Hamostaseologie 2025; 45(06): 452
DOI: 10.1055/s-0046-1815921
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Thrombembolisch bedingter Kreislaufstillstand fast immer tödlich

Bendz E. et al.
Out-of-hospital cardiac arrest associated with venous thrombembolism – a Swedish population-based cohort study.
J Throm Haemost 2025; 23: 968–977
 

Die meisten Patienten, die außerhalb einer medizinischen Einrichtung einen Herz-Kreislaufstillstand (Out of Hospital Cardiac Arrest/OHCA) erleiden, versterben noch vor Ort oder später in der Klinik. Bei Männern haben sich die Überlebensraten zwar inzwischen mehr als verdoppelt. Bei den Frauen ist eine solche positive Entwicklung bisher jedoch nicht zu beobachten, möglicherweise, weil bei ihnen häufiger ein nicht defibrillierbarer Rhythmus besteht.


Eine weitere mögliche Ursache für die geschlechtsspezifischen Unterschiede könnte sein, dass bei Frauen häufiger thrombembolische Ereignisse für den Herz-Kreislaufstillstand verantwortlich sind. Denn ein Thrombembolie-assoziiertes Kreislaufversagen hat fast immer den Tod der Patienten zur Folge. Dies ergab jetzt eine schwedische Studie.

Zwischen 2008 und 2018 erlitten in Schweden insgesamt 41.813 Menschen (Alter ≥ 15 Jahre) einen OHCA aus innerer Ursache, darunter 27.685 Männer und 14.129 Frauen. Bei 852 Patienten (2%) waren thrombembolische Ereignisse die Ursache, wobei im Untersuchungszeitraum ein Anstieg von 1,4% auf 2,5% zu verzeichnen war. Häufigster Auslöser war eine Lungenembolie (79%). Nur bei 0,1% der Patienten war bereits in den 30 Tagen vor dem Herz-Kreislaufstillstand eine Thrombose oder Embolie diagnostiziert worden.

Die Patientengruppen unterschieden sich in ihrer Geschlechterverteilung und im Altersdurchschnitt: Patienten mit einem Thrombembolie-assoziierten OHCA waren im Vergleich jünger und häufiger weiblich (Frauenanteil 45% vs. 33,6%, Altersdurchschnitt: 69 vs. 73 Jahre).

Obwohl die Thrombembolie-assoziierten OHCA häufiger von Angehörigen, Passanten oder anderen Personen beobachtet wurden als die Kreislaufstillstände anderer Ursache (75,8% vs. 69,1%), wurde signifikant seltener eine Laienreanimation durchgeführt (46,7% vs. 57,1%). Zwischen Notruf und Ankunft der Rettungskräfte vergingen allerdings in beiden Gruppen im Schnitt 10 Minuten.

Ein thrombembolisch bedingter Herz-Kreislaufstillstand ging mit sehr geringeren Überlebensraten einher (2% vs. 12% bei anderen inneren Ursachen). Insgesamt 40 Patienten überlebten den ersten Tag nach der Reanimation, verstarben aber in den darauffolgenden 30 Tagen, die meisten davon infolge ihrer malignen Grunderkrankung (53%). Nur 17 Patienten überlebten die ersten 30 Tage, mehr als die Hälfte davon hatte beim Zusammenbruch einen defibrillierbaren Rhythmus gehabt. Insgesamt bestand ein solcher bei einem Thrombembolie-assoziierten OHCA jedoch nur sehr selten (3,4% vs. 27% bei OHCA anderer innerer Ursachen).

Fazit

Vor allem junge Frauen erleiden Thrombembolie-assoziierte Kreislaufstillstände, was am ehesten auf hormonelle Ursachen zurückzuführen ist. Unabhängig von Alter und Geschlecht der Patienten sind die 30-Tages-Überlebensraten dabei gering. Lebensrettend kann eine frühzeitige Thrombolyse oder Thrombektomie sein, denn Reanimationsmaßnahmen allein sind in diesen Fällen häufi g nicht nachhaltig wirksam. Ob sich die Prognose des thrombembolisch bedingten Herz-Kreislaufstillstands in den letzten Jahren verbessert hat, ließ sich aufgrund der sehr geringen Anzahl Überlebender nicht beurteilen.

Stephanie Gräwert, Leipzig



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
08. Januar 2026

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