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DOI: 10.1055/s-0044-1778827
Telepneumologische Betreuung in der außerklinischen Intensivpflege
Authors
Hintergrund In den letzten Jahren ist es zu einem erheblichen Anstieg von Menschen, die in der außerklinischen Intensivpflege versorgt werden, gekommen. Obwohl viele von ihnen invasiv beatmet werden, erfolgt oft keine lungenfachärztliche Betreuung. Bei 60-70% von ihnen wird außerdem ein bislang unerkanntes Weaningpotenzial vermutet. Ein telemedizinischer Ansatz, um das Weaningpotenzial zu beurteilen und eine pneumologische Betreuung zu ermöglichen, ist bisher nicht wissenschaftlich untersucht worden.
Methoden In 4 Beatmungs-WGs führten wir seit März 2021 telepneumologische Visiten durch. Über ein Videoportal erfolgte ein Anamnesegespräch und die Beurteilung der Beatmungsmesswerte. Zusätzlich kamen ein mobiles BGA-Gerät und ein digitales Stethoskop zum Einsatz. Therapievorschläge wurden durch den Hausarzt umgesetzt. Die Daten wurden mit einer Kontrollgruppe aus mehreren WGs des gleichen Pflegedienstes, die nicht pneumologisch betreut wurden, verglichen.
Ergebnisse Von den seit März 2021 in die Studie aufgenommenen 69 Patienten waren 39 über eine Trachealkanüle spontanatmend und 30 invasiv beatmet. In der Kontrollgruppe (54 Patienten) waren 25 spontanatmend und 29 invasiv beatmet. Die Versorgung mit Trachealkanüle bestand in der Telepneumologie-Gruppe seit im Median 8, in der Kontrollgruppe 6 Monaten. In der Telepneumologie-Gruppe konnten 6/69 (9%) der Patienten dekanüliert und, mit deutlich weniger Pflegebedarf, überwiegend (4/6) nach Hause entlassen werden. In der Kontrollgruppe war dies nur bei 1/54 (2%) der Patienten der Fall. Die Dauer des Weaningaufenthaltes in der Klinik betrug in der Telepneumologie-Gruppe durchschnittlich nur 9 Tage, da ein Großteil des Weanings bereits ambulant erfolgen konnte (durchschnittlich 3 Monate). Weitere 3/30 (10%) konnten ohne Klinikaufenthalt vollständig von der Beatmung entwöhnt werden, ebenso viele tagsüber vollständig. Bei 6/30 (20%) konnten tagsüber die Spontanatmungszeiten ausgedehnt werden.
Zusammenfassung Eine telepneumologische Betreuung in der außerklinischen Intensivpflege ermöglicht, Weaningpotenzial zu erkennen, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen und eine bessere Betreuung der Patienten zu erreichen. Dafür ist eine regelmäßige Betreuung in individuellen Abständen sinnvoll.
Publication History
Article published online:
01 March 2024
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