Gesundheitswesen 2025; 87(S 01): S109-S110
DOI: 10.1055/s-0045-1802117
Abstracts │ BVÖGD, BZÖG, DGÖG, LGL
03.04.2025
Postersitzung Umweltmedizin
13:30 – 15:00

Status quo und quo vadis Hitzeschutz? Auswirkungen des Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG) auf den Hitzeschutz in Deutschland

Authors

  • S Busalt S

    1   Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim; Mannheim
  • C Brüggemeier

    1   Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim; Mannheim
  • S Müller

    1   Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim; Mannheim
  • M Weiler

    1   Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim; Mannheim
  • N Oster

    1   Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim; Mannheim
  • P Schäfer

    1   Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt der Stadt Mannheim; Mannheim
 
 

Einleitung: Am 01.07.2024 trat das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG) in Kraft. Dieses sieht bis 31.01.2027 eine Veröffentlichungspflicht von Klimaanpassungsstrategien für die Länder vor. In §1 KAnG wird zunächst der „Schutz von Leben und Gesundheit“ als erklärtes Ziel beschrieben. Konkret werden dann in §12 Abs. 6 Hitzeaktionspläne (HAP) als „relevante Planungen“ innerhalb von Klimaanpassungskonzepten zur "Vorsorge insbesondere in extremen Hitzelagen“ bezeichnet. Mit dem KAnG gibt es nun erstmals auf Bundesebene eine gesetzliche Regelung. Hierdurch unterliegen die Kommunen und Länder einem Handlungsdruck entsprechende Konzepte vorzulegen. Allerdings haben bereits vor der Einführung einer gesetzlichen Verpflichtung einige Kommunen HAP erstellt, welche nun bei der Erstellung von Klimaanpassungskonzepten inhaltlich zu berücksichtigen sind.

Ziel: Das kurzfristige Ziel dieses Projektes ist es, eine genaue strukturelle und inhaltliche Analyse der bereits bestehenden HAP in Deutschland durchzuführen und eine umfassende Übersicht zu erstellen. Das langfristige Ziel ist es zu überprüfen, in wie weit sich die HAP-Landschaft in Deutschland durch die Einführung des KAnG und potentieller weiterer Richtlinien und Empfehlungen des Bundes oder der jeweiligen Landesregierungen verändert hat.

Methodik: Mittels Mixed-Methods-Ansatz (qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz und quantitativer Darstellung der Ergebnisse) wurden bis zum 30.06.2024 bestehende Hitzeaktionspläne hinsichtlich der Schwerpunkte „Strukturmerkmale und Federführung der HAP“, „Berücksichtigung von Klimarisikoanalysen“ sowie „Erfüllung der WHO-Kriterien (Einführung eines Alarmsystems, Festlegung einer Kommunikationskaskade, hitzevulnerable Zielgruppen (inklusive deren Betrachtungsweise und Beschreibung), Multiplikator*innen-Beteiligung sowie -Aus-Fort-und -Weiterbildungen, kurz- und mittelfristige Maßnahmen (inklusive Monitoring und Evaluation) und langfristige (großinvestive) städtebauliche Maßnahmen)“ analysiert. Diese Analyse wird nach einem Jahr und nach zwei Jahren nach Inkrafttreten des KAnG wiederholt und mit der ersten Analyse verglichen.

Bisherige und erwartete Ergebnisse: Es konnten bis zum 30.06.2024 in Deutschland 25 HAP identifiziert werden. Diese sind geografisch überwiegend von Nordrhein-Westfalen im Westen bis Bayern im Süd-Osten Deutschlands verortet. Es wurde eine weitgehend vollständige und detaillierte Übersicht über die bereits vor Inkrafttreten des KAnG bestehenden kommunalen HAP erstellt.

Bisherige Ergebnisse zeigen, dass die Federführung von HAP überwiegend bei Gesundheits- und/oder Umweltbehörden liegt, HAP meist über eine Aufbauorganisation und Kommunikationskaskaden verfügen, Multiplikator*innenbeteiligung vorsehen, Zielgruppen definieren und langfristige städtebauliche Maßnahmen umfassen. Eine große Heterogenität zwischen den HAP wurden insbesondere hinsichtlich ihrer Länge und Umfang (Struktur) und der geplanten Maßnahmen gefunden (Inhalt) gefunden. Zudem wird erwartet, dass sich in den Folgeanalysen die Anzahl der Hitzeaktionspläne bzw. Konzepte zum Hitzeschutz aufgrund der Regelungen des KAnG deutlich erhöhen wird. Inhaltlich wird vermutet, dass sich mit der zunehmenden Anzahl an implementierten Hitzeaktionsplänen eine inhaltliche Homogenität zwischen den einzelnen Konzepten einstellen wird.


Publication History

Article published online:
11 March 2025

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