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DOI: 10.1055/s-0044-1781862
Epidemiologie der SARS-CoV-2 Pandemie in Alten- und Pflegeheimen: Welche Lehren lassen sich ziehen?
Authors
Eine der wichtigsten Herausforderungen während der Covid-19 Pandemie war es, die Bewohnenden von Alten- und Pflegeheimen (APH) vor einer SARS-CoV-2 Infektion zu schützen, die aufgrund ihres Alters und häufigen Vorerkrankungen eine besonders vulnerable Personengruppe darstellten. Infektionsdaten aus diesen Einrichtungen stellen die Grundlage dar, um Probleme zu identifizieren und daraus für ähnliche Szenarien zu lernen.
Wir zeigen die Melde- und Ermittlungsdaten aus der Kontaktaufnahme des Gesundheitsamts mit den APH im Verlauf der Pandemie von 2020-2023 aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Stadtkreis Heidelberg.
Bei den 7041 Heimbewohnenden (BW) in 88 APH und deren Mitarbeitenden (MA) kam es insgesamt zu 9574 Covid-19 Infektionen, davon waren 63% Infektionen der Bewohnenden, 37% Infektionen unter den Mitarbeitenden. Im Vergleich zu der jeweiligen Inzidenz in der Bevölkerung war der Eintrag in die Pflegeheime immer zu Beginn einer neuen Welle am höchsten, flaute dann aber trotz steigender Inzidenz wieder ab. Dabei war der Primärfall, durch den der Eintrag in die Einrichtung erfolgte, in 70% der Ereignisse ein Mitarbeitender (Pflege 53%, weiteres Personal 17%). Der Anteil an Ansteckung durch positive Besuchende, externe Kontakte der Bewohnenden und Krankenhausrückkehrende lag jeweils unter 5%.
Der weitaus größte Teil der Covid19 Infektionen in APH (88%) fand aber nicht als Eintrag von außen, sondern als Teil von Ausbrüchen innerhalb der Einrichtung statt. 95% der infizierten Bewohnenden (75% der Fälle bei MA) traten innerhalb von Ausbrüchen auf. Das Ausbruchsrisiko war dabei unabhängig von der Größe der Einrichtung.
Der hohe Anteil an Mitarbeitenden als Primärfall zeig das Potential, mit einer engeren Teststrategie und Schulung der Mitarbeiter, z.B. im Umgang mit Masken, den Eintrag in die APH möglicherweise noch weiter zu reduzieren und die Infektion gar nicht erst in die Heime zu bringen. Der niedrige Eintrag durch Besuchende weist möglicherweise darauf hin, dass Besuchertestungen und externe Kontaktreduktion als Maßnahmen wirksam waren.
Problematisch war, dass es nicht gelang, Ausbrüche innerhalb der Einrichtung mit teilweise vielen Fällen zu verhindern. Hier wäre es wichtig, in gemeinsamer Überlegung mit den Einrichtungen umsetzbare Konzepte zu entwickeln, die die hier gewonnenen Erkenntnisse mit einbeziehen und damit die Erfolgsquote erhöhen könnten.
Publication History
Article published online:
10 April 2024
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Georg Thieme Verlag
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