Pneumologie 2023; 77(S 01): S82
DOI: 10.1055/s-0043-1761064
Abstracts

Inhalative Therapie der COPD als Vulnerabilitätsfaktor hitzeassoziierter Exazerbationen – eine prospektive Studie im urbanen Berlin

Authors

  • U Liebers

    1   Arbeitsbereich Pneumologie Ccm; Charité-Universitätsmedizin Berlin; Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie, Charité
  • C Hoffmann

    2   Charité-Universitätsmedizin Berlin; Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie
  • A Essler

    2   Charité-Universitätsmedizin Berlin; Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie
  • B Schmidt

    3   Drk-Kliniken Berlin Mitte; Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Schlafmedizin
  • W Pankow

    4   Vivantes Klinikum Neukölln; Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Infektiologie
  • S Gläser

    5   Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Infektiologie, Vivantes Klinikum, Berlin, Germany; Le-Register e.V.
  • C Witt

    6   Charité; Universitätsmedizin Berlin; Arbeitsbereich Pneumologie
 
 

Hintergrund Die Prävention von Exazerbationen ist ein wichtiges Therapieziel der COPD. Im Rahmen des Klimawandels gewinnen hitzeassoziierte Exazerbation an Bedeutung. Dabei könnte die inhalative Therapie selbst durch ihre positiv chronotrope und anticholinerge Wirkung die Vulnerabilität gegenüber Hitzestress erhöhen.

Ziel dieser Arbeit war es folglich, Unterschiede hinsichtlich der Einnahme von Substanzklassen in der inhalativen COPD-Therapie zwischen Patienten mit hitzeassoziierter Exazerbation und mit Exazerbation bei normalen Temperaturen zu identifizieren.

Methoden Die Medikation von 585 Patienten mit hospitalisierungspflichtiger COPD-Exazerbation wurde in den warmen Monaten der Jahre 2017 bis 2019 an sechs verschiedenen Berliner Kliniken durch Patienteninterviews und ärztliche Dokumentation erfasst. Anhand meteorologischer Daten einer innerstädtischen Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes, wurden die Patienten in eine Gruppe mit Hitzestress (Tmean>21°C) und eine Kontrollgruppe ohne Hitzestress (Tmean≥10°C-21°) eingeteilt. Nach einem Case-Control-Matching wurde die Häufigkeit der Medikationseinnahme untersucht, wobei mögliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen mittels McNemar-Tests analysiert wurden.

Ergebnisse Ausgewertet wurden 296 Patienten, je Gruppe 148, mit vergleichbarem Alter, Geschlecht, Raucher-Status, GOLD-Stadium und Risikogruppe. Patienten mit hitzeassoziierter Exazerbation nahmen signifikant häufiger LABA ein als die Kontrollgruppe (p=0,002), ebenso eine Tripletherapie aus LABA/LAMA/ICS sowie SABA (p=0,001 und p=0,001). Für LAMA und ICS hingegen wurden nach einer Bonferroni-Korrektur keine signifikanten Unterschiede festgestellt (p=0,029; p=0,024).

Schlussfolgerung Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die inhalative Medikation selbst ein Vulnerabilitätsfaktor für hitzeassoziierte COPD-Exazerbationen sein kann. Folglich bedarf es der Entwicklung einer klimaadaptierten inhalativen Therapien zur Prävention von hitzeassoziierten COPD-Exazerbationen mit Augenmerk auf inhalative Beta2-Sympathomimetika und Tripeltherapie.


Publication History

Article published online:
09 March 2023

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