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DOI: 10.1055/s-0044-1789166
Der besondere Fall: Sonografische Detektion eines Schlangenzahns als Ursache für eine Fistel am Zeigefinger
Problemstellung Dargestellt wird der Fall einer 54-jährigen Frau, die wegen degenerativer Wirbelsäulen- und Gelenkveränderungen zur stationären Rehabilitation zulasten der Deutschen Rentenversicherung in unserer Klinik konservativ behandelt wurde. Etwa eine Woche nach Beginn der Behandlung, die auch Therapien im Bewegungsbad umfasste, stellte sich die Patientin in der Visite mit einer kleinen Fistelöffnung am Zeigefinger vor. Auf genaues Nachfragen berichtete sie dann, dass sie passionierte Würgeschlangen-Halterin sei und erstmals in dieser langjährigen Tätigkeit vor etwa 3 Wochen beim Füttern in den Zeigefinger gebissen worden sei. Als Spezialistin für Würgeschlangen wisse sie, dass deren spitze Zähne zeitlebens gewechselt würden und als Fremdkörper bei Bisswunden leicht in das Gewebe gelangen können. Dies habe sie auch dem Hausarzt berichtet, der jedoch keinen Fremdkörper entdecken konnte und mitgeteilt habe, dass ein Schlangenzahn als organisches Material sich ohnehin von selbst resorbieren würde. Im weiteren Verlauf heilte die Bisswunde problemlos ab. Erst im Rahmen der Reha-Maßnahme bildete sich dann die Fistel.
Patienten und Methode Die Patientin wurde zunächst klinisch untersucht und es zeigte sich eine minimale Fistelbildung ohne fortgeleitete Entzündungszeichen. Tetanusschutz bestand. In der B-Mode-Sonografie mit einer hochauflösenden Hockeystik-Sonde konnte man beugeseitig unter dem PIP-Gelenk eine sehr kleine echogene Formation erkennen, in der Power- Duplexsonografie mit deutlich vermehrten Gefäßdarstellungen rund um den kleinen Fremdkörper. Die nativradiologische Überprüfung "in Weichteiltechnik" bestätigte den V. a. einen kleinen Fremdkörper.
Ergebnis Die Patientin wurde umgehend der Handchirurgie zugeführt, wo die chirurgische Entfernung des Fremdkörpers und des Fistelganges erfolgte. Der weitere Verlauf war komplikationslos.
Der histologische Befund ergab neben einem Fremdmaterialstück ("hohe Konsistenz, weißliche Farbe, transparent, passend zu einem Zahnanteil einer Würgeschlange") fibrolipomatöses Gewebe mit fokaler Fibrose ohne Hinweis auf eine floride Entzündung oder bakterielle Superinfektion.
Schlussfolgerung Die hochauflösende Sonografie, wie im vorliegenden Fall bestenfalls mit einer Spezialsonde (Hockeystik), eignet sich auch bei ungewöhnlichen Fällen zur Detektion kleinster Fremdkörper, die sowohl klinisch als auch nativradiologisch leicht übersehen werden können.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
04. September 2024
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