Geburtshilfe Frauenheilkd 2024; 84(10): e196
DOI: 10.1055/s-0044-1790902
Abstracts │ DGGG

Risiken gadoliniumhaltiger MRT-Kontrastmittel im ersten Trimenon

Authors

  • W. Paulus

    1   Universitätsfrauenklinik Ulm, Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie, Ulm, Deutschland
 
 

Zielsetzung: Kontrastmittel auf Gadoliniumbasis (GBCAs) werden in der Magnetresonanztomographie (MRT) häufig verwendet, um die Visualisierung der interessierenden Region zu verbessern. Obwohl die Magnetresonanztomographie während der Schwangerschaft im Allgemeinen als sicher gilt, wurden Bedenken hinsichtlich der Effekte von GBCAs geäußert, insbesondere während des ersten Trimenons.

Material / Methoden: Im Rahmen einer prospektiven Followup-Studie wurden von unserer reproduktionstoxikologischen Beratungsstelle zwischen 1995 und 2022 51 Schwangerschaftsausgänge nach Anwendung von GBCAs bei MRT-Diagnostik im ersten Trimenon dokumentiert. Die Fälle wurden nach konsiliarischer Kontaktaufnahme zur Risikobewertung in der Frühschwangerschaft in die Studie eingeschlossen und bis drei Monate nach dem errechneten Entbindungstermin verfolgt. Die Befunde wurden mit den Daten eines Kontrollkollektives (n=656) aus demselben Zeitraum verglichen, das keinen teratogenen Substanzen ausgesetzt war.

Ergebnisse: 5,9% der exponierten Patientinnen (3/51) entschlossen sich ohne sonographische Hinweise auf eine gestörte Embryonalentwicklung zum Schwangerschaftsabbruch, was sich nicht signifikant vom Kontrollkollektiv mit einem Anteil von 2,4% unterschied (16/656; p=0,15). Die Spontanabortrate nach Einsatz von GBCAs übertraf mit 22,9% (11/48) signifikant (p=0,02; relatives Risiko 2,07; 95%-Konfidenzintervall: 1,08 – 3,61) den Anteil im Kontrollkollektiv mit 11,1% (71/640). Nach Applikation von GBCAs im ersten Trimenon wurden zwei Kinder mit größeren kongenitalen Anomalien registriert: Kraniosynostose (Sagittalnaht), Klumpfuß links + Sichelfuss rechts. Im Vergleich zum Kontrollkollektiv lag das Fehlbildungsrisiko nach Gadoliniumexposition in unserem Kollektiv nicht über dem Signifikanzniveau (2/37=5,4% vs 11/569=1,9%; p=0,19; relatives Risiko 2,80; 95%-Konfidenzintervall: 0,43 – 12,53).

Zusammenfassung: Auch wenn sich in unserem Kollektiv neben der auffälligen Spontanabortrate kein erhöhtes Risiko für strukturelle Organdefekte der Nachkommen nachweisen ließ, so bleibt doch die Frage möglicher langfristiger Folgen ungeklärt.


Interessenskonflikt

Ich erkläre als alleinige/r AutorIn, dass ich während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen oder persönlichen Verbindungen im oben genannten Sinne hatte.

Publication History

Article published online:
01 October 2024

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