Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0045-1802191
MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) – alles andere als ein alter Hut?
Authors
Hintergrund: MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus (S.) aureus) waren die ersten multiresistenten Infektionserreger, die die Bedrohlichkeit zunehmender und mehrfacher Resistenzen gegen Antibiotika vor Augen führten. In der Folge wurden in Deutschland unter anderem Screening- und Sanierungsmaßnahmen, Surveillancesysteme und Meldepflichten etabliert sowie (Forschungs-) Netzwerke gegründet. Nach einem kontinuierlichen Anstieg zeigt sich seit den 2010er Jahren ein deutlicher und konstanter Rückgang der MRSA-Rate in Deutschland. Inzwischen ist MRSA gegenüber anderen multiresistenten Erregern in den Hintergrund getreten. Der Rückgang wird als Beispiel für eine erfolgreiche Trendumkehr in der Resistenzentwicklung durch gezielte Hygienemaßnahmen gesehen. In Niedersachsen scheint der rückläufige Trend seit dem Jahr 2022 gestoppt und es soll die Frage beantwortet werden, wie sich MRSA in den vergangenen Jahren in anderen Bundesländern, Deutschland- und Europaweit entwickelt hat.
Methode: Ermittelt wird die berichtete Resistenz von S. aureus gegenüber Oxacillin aus den Antibiotika-Resistenz-Surveillance-Systemen ARMIN (Niedersachsen), BARDa (Bayern), ARS Sachsen, ARS (Deutschland) und EARS-Net (Europa) für die Jahre 2017 bis 2023. Je nach Verfügbarkeit erfolgt eine Differenzierung in den stationären und ambulanten Versorgungsbereich, Normal- und Intensivstation sowie für Isolate aus Blutkulturen. Ergänzt werden die in SurvStat publizierten Meldedaten gem. Infektionsschutzgesetz für Deutschland und die einzelnen Bundesländer. Die Surveillancesysteme berichten in der Regel Resistenzwerte unter Ausschluss von Screening-Material. Die Bewertung der ermittelten Daten erfolgt ausschließlich deskriptiv.
Ergebnisse: Bis zum Jahr 2021 zeigt sich in allen deutschen Surveillancesystemen eine vorwiegend rückläufige MRSA-Rate. Der gemittelte jährliche Rückgang beträgt 13 % und erreicht je nach Region und Versorgungsbereich vereinzelt über 30 %. Ab 2022 setzt vielfach eine Stagnation oder auch ein leichter Anstieg ein. Von 2022 auf 2023 beträgt der Rückgang über alle Regionen und Versorgungsbereiche durchschnittlich 6,5 %, während es von 2022 auf 2023 zu einem Anstieg um durchschnittlich 8,3 % kommt. Für die an Deutschland angrenzenden europäischen Länder stellt sich die Entwicklung sehr heterogen dar.
Schlussfolgerung: Die in Niedersachsen beobachtete Stagnation der MRSA-Rate ab 2022 zeigt sich auch in anderen Regionen Deutschlands sowohl in den Surveillancesystemen zur Antibiotikaresistenz als auch in den Meldedaten. Die Entwicklung unterscheidet sich allerdings regional sowie nach Versorgungsbereich. Die Gründe bleiben spekulativ, da die Surveillancedaten keine hinreichenden zusätzlichen Informationen liefern. Möglich sind das verminderte Erkennen einer MRSA-Trägerschaft durch Fokussierung von Screeninguntersuchungen auf andere multiresistente Erreger, ein Eintrag von Außerhalb bedingt durch Geflüchtete oder Kriegsversehrte wie es z. B. für Klebsiella pneumoniae beobachtet wird. Auch ein Effekt durch die COVID-19 Pandemie kann nicht ausgeschlossen werden, genauso wie eine veränderte Erregerepidemiologie. Auch wenn MRSA in der langfristigen Bewertung eine rückläufige Entwicklung zeigen, müssen sie als multiresistente Erreger weiterhin mit im Fokus bleiben.
Publication History
Article published online:
11 March 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
