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DOI: 10.1055/s-0043-1769322
Ging die COVID-19-Pandemie an gesunden reifen Neugeborenen spurlos vorüber? Analyse der mRNA-Expression von Stresskandidatengenen
Authors
Hintergrund Perinataler Stress kann zu kurz- und langfristigen Veränderungen der Expression von Stresskandidatengenen bei Neugeborenen führen und dadurch die Entwicklung des Verhaltens beeinflussen. Im Rahmen der COVID-19-Pandemie und der währenddessen bestehenden Besuchsregelungen in geburtshilflichen Abteilungen waren Familien einer besonderen, potenziell Stress erzeugenden Situation ausgesetzt.
Fragestellung Ziel der Studie ist es, die Auswirkungen der besonderen Situation während der COVID-19-Pandemie und insbesondere der Kontaktbeschränkungen in Geburtskliniken in Form eines Besuchsverbotes für Väter auf die Expression von Stresskandidatengenen der Neugeborenen zu untersuchen.
Material und Methoden In einer trizentrischen Studie wurden 45 gesunde, reife Neugeborene, die entweder vor (Kontrollgruppe, C) oder während der COVID-19-Pandemie geboren wurden, untersucht. Letztere wurden abhängig vom Vorliegen eines Besuchsverbotes für die Väter in der Geburtsklinik in zwei Gruppen (BV, kein BV) unterteilt. Im 7.-9. Lebensmonat erfolgte ein Wangenabstrich, aus welchem RNA isoliert und mittels qPCR im Hinblick auf die mRNA-Expression verschiedener Stresskandidatengene (Glukokortikoidrezeptor (NR3C1), Corticotropin Releasing Hormone (CRH), CRH-Rezeptoren 1 und 2 (CRHR1, CRHR2), Arginine Vasopressin (AVP), Serotonintransporter (SLC6A4), Serotoninrezeptor 1A und 2A (HTR1A, HTR2A)) analysiert wurde.
Ergebnisse Bei den während der COVID-19-Pandemie unter vorliegendem Besuchsverbot für die Väter geborenen Kindern zeigte sich eine im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöhte mRNA-Expression von NR3C1 (p < 0.05) sowie eine verminderte mRNA-Expression von HTR1A (p < 0.01). Die Analyse von SLC6A4 ergab eine im Vergleich zur Kontrollgruppe verminderte mRNA-Expression in den während der COVID-19-Pandemie geborenen Gruppen unabhängig vom Vorliegen eines Besuchsverbotes (kein BV p < 0.05; BV p < 0.01). Bei den weiteren untersuchten Genen (CRH, CRHR1, CRHR2, AVP und HTR2A) zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den drei Gruppen (C, BV, kein BV).
Schlussfolgerung Die Geburt während der COVID-19-Pandemie ist mit Veränderungen der mRNA-Expression von NR3C1, SLC6A4 und HTR1A assoziiert. Bei NR3C1 und HTR1A treten die Veränderungen insbesondere bei den vom Besuchsverbot für Väter in den geburtshilflichen Kliniken betroffenen Kindern auf. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die durch die COVID-19-Pandemie bedingte besondere Situation auch im Organismus gesunder reifer Neugeborener Spuren hinterlassen hat.
Interessenkonflikt
Es bestehen keine Interessenkonflikte.
Publication History
Article published online:
06 June 2023
© 2023. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
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