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DOI: 10.1055/s-0044-1789776
Vorhersage hepatischer und pulmonaler Endpunkte in einer longitudinalen Kohorte von Individuen mit homozygotem Alpha1-Antitrypsin-Mangel (Pi*ZZ Genotyp)
Autor*innen
Einleitung: Die homozygote Pi*Z-Mutation in SERPINA1 prädisponiert zur lungen- und leberbedingten Mortalität. Die derzeitigen therapeutischen Ansätze zielen entweder auf die pulmonale „loss of function“- oder die hepatische „gain of function“-Toxizität ab.
Ziele: Untersuchung des Krankheitsverlaufs und der Nützlichkeit nicht-invasiver Tests für die Vorhersage hepatischer und pulmonaler Endpunkte in einer weltweiten, multizentrischen, longitudinalen Pi*ZZ-Kohorte.
Methodik: In Kohorte 1 wurden 737 Pi*ZZ-Individuen aus 25 Zentren einer standardisierten Untersuchung unterzogen. Mindestens sechs Monate danach wurde ein Follow-up Interview durchgeführt. Hepatische Endpunkte wurden als erste hepatische Dekompensation/Transplantation oder leberbedingter Tod definiert, pulmonale Endpunkte umfassten (Listung zur) Lungentransplantation oder lungenbedingten Tod. Kohorte 2 bestand aus 135 Pi*ZZ-Personen ohne signifikante Fibrose in der Ausgangsuntersuchung und Follow-up mit Lebersteifigkeit (LSM) mindestes zwei Jahre später.
Ergebnis: In 2634 Follow up-Jahren starben 39 Personen. 46% der Todesfälle waren auf die Leber und 36% auf die Lunge zurückzuführen (Kohorte 1). 41 Pi*ZZ-Individuen mit Leber-Endpunkt wiesen zu Beginn höhere Leberfibrose-Marker auf (LSM (24 vs. 5 kPa, p<.001)). Leber-Endpunkte innerhalb von fünf Jahren wurden am genauesten durch LSM (AUC 0.95) vorhergesagt, gefolgt von APRI (0.92) und FIB-4 (0.90). Ein Anstieg aller Fibrose-Scores ging mit einem vermehrten Auftreten von hepatischen Endpunkten einher ([Abb. 1]). Baseline-Lungenparameter zeigten nur einen mäßigen Nutzen für die Vorhersage pulmonaler Endpunkte (FEV1 AUC 0.76). In Gruppen mit niedrigerer FEV1 fiel eine erhöhte Inzidenz von Lungenendpunkten auf. Pi*ZZ-Individuen mit leichten/mäßigen Lungenfunktionseinschränkungen/Erhöhungen der Lebersteifigkeit (FEV1 50-70% vs. LSM 7.1-10 kPa) wiesen ein dreimal höheres Risiko für leber- vs. lungenbezogene Endpunkte auf ([Abb. 1]). In Kohorte 2 zeigten 8.9% der Personen eine LSM-basierte Leberfibrose-Progression (</≥7.1 kPa). Individuen mit Progress wiesen einen höheren BMI (27.3 vs. 23.9 kg/m2, p=.004), höheren LSM (6.1 vs. 4.6 kPa, p=.002) und APRI (0.44 vs. 0.28 p<.001) bei Baseline auf.


Schlussfolgerung: Nicht-invasive Leberfibrose-Marker ermöglichen eine genaue hepatologische Stratifizierung von Pi*ZZ-Individuen. Das Leberrisiko bei Personen mit signifikanter Leberfibrose war höher als das Lungenrisiko bei Individuen mit einer mittelgradigen COPD.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
26. September 2024
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