Nuklearmedizin 2024; 63(02): 129
DOI: 10.1055/s-0044-1782398
Abstracts
Wissenschaftliche Vorträge
Wissenschaftliche Vorträge 8: Herz, Entzündung

Langfristiges kardiales Risiko durch erhöhte kardiale Sympathikusaktivität

Authors

  • A. Liebich

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
  • G. Sheikh

    2   LMU München, Klinik für Nuklearmedizin, München
  • B. Nittbaur

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
  • R. A. Bundschuh

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
  • A. Dierks

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
  • M. Kircher

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
  • P. Raake

    3   Universität Augsburg, I. Medizinische Klinik, Augsburg
  • M. Rieger

    3   Universität Augsburg, I. Medizinische Klinik, Augsburg
  • T. Higuchi

    4   Universität Würzburg, Comprehensive Heart Failure Center (CHFC) und Klinik für Nuklearmedizin, Würzburg
  • C. Lapa

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
  • C. Pfob

    1   Universität Augsburg, Klinik für Nuklearmedizin, Augsburg
 
 

Ziel/Aim: COVID-19-Patienten ohne zugrundeliegende Herzerkrankung können eine Herzinsuffizienz, Myokarditis oder Herzrhythmusstörungen entwickeln. Eine signifikante kardiale Beteiligung scheint dabei unabhängig vom Schweregrad des ursprünglichen Krankheitsbildes aufzutreten und kann auch nach Krankheitsende persistieren. Um die Prävalenz einer Dysfunktion des kardialen symphathischen Nervensystems bei COVID-19 zu beurteilen erhielten COVID-19 Patienten ohne kardiale Vorerkrankung eine nicht-invasive Bildgebung mit I-123-Metaiodobenzylguanidin.

Methodik/Methods: 33 genesene COVID-19-Patienten (14 Männer und 19 Frauen; Alter 21-66 a) ohne Herz-, Nieren-, neurologische oder Stoffwechselerkrankungen unterzogen sich 0-3 Monate nach ihrer Genesung einer I-123-mIBG-SPECT/CT, einer Echokardiographie sowie einer Labordiagnostik. Bei 82% dieser Patienten (27/33) wurde eine Folgeuntersuchung 6-8 Monate nach Diagnose durchgeführt, bei neun erkrankten Patienten (27%) erfolgte zudem eine zusätzliche Bildgebung nach 12-15 Monaten. Die SPECT/CT-Aufnahmen wurden 15 Min. und 4 h nach der Injektion von 370 MBq 123I-mIBG akquiriert. Zur Quantifizierung der Ergebnisse wurde eine Region of Interest (ROI) über Herz und Mediastinum gelegt, um, wie klinisch etabliert, das späte (4-stündige) Herz-Mediastinum-Verhältnis (HMR) zu berechnen.

Ergebnisse/Results: Bei 67,7% (23/33) der Patienten konnte anhand der späten HMR eine erhöhte kardiale Sympathikusaktivität nachgewiesen werden (mittlere HMR 1,8±0,22). Nach 6-8 Monaten zeigten immer noch 70,4% (19/27) der Patienten eine erhöhte kardiale Symphatiksaktivität, mit einem mittleren HMR von 1,74±0,27. Darüber hinaus wurden 12-15 Monate nach Diagnose bei allen 9 Patienten mit abnormaler sympathischer Innervation anhaltend abnormale HMRs nachgewiesen. Die linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF) und die Herzenzymwerte blieben in allen Untersuchungszeitpunkten normal.

Schlussfolgerungen/Conclusions: Bei COVID-19-Patienten ohne kardiale Vorerkrankungen kann eine anhaltend erhöhte kardiale Sympathikusaktivität beobachtet werden. Weitere Folgeuntersuchungen und Studien sind erforderlich, um mögliche Langzeitfolgen, wie z. B. eine durch COVID-19 verursachte Herzinsuffizienz, zu erkennen.


Publication History

Article published online:
25 March 2024

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