Zielsetzung Morbidität und Mortalität extrem Frühgeborener sind maßgeblich durch Komplikationen
der Unreife geprägt. Die funktionellen Aufgaben vieler Organsysteme werden intrauterin
auf die Plazenta verlagert, sodass die Organreifung z. B. der Lunge oder des Darmes
in einem nahezu funktionslosen Zustand ablaufen kann. Künstliche Plazenta-Technologie
strebt an, diesen physiologischen Zustand ganz oder teilweise wiederherzustellen,
um die Organschädigung durch vorzeitige Funktion zu mindern.
Eine technische Herausforderung dieser Technologie ist die Abbildung des Organwachstums
in ursprünglich statischen medizintechnischen Komponenten. Dies ist besonders kritisch
bei lebenserhaltenden Komponenten, wie z. B. der sogenannten „Künstlichen Plazenta“,
bei welcher Therapieunterbrechungen innerhalb kurzer Zeit zu lebensbedrohlichen Hypoxämien
führen würden. Wir stellen zwei Oxygenatoren vor, welche durch Konfigurationswechsel
im laufenden Betrieb an das menschliche Größenwachstum angepasst werden können.
Material und Methoden Beide Hohlfaser-Membran-Oxygenatoren sind so dimensioniert sind, dass sie als künstliche
Plazenta für ein Frühgeborenes mit einem Gewicht von 500 g bis 1300 g dienen könnten.
Dabei lässt die Konfiguration mit eingerschränkter Gasaustauschfläche den Betrieb
in einem Blutflussbereich von 50-125 ml/min zu, was für Patienten mit einem Gewicht
von 500 g bis rund 900 g ausreichen würde. Durch „Zuschalten“ eines weiteren Kompartments
kann die Leistung an Blutflüsse von 125 bis 200 ml/min angepasst werden, und wäre
so für ein Gewicht von bis zu 1300 g ausreichend. Die Oxygenatoren unterscheiden sich
durch die Art der Einbettung der Hohlfasermembran in die Gehäuse (gestapelt vs gewickelt).
Die Kammervolumina der Oxygenatoren sind identisch (5 ml in der kleineren Konfiguration,
10 ml in der Größeren). Zwischen den Betriebszuständen der Oxygenatoren kann mittels
einfacher Drehbewegung ohne Unterbrechung der Therapie geschaltet werden.
Ergebnisse Beide Oxygenatoren übertrafen hinsichtlich ihrer Gastransfer-Leistung die anhand
der Literatur zu fordernden Schwellenwerte für Frühgeborene mit 500 g bis 1300 g Gewicht
für den Gastransfer von Sauerstoff und Kohlendioxid. Der Druckabfall des gestapelten
Oxygenators wurde mit weniger als 5 mmHg bei 200 mL/min gemessen, der des Gewickelten
mit weniger als 30 mmHg, bei gleichem Fluss.
Schlussfolgerung Unsere neuartigen Oxygenatoren mit erweiterbarer Gasaustauschfläche übertreffen die
gesetzten Schwellenwerte für die zu behandelnde Patientengruppe. Wir stellen erstmalig
Oxygenatoren vor, welche sich durch einfache Schaltvorgänge im laufenden Betrieb an
das Größenwachstum des Frühgeborenen anpassen lassen. Dadurch können die mit einem
Gerätewechsel verbundenen Risiken vermieden werden.