg. beendete stat. Entwöhnungen
keine
2 937
80,7
1
530
14,6
2 oder mehr
165
4,5
missing data
8
,2
Soziodemografische Daten
Geschlecht
weiblich
1 006
27,6
männlich
2 634
72,4
Alter
bis 20 Jahre
3
,1
21-30
137
3,8
31-40
1 066
29,3
41-50
1 493
41,0
51-60
745
20,5
mehr als 60
196
5,4
Familienstand
ledig
927
25,5
verheiratet, zusammenlebend
1 431
39,3
verheiratet, getrennt lebend
358
9,8
verwitwet
106
2,9
geschieden
802
22,0
unbekannt
16
,4
letzte besuchte Schule
Sonderschule
55
1,5
Hauptschule ohne Abschluss
160
4,4
Hauptschule mit Abschluss
1 654
45,4
Mittlere Reife
983
27,0
Fachschule
144
4,0
Abitur ohne Studium
126
3,5
Studium ohne Abschluss
105
2,9
Studium mit Abschluss
358
9,8
sonstige
25
,7
unbekannt
30
,8
Berufsstatus
Vollzeitbeschäftigung (auch ABM)
1 828
50,2
Teilzeitbeschäftigung (auch ABM)
117
3,2
arbeitslos
1 186
32,6
Rentner/Pensionär
188
5,2
in Ausbildung/Umschulung
39
1,1
Hausfrau/Hausmann
194
5,3
sonstige
64
1,8
unbekannt
24
,7
Abb. 1 Verteilung der Untersuchungsstichprobe nach Behandlungsdauern.
Die durchschnittliche Behandlungsdauer für die 2923 regulär entlassenen Patienten
beträgt 87,2 Tage (vgl. Abb. [1 ]) und weicht kaum vom Mittelwert der Stichprobe des Fachverbands Sucht ab (85,3 Tage)
[8 ]. Verteilungsspitzen zeichnen sich bei 8 und 16/17 Wochen ab. Dies entspricht den
üblichen Kostenzusagen der Rentenversicherung. Während eine Klinik überwiegend 8-wöchige
Behandlungsdauern appliziert, weisen alle anderen Kliniken ein Verteilungsmuster auf,
in dem alle gängigen Therapiedauern repräsentiert sind.
Leistungsübersicht
Das VTL enthält ohne den Bereich Medizin, für den 1998 noch keine Daten ausgewiesen
werden können, 249 beschriebene therapeutische Leistungen, davon werden 237 in den
Kliniken appliziert. 147 Leistungen erreichen mehr als 2 % der Untersuchungsstichprobe,
das bedeutet, dass 90 Leistungen jeweils nur bei sehr wenigen Personen angewendet
werden (vgl. Tab. [2 ]). Dies kann als wichtiges Qualitätsmerkmal für eine individualisierte Behandlung
gewertet werden: Suchtkliniken bieten auch eine Vielzahl von sehr spezifischen Leistungen
für wenige Patienten an. Die Gesamtauswertung umfasst nach Anwendung des 2 %-Selektionskriteriums
147 Leistungen.
Tab. 2 Leistungskategorien pro Therapiebereich
Leistungskategorien pro Therapiebereich
Anzahl der Leistungskategorien
Therapiebereich
in VTL
appliziert
≥ 2 % Nutzung
Physiotherapie / Krankengymnastik
42
40
17
Ernährung
33
30
17
Sport- u. Bewegungstherapie
22
22
16
Ergotherapie
18
17
9
Psychotherapie Einzel
46
44
32
Psychotherapie Gruppe
16
16
11
indikative Gruppen
47
44
31
Soziotherapie
25
24
14
Die Tab. [3 ] sowie [5 ]-[8 ] sind nach demselben Prinzip gegliedert. In der ersten Spalte sind die Leistungsbereiche
bzw. in den nachfolgenden Tabellen auch Leistungsgruppen und Einzelleistungen gelistet.
In der zweiten Spalte wird die Anzahl der Fachkliniken, die die jeweiligen Leistungen
anbieten, genannt. Spalte 3 und 4 nennen die Anzahl der Patienten, die durch diese
Leistungen erreicht werden. Daran schließen sich zwei Spalten an, die jeweils die
niedrigste und die größte Quote erreichter Patienten in den beteiligten Fachkliniken
ausweisen, um Unterschiede in den Leistungsprofilen der Kliniken zu verdeutlichen.
Tab. 3 Leistungsübersicht
Leistungsübersicht
appliziert von/bei
Leistungsbereich
N FK
N Pat.
% Pat.
Min FK-Qu.
Max FK-Qu.
Physiotherapie / Krankengymnastik
6
1 528
52,3
9,3
73,1
Ernährung
6
1 984
67,9
20,3
94,6
Sport- und Bewegungstherapie
6
2 849
97,5
91,8
99,5
Ergotherapie
5
2 184
74,7
94,6
98,6
Psychotherapie Einzel
6
2 870
98,2
90,4
100
Psychotherapie Gruppe
6
2 893
99,0
95,1
100
Indikative Gruppen
6
2 792
95,5
79,1
99,7
Soziotherapie
6
2 662
91,1
64,4
100
Alle Kliniken bieten Leistungen aus 7 der 8 Bereiche an. Ergotherapie wird nur in
5 Kliniken angeboten (vgl. Tab. [3 ]). „Psychotherapie Gruppe” und „Psychotherapie Einzel”, „Sport- und Bewegungstherapie”,
„Indikative Gruppen” und „Soziotherapie” erreichen jeweils mehr als 90 % der Untersuchungsstichprobe.
Die „Ergotherapie” erreicht in 5 Kliniken ebenfalls über 90 % der Klienten.
Deutliche Unterschiede zeichnen sich in der Nutzung von Physiotherapie und spezifischen
Ernährungsangeboten ab. Im Durchschnitt wird auch hier jeweils mehr als die Hälfte
der Patienten erreicht, mit erheblichen Unterschieden zwischen den Kliniken.
Bezüge der Leistungen zu den impliziten Zielen der ICIDH-2-Beta-2-Kapitel
Die 8 Aktivitätskapitel der ICIDH-2-Beta-2 enthalten insgesamt 65 definierte Teilbereiche.
Restkategorien wurden nicht berücksichtigt. Bei 47 Teilbereichen können Therapiemaßnahmen
der Kliniken zugeordnet werden. 30 von 40 Teilbereichen der 9 Kapitel zur Partizipation
sind durch entsprechende Therapiemaßnahmen belegt. Alle therapeutischen Leistungsbereiche
weisen sinnvolle und charakteristische Bezüge zur ICIDH-2 auf (vgl. Tab. [4 ]). Psychotherapeutische Angebote im Einzel- und im Gruppensetting, die Indikativgruppen
und die Soziotherapie weisen deutlich die meisten Bezüge auf.
Tab. 4 Leistungsbereiche und Bezüge zu den diagnostischen Foci der ICIDH-2-Beta-2
Bereiche
N Pat.
LE
Bezüge zur ICIDH-2-Beta-2 a(Aktivität) p(Partizipation)
Physiotherapie/Krankengymnastik
1 528 52,3 %
17,0
a:135;310;320;330;340;350;360;370;410;420;430;580; p:140;210;220;230;
Ernährung
1 984 67,9 %
4,05
a:135;580;620;630; p:120;140;
Sport- und Bewegungstherapie
2 849 97,5 %
34,6
a:135;310;320;330;340;350;360;370;410;420;430;580;710;720;830; p:140;220;230;430;920;
Ergo-Therapie
2 184 74,7 %
24,4
a:135;140;145;150;225;245;250;255;360;370;650;710;810;820; 825;840;855; p:320;340;350;710;720;730;740;910;920;
Psychotherapie Einzel
2 870 98,2 %
13,5
a:110;115;135;140;145;150;210;220;230;240;250;580;610;620; 710;720;730;740;750;760;810;815;820;825;
830;850;860; p:310;340;410;420;430;510;640;730;830;910;920;930;
Psychotherapie Gruppe
2 893 99,0 %
100
a:110;115;135;140;145;150;210;220;230; 240;250;580;660;710;720;730;740;750;810;815;820;825;830;
p:140;310;340;410;430;550;730;740;910;920;
indikative Gruppen
2 792 95,5 %
16,1
a:110;115;135;140;145;150;210;220;230; 245;250;520;580;620;660;710;720;730;740;750;760;810;815;820;
825;830;840;850;855; p:120;140;310;320;340;410;420;430;510;640;710;730;740;830;910;
Soziotherapie
2 662 91,1 %
4,50
a:135;140;145;150;225;230;245;250;255;610;620;630;640;660;730;740;750; 810;815;820;825;830;840;850;
p:130;310;320;440;510;520;610;640;710;720;730;740;810;820;830;910;950;
Ergebnisse zu den einzelnen Leistungsbereichen
Aus dem Bereich Psychotherapie Einzel soll exemplarisch der Bereich der Psychologischen Diagnostik herausgegriffen werden (vgl. Tab. [5 ]). 2 Kliniken nahmen nicht an der Datenerhebung teil, die Bezugsgröße ändert sich
auf 2133 Personen. Nach inhaltlichen Gesichtspunkten ergeben sich 3 Untergruppen.
Die zugeordneten diagnostischen Maßnahmen erreichen jeweils übereinstimmend einen
sehr hohen Prozentsatz der Klientel, mit hohen Übereinstimmungen zwischen den Kliniken.
Tab. 5 Psychologische Diagnostik
Psychologische Diagnostik
appliziert bei(n = 2 133)
Anzahl LE Leistungseinheiten
LEISTUNGSGRUPPEN GESAMT
N FK
N PAT
% PAT
Min FK-QU.
Max FK-QU.
Min in FK
Max in FK
Basisdiagnostik, Suchtdiagnostik, Verhaltensanalyse
gesamt (6 DL)
4/4
2 098
98,4
93,9
99,7
4,3
1,2
5,3
spezielle Diagnostik
gesamt (7 DL)
4/4
2 056
96,4
93,4
99,6
1,7
1,2
2,6
Behandlungsplanung u. Therapieprozessdiagnostik
gesamt (3 DL)
4/4
1 967
92,2
65,5
99,1
2,1
1,0
3,8
Einzeltherapie und Einzelgespräche i. e. S. (keine Tabelle) erreichen 78,9 % der Patienten, wobei die verhaltenstherapeutischen
Gespräche im Vordergrund stehen. Für jeden Patienten, der Einzelgespräche bekommt,
werden durchschnittlich 7 Sitzungen aufgewandt.
Von den sonstigen patientenbezogenen Einzelleistungen sind psychotherapeutische Paargespräche
mit 9,4 %, systemische Familiengespräche mit 4,2 %, verhaltenstherapeutische Familiengespräche
mit 3,4 % und Beratung von Patienten und Angehörigen mit 3,5 % zu erwähnen.
Tab. 6 Psychotherapie-Gruppe
Psychotherapie-Gruppe
appliziert bein = 2 923
Anzahl LE Leistungseinheiten
Leistungsbezeichnung
N FK
N PAT
% PAT
Min FK-QU.
Max FK-QU.
Min in FK
Max in FK
Gruppenpsychotherapie in der Bezugsgruppe
gesamt (4 TL)
6/6
2 874
98,3
94,3
99,7
46,0
35,5
60,6
Sonstige gruppentherapeutische u. psychoedukative Maßnahmen
702 Anleitung zur gruppenzentrierten Arbeit
6/6
2 645
90,5
75,4
99,7
29,4
4,6
51,3
707 Vor- u. Nachbereitung SHG
6/6
1 886
64,5
12,5
99,6
2,91
1,4
4,0
710 Vorträge Suchtinformation
5/5
1 660
56,8
3,1
92,6
14,5
1,0
40,6
712 Bereichs-/Vollversammlung
4/4
1 617
55,3
44,5
99,6
8,89
1,4
12,1
708 Aufnahmeprogramm
4/3
1 396
47,8
94,6
99,4
4,58
1,0
8,5
706 Gruppenausflug mit Therapeut
6/5
1 299
44,4
40,3
64,2
1,28
1,0
1,6
711 Vorträge therapierelevante Themen
5/4
1 154
39,5
39,0
86,0
18,8
1,0
36,2
709 Einführungsseminar
4/3
825
28,2
16,6
94,7
1,07
1,0
1,2
704 Partner-/Angehörigenseminar
6/6
773
26,4
13,7
40,7
1,07
1,0
1,2
715 Gruppenbehandlung, sonstige
3/1
582
19,9
-
81,1
8,05
-
7,8
Die Psychotherapie in der Gruppe (vgl. Tab. [6 ]) ist traditionell der bedeutendste Therapiebereich in den Suchtfachkliniken mit
dem größten zeitlichen Anteil am Gesamtbehandlungsprogramm. Neben der Gruppentherapie
in der Bezugsgruppe, die nahezu alle Patienten erreicht, sind weitere Leistungen für
große Teile der Untersuchungsstichprobe zutreffend, wie z. B. Anleitung zur themenzentrierten
Gruppenarbeit, Vor- und Nachbereitung von Selbsthilfegruppenbesuchen, Vorträge, Bereichs-
und Vollversammlungen und einiges mehr.
Partner- und Angehörigenseminare finden zusätzlich zu den oben referierten Paargesprächen
bei 26,4 % der Untersuchungsstichprobe statt.
Tab. 7 Indikative Gruppen
indikative Gruppen
appliziert bei (n = 2 923)
Anzahl LE Leistungseinheiten
Leistungsgruppen
N FK
N PAT
% PAT
Min FK-QU.
Max FK-QU.
Min in FK
Max in FK
Gruppen zur Substanzabhängigkeit
gesamt SA (6 IG)
5/5
1 540
52,7
17,0
99,6
6,0
2,1
11,9
Entspannungstrainings
gesamt E (4 IG)
6/6
1 442
49,3
17,2
96,0
4,5
1,1
5,3
psychosoziale Kompetenztrainings
gesamt K (14 IG)
6/6
1 626
55,6
23,1
90,4
10,5
3,8
13,6
problemzentrierte Gruppen
gesamt P (6 IG)
5/5
561
19,2
6,4
50,1
7,5
6,4
9,9
Sonstige
Sonstige nicht beschrieb. IG
6/4
882
30,2
entf.
entf
2,8
entf
entf
Die indikativen Gruppen (vgl. Tab. [7 ]) haben zentrale Bedeutung in den Klinikkonzepten. Die insgesamt 30 Indikativgruppen,
die das 2 %-Kriterium erfüllen, wurden in 4 Kategorien eingeteilt. Die größte Bedeutung
haben offensichtlich die psychosozialen Kompetenztrainings im weiteren Sinne, das
sind insgesamt 14 verschiedene Indikativgruppen, die zusammen über 55 % der Klientel
erreichen und von denen im Durchschnitt 10,5 Sitzungen von jedem erreichten Patienten
genutzt werden. Gruppen, die sich mit der Substanzabhängigkeit i. e. S. befassen,
das sind die Gruppen Medikamentenabhängigkeit/-missbrauch, Rückfallprävention, Motivation,
Suchtinformation, Alkoholexposition und außerdem Raucherentwöhnung, erreichen ebenfalls
über 50 % der Klientel und benötigen im Durchschnitt 6 Sitzungen. Entspannungstrainings
erreichen ebenfalls ca. 50 %, werden von allen Kliniken angeboten und benötigen im
Durchschnitt 4,5 Sitzungen. Problemzentrierte Gruppen, wie z. B. Stressbewältigung,
Arbeitslosigkeit, Depressionsgruppe, Angstbewältigung usw., werden bei 19 % durchgeführt
und schlagen insgesamt mit durchschnittlich 7,5 Sitzungen zu Buche. Die Dauern dieser
Sitzungen sind im VTL in der Regel mit 100 Minuten festgelegt.
Bei weiteren 30 % der Klientel werden indikative Gruppen durchgeführt, die nicht in
der VTL definiert sind, ein Zeichen dafür, dass im Bereich der Indikativgruppen viel
konzeptionelle Bewegung ist.
Soziotherapie (ohne Tabelle) gliedert sich in Sozialberatungsleistungen i. e.S sowie spezifische
Maßnahmen zur beruflichen Integration. Sozialberatungsleistungen i. e. S., diese umfassen allgemeine Sozialberatung, Planung weiterführender Maßnahmen,
Beratung zur wirtschaftlichen Absicherung und Schuldnerberatung, Klärung von rechtlichen
Fragen und von Wohnungsfragen, werden von 69,8 % der Untersuchungsstichprobe in Anspruch
genommen. Spezifische Maßnahmen zur beruflichen Integration im Rahmen der Soziotherapie nehmen 25,5 % der Patienten in Anspruch. Dabei handelt
es sich um spezifische Beratungen, Arbeitsvermittlungen und Belastungserprobungen.
Es gibt erhebliche Unterschiede in der Nutzung dieser Angebote. In Kurzzeitbehandlungen
spielt die Soziotherapie eine geringe Rolle, in den längeren Behandlungen wird sie
deutlich mehr genutzt.
Tab. 8 Ernährung
Ernährung
appliziert bei
Anzahl LE Leistungseinheiten
Leistungsbezeichnung
N FK
N Pat.
%Pat.
Min FK-Qu.
Max FK-Qu.
Min in FK
Max in FK
Vorträge, Beratung, Schulungen
gesamt (8 TL)
6/5
1 772
60,6
15,7
93,8
5,7
1,5
7,2
Kostformen, Diäten
gesamt
6/6
1 142
39,1
5,4
76,1
1,3
1
1,3
454 Antiatherogene Kost
4/2
700
23,9
49,2
51,4
1
1
1
455 Purinarme Kost
5/2
283
9,7
16,1
23,7
1
1
1
452 Reduktionskost
6/5
250
8,6
2,7
18,2
1
1
1
453 Diabeteskost
6/5
140
4,8
2,7
9,2
1
1
1
458 Sonderkost (Pankreaskost u. a.)
4/2
108
3,7
2,2
11,6
1
1
1
Die Leistungen zum Bereich Ernährung (vgl. Tab. [8 ]) lassen sich in zwei Gruppen einteilen. 60 % der Untersuchungsstichprobe erhalten
Vorträge/Beratungen/Schulungen , das sind Vorträge zu Gesundheits- und Krankheitsinformation, spezifische Ernährungsberatungen
einzeln oder in der Gruppe und Schulungen bei Stoffwechselerkrankungen und bei chronischer
Pankreatitis. Bei den Kostformen steht die antiatherogene Kost, eine cholesterinarme Diät, an erster Stelle, was dem
hohen Anteil an Fettstoffwechselstörungen entspricht. Aber auch purinarme Kost mit
Bezug auf erhöhte Harnsäurewerte bzw. Gicht, Reduktionskost bei Übergewichtigen, Diabeteskost
und Sonderkost, in der Regel eine spezielle strenge fettarme Pankreaskost, spielen
eine Rolle. Die Kliniken weisen hier unterschiedliche Schwerpunkte auf.
In der Physiotherapie (ohne Tabelle) findet sich ein breites Spektrum applizierter Maßnahmen. Klassische
Massage im Sinne von Teilkörpermassage, Fangopackungen, Inhalationsbehandlungen und
krankengymnastische Einzelbehandlung werden von der überwiegenden Mehrheit der Kliniken
angeboten.
Methoden der Sport- und Bewegungstherapie (ohne Tabelle) werden zwar in allen Kliniken bei der Mehrzahl der Patienten eingesetzt,
es gibt aber starke Unterschiede in der Organisation und Nutzung bzw. Gewichtung der
einzelnen Leistungen. Hintergrund sind eher prinzipielle Unterschiede in den Therapiekonzepten.
Die Ergebnisse geben Anlass, sich in internen Qualitätszirkeln mit den beobachtbaren
Unterschieden zwischen den Kliniken zu befassen.
Auch bei der Ergotherapie (ohne Tabelle) erscheint das Bild eher heterogen. Die häufigsten Angebote sind Ergotherapie
in der Bezugsgruppe mit 48,5 % und Kunsttherapie in der Bezugsgruppe mit 33,4 %. Weitere
Angebote sind Freies Werken (26,6 %), Musiktherapie 13,0 %), Arbeitstherapie (12,6
%), Projektgruppen (8,2 %), Meditatives Malen (8,2 %) und Freizeitkompetenztraining
(8,2 %). Die Unterschiede zwischen den Kliniken sind hinsichtlich der Applikationsquote
und der Leistungsmenge stark ausgeprägt und sollten ebenfalls in internen Qualitätszirkeln
diskutiert werden.
Schlussfolgerungen
Das „Verzeichnis therapeutischer Leistungen” stellt eine wichtige Ergänzung der Basisassessments
in der Rehabilitation Suchtkranker dar, die es in Kombination mit Basisdokumentation,
Entlassfragebogen und Katamnese erlauben sollte, künftig differenziertere Programmevaluationen
durchzuführen.
Leistungsbeschreibungen stellen aber, auch wenn sie sehr differenziert beschrieben
sind, immer nur Projektionsflächen dar, in denen die bestehenden Behandlungsangebote
mehr oder weniger gut abgebildet werden können. Daher enthält eine solche Untersuchung
notwendigerweise Unschärfen.
Die Fachkliniken weisen in allen genannten Therapiebereichen einen hohen Grad von
Differenziertheit und ein umfassendes Spektrum an therapeutischen Leistungen auf.
Die beteiligten Kliniken weisen eigene Konzeptschwerpunkte auf und unterscheiden sich
in Teilen des Angebotsprofils.
Das Leistungsspektrum deckt weite Bereiche der in den ICIDH-2-Beta-2-Dimensionen „Aktivitäten
und Partizipation” implizit enthaltenen Zielbereiche ab. Die diagnostischen Foci der
ICIDH-2-Beta-2 scheinen daher grundsätzlich therapeutische Relevanz für die Rehabilitation
Suchtkranker aufzuweisen. Es liegt daher nahe, die ICIDH-2 künftig bei der individuellen
Formulierung von Therapiezielen, bei der Therapieplanung und bei der Programmevaluation
zu nutzen.
Psychotherapeutische Angebote im Einzel- und im Gruppensetting, die Indikativgruppen
und die Soziotherapie weisen deutlich die meisten Bezüge zu impliziten Zielen der
ICIDH-2-Beta-2 auf.
Die Soziotherapie sollte gemessen an ihren zahlreichen ICIDH-2-Beta-2-Bezügen, die
ihre Bedeutung für den Rehabilitationsverlauf beschreiben, ausgebaut werden.
Die Leistungshäufigkeiten und Leistungsmengen geben Anhaltspunkte für die Diskussion,
wen bestimmte Leistungen in welchem Umfang erreichen sollten, also für Fragen der
Indikationsstellung und Behandlungsplanung.
Die Auswertung der Leistungshäufigkeiten und der Leistungsmengen liefert umfassendes
Material für interne Qualitätssicherungsdiskussionen.