Handchir Mikrochir Plast Chir 2017; 49(05): 344-347
DOI: 10.1055/s-0043-119688
Der interessante Fall
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Frustrane Daumen-Replantation distal eines Dialyse-Shunts

Unsuccessful thumb replantation distal of an arteriovenous fistula

Authors

  • Denise Traxler

  • Stefan Salminger

  • Stanislaus Argeny

  • Igor Pona

  • Martin Reschl

  • Christine Radtke

Further Information

Publication History

03/19/2017

09/09/2017

Publication Date:
17 October 2017 (online)

Einleitung

Die Erfolgsraten bei der Replantation von amputierten Fingern sind in den letzten Jahrzenten stetig gestiegen, wobei die Erfolgsraten von verschiedensten Faktoren abhängig sind [1], [2]. Einen negativen Einfluss auf die Erfolgsrate haben sowohl der Pathomechanismus (z. B. Avulsionsverletzungen oder Totalamputationen) sowie ein hohes Alter des Patienten und lange Ischmämiezeiten [2]. In Bezug auf die Indikationsstellung für eine Replantation gibt es international unterschiedliche Empfehlungen [1], [3], [4]. Eine Amputation des Daumens auf Grundgliedhöhe stellt jedoch fast immer eine Indikation dar [1], da dieser 40–50 % der gesamten Handfunktion ausmacht [5] und damit unabhängig von dem Wiedererlangen des Bewegungsumfanges oder der Sensibilität im Alltag sinnvoll eingesetzt werden kann und von den Patienten als Bereicherung empfunden wird [1].

Aufgrund der verbesserten Sicherheitsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte sinkt die Anzahl an Amputation der oberen Extremität, im speziellen Fingeramputationen, stetig [6]. Im Gegensatz dazu steigen allerdings die Komorbiditäten betroffener Patienten, z. B. wie in folgendem Fallbeispiel die chronische Niereninsuffizienz. Bei hämodialysepflichtigen Patienten wird zu meist eine radio-cephale arterio-venöse Fistel (AVF) am nicht dominanten Arm in End-zu-Seit-Technik angelegt. Diese führt zu einer Veränderung der Hämodynamik im Bereich der AVF als auch distal dieser. Es kann zu einer Minderperfusion distal der AVF kommen (Hämodialysezugang induzierte distale Handischämie (HAIDI)), welche am Daumen am gravierendsten ist [7], [8]. HAIDI stellt mit einer Inzidenz von 1–9 % eine der relevantesten Komplikationen nach Shuntanlage dar [7]. Sie kann als akute Form wenige Stunden nach der Shuntanlage auftreten, aber auch protrahiert nach Monaten und Jahren [9]. Eine klinisch relevante HAIDI ist durch ein Kältegefühl, Taubheit oder Schmerzen sowie Ulzerationen und Nekrosen charakterisiert [7]. Jedoch tritt eine Verringerung des Hautperfusionsdruckes distal der AVF auch bei Patienten ohne jegliche klinische Beschwerden auf [7]. Risikofaktoren für das Auftreten einer HAIDI sind höheres Alter, weibliches Geschlecht, Diabetes, KHK, Hypertension sowie eine AVF der A. brachialis [7–9].

Im Folgenden wird von einer sekundär frustranen Replantation des dominanten Daumenendgliedes bei einem Patienten mit einer arterio-venösen radio-cephalen Fistel berichtet.