CEUS, also kontrastmittelverstärkter Ultraschall, hat sich etwa zehn Jahre nach seiner
Einführung einen festen Platz im radiologischen Alltag erobert. Welche Vorteile bietet
er gegenüber anderen Ultraschallanwendungen?
Die kontrastmittelgestützte Sonografie ist heute tatsächlich aus unserem Alltag nicht
mehr wegzudenken. Dies liegt vor allem an der technischen Entwicklung der Ultraschallsysteme
der letzten Jahre, die Technik ist robust einsetzbar und im Bereich der Diagnostik
von fokalen Leberläsionen auch in größeren Studien evaluiert. Überall da, wo Wiederholungsuntersuchungen
vermieden werden sollen, Kontraindikationen gegen jodhaltiges Kontrastmittel bestehen
oder wo ein Herzschrittmacher eine MRT-Untersuchung verhindert, bietet die Methode
eine sichere Alternative. Die diagnostische Aussagekraft ist dabei mit den beiden
anderen Schnittbildverfahren vergleichbar. Natürlich nur dann, wenn der Patient sich
gut untersuchen lässt. Bei einer massiven Lebersteatose sind CT und MRT überlegen.
Diese geringe Einschränkung lässt sich aber einfach mittels einer unmittelbar zuvor
durchgeführten B-Bildsonografie klären und betrifft nur einen kleinen Teil der Patienten.
Immer neue Indikationsstellungen drängen in den Vordergrund, so die Notfalluntersuchung
bei traumatischen Organverletzungen bei jungen, kreislaufstabilen Patienten. Sie ersetzt
hier tatsächlich eine CT-Untersuchung. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen also vom
Notfall bis hin zur molekularen Bildgebung. Diese so genannten target-spezifischen
Mikrobläschen stellen Neoangiogenese selektiv dar und befinden sich derzeit in einer
klinischen Phase II-Studie.
Kann der kontrastmittelverstärkte Ultraschall also mit anderen bildgebenden Verfahren
mithalten?
Der CEUS kann nicht nur mithalten, er ist dabei auch noch durch eine besonders gute
Verträglichkeit gekennzeichnet. Bei der Diagnostik des Leberzellkarzinoms (HCC – hepatozelluläres
Karzinom) hat der CEUS bereits Eingang in die Richtlinien gefunden und kann nach der
sogenannten LI-RADS-Klassifikation gleichberechtigt mit MRT oder CT angewandt werden.
Vorteilhaft sind hier sicher die geringeren Kosten des Verfahrens. Ein Manko bleibt
allerdings die unzureichende kassenärztliche Vergütung, welche bei dieser innovativen
Methode seit Jahren hinterherhinkt.
Was möchten Sie mit dem CEUS-Workshop erreichen?
Der Ultraschall generell, und eben auch der CEUS, sind untersucherabhängig. Nur mit
entsprechender Qualifikation und Erfahrung kann diese Methode breitere Anwendung finden.
Dabei ist auch der Stellenwert von CT und MRT zu berücksichtigen, denn nur da, wo
der CEUS eine Untersuchung ersetzen kann, sollte er auch Anwendung finden. Doppeluntersuchungen
sollten vermieden werden. Aus diesem Grund wollen wir mit dem CEUS-Workshop möglichst
praxisnah Wissen vermitteln und dies mit einer Hospitationsmöglichkeit in einem CEUS-Zentrum
abrunden.
Was genau wird im Workshop gelehrt – und können die Teilnehmer das Gelernte über die
Hospitation hinaus festigen?
Unsere Kursteilnehmer sollen die Untersuchungstechnik generell und für verschiedene
Indikationsstellungen kennen lernen. Dabei gibt es einen kurzen Theorieblock kombiniert
mit einem interaktiven TED-System anhand konkreter klinischer Fälle. Wir bieten auch
eine Führung durch das neu gestaltete Ultraschallzentrum der Charité an und zeigen,
welche Voraussetzungen für die Etablierung des Verfahrens in der Routine zu schaffen
sind.
Gibt es aktuelle Weiterentwicklungen der Methode, die auch beim Workshop gelehrt werden?
Der CEUS entwickelt sich ständig weiter. Integraler Bestandteil des Kurses sind beispielsweise
Verfahren zur Quantifizierung der Anflutkurven des Kontrastmittels.
Sind weitere Workshops dieser Art geplant?
Der Workshop, kombiniert mit einer praktischen Hospitation, soll einmal jährlich angeboten
werden, auch andere Standorte sind denkbar und werden in den nächsten Jahren einen
solchen Kurs ausrichten können. In diesem Jahr soll mit dem Kurs das neu gestaltete
Ultraschallzentrum der Charité vorgestellt werden, daher die Entscheidung für den
Standort Berlin.
Gibt es bereits eine CEUS-Zertifizierung der DRG?
Das sogenannte CEUS-Zertifikat wird gerade den Gremien der DRG vorgestellt, ist vom
Vorstand der AGUS der DRG unterstützt und an die Mitglieder der AGUS kommuniziert.
Wir hoffen, dass unser Zertifikat nach erfolgreicher Kursteilnahme kombiniert mit
einer praktischen Hospitation zeitnah ausgegeben werden kann. Dieses Gütesiegel soll
gerade den radiologischen Nachwuchs und gestandene Ultraschaller ermutigen, diese
Methode rasch in ihren klinischen Alltag zu integrieren.
Wenn mehr Behandler diese Methode beherrschen, bedeutet das Ihrer Meinung nach auch,
dass CEUS künftig eine größere Rolle im Versorgungsalltag spielen wird?
Die Entwicklung ist aus unserer Sicht nicht mehr aufzuhalten. Der kritische Zugang
zur Methode und das Auseinandersetzen mit allen Modalitäten stellt dabei eine besondere
Befähigung des Radiologen dar, welche wir auf diesem Wege stärken wollen. Das Verfahren
ist kostengünstig, leistungsstark und nebenwirkungsarm. Es stellt zudem eine strahlenexpositionsfreie
Alternative zur CT dar – allerdings nur dann, wenn doppelte Untersuchungen vermieden
werden und die Indikationsstellung richtig gewählt wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
Deutsche Röntgengesellschaft e. V.
Pressestelle, Inga Godhusen
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