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DOI: 10.1055/s-0043-1776969
Auftreten einer intra-operativen Hyperthermie bei einem Hund während einer Kraniotomie
Authors
Hintergrund Hyperthermien während einer Anästhesie sind selten. Während Kraniotomien kommt es in der Humanmedizin jedoch regelmäßig zu intra-operativen Temperaturanstiegen, während dies in der Veterinärmedizin bisher nicht beschrieben wurde.
Fall Ein 9-jähriger, weiblicher Mischling (22 kg) wurde aufgrund einer Masse im rechten Frontal-/Parietallappen zur Tumorresektion vorgestellt. Zusätzlich litt der Hund unter einem gut eingestellten Diabetes mellitus. Nach Prämedikation mit 2 µg/kg Dexmedetomidin erfolgte die Einleitung mit 1 mg/kg Lidocain, 3 µg/kg Fentanyl, 0,3 mg/kg Diazepam und Propofol nach Effekt. Die Erhaltung erfolgte als PIVA mit Isofluran in Sauerstoff/Luft (1:2, volumenkontrollierte IPPV) und Fentanyl- und Dexmedetomidin-Dauertropfinfusion. Die Anästhesiedauer betrug 355 Minuten. Ab Minute 155 stieg die Körpertemperatur von 38,2°C auf 38,5°C an. Die Wärmezufuhr durch eine induktive Wärmematte mit 37°C wurde daraufhin unterbrochen. Trotz Einleiten von aktiven Kühlmaßnahmen (Cool-Packs, Frischgasflow-Erhöhung, Benetzung der Haut mit Alkohol) stieg die Körpertemperatur weiter bis 40,0°C bei Minute 245 bei sonst unauffälligen Vitalparametern. Nach der Operation fiel die Körpertemperatur während einer post-operativen MRT-Untersuchung auf 38,4°C und blieb im Normbereich.
Diskussion Dieser Fall beschreibt erstmalig das Auftreten einer Hyperthermie während einer Kraniotomie beim Hund. Differentialdiagnostisch kommen medikamentöse Einflüsse auf die Thermoregulation sowie die Hirntumorerkrankung und die intrakranielle chirurgische Manipulation als Ursache für ein zentrales Fieber in Frage. Das Vorliegen eines Diabetes ist eher prädisponierend für das Auftreten von Hypothermien.
Intra-operative Hyperthermie kann weitreichende Konsequenzen haben und insbesondere bei intrakraniellen Erkrankungen durch sekundäre neuronale Schäden den Behandlungserfolg gefährden. Daher ist es wichtig, die Körpertemperatur kontinuierlich zu erfassen, eine Hyperthermie während der Anästhesie zu identifizieren und Maßnahmen zur Vermeidung und Behandlung zu ergreifen.
Publication History
Article published online:
06 December 2023
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Georg Thieme Verlag
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Germany
