Geburtshilfe Frauenheilkd 2017; 77(04): 332-334
DOI: 10.1055/s-0043-103527
Geschichte der Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Berühmte Gynäkologen im Operationssaal: ein besonderes Bildmotiv

Matthias David
,
Stefanie Loh
,
Andreas D. Ebert
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Publication History

Publication Date:
26 April 2017 (online)

Das Porträt „an sich“

„…Die erste öffentlich gelungene Narkose dauerte gerade mal drei Minuten. Sie wurde am 16. Oktober 1846 von William Thomas Green Morton im Massachusetts General Hospital in Boston organisiert und durchgeführt. Die Einführung der Anästhesie machte nun für den Zuschauer die Anwesenheit an öffentlichen Operationen erst erträglich. Der kontrollierte Schlaf führte zu einem enormen Popularitätsanstieg der Chirurgen, die nun nicht nur im Porträt sondern oft auch während der Behandlung festgehalten wurden…“ [1]

Die bildendenden Künstler haben nicht nur unterschiedliche Stile in den verschiedenen europäischen Regionen ausgebildet: Es haben sich auch verschiedene eigenständige Bildgattungen wie das Landschaftsbild, das Historienbild, das Stillleben oder das Porträt entwickelt [2]. Man unterscheidet zwischen

  • dem Einzelporträt, zu dem auch das Selbstporträt gehört,

  • dem Doppel- und

  • dem Gruppenporträt.

„Je nach dem Menschenbild einer Epoche ist das Bildnis zwischen überindividueller, sozialer, individuell physiognomischer und physiologischer Wiedergabe angesiedelt …“ [3]. Das Porträt ist unter den Bildgattungen wahrscheinlich die älteste. In formaler Hinsicht wie auch in der Intention der Auftraggeber und der Künstler hat es im Verlauf der letzten Jahrhunderte einige Veränderungen erfahren. Das Interesse an ihm ist dabei nie verloren gegangen, auch wenn in bestimmten Epochen andere Kunstgattungen als höherwertig eingestuft wurden [2].

Fast alle großen Maler des 19. und 20. Jahrhunderts haben irgendwann in den Jahren ihrer künstlerischen Tätigkeit das Porträt eines prominenten oder eines weniger bekannten Arztes gemalt – als Auftragswerk, oder weil eine persönliche Bindung zu dem dargestellten Mediziner bestand [4].

Die ersten Ärzte-Gruppenporträts finden sich bereits auf den Titelbildern der ersten medizinischen Lehrbücher und Atlanten zur Zeit des Barock. Hier wurden zunächst vor allem Anatomen in fachrichtungstypischen Situationen beim Präparieren an einer Leiche dargestellt. Die abgebildeten Personen mussten dafür nicht unbedingt in persönlichem Kontakt gestanden oder tatsächlich gemeinsam am Seziertisch gestanden haben. Wichtig für den Leser waren lediglich Bekanntheitsgrad und die repräsentative Rolle der dargestellten Fachvertreter [5]. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit dem Beginn des „Jahrhunderts der Chirurgen“, wurden auch Ärzte dieser und anderer Fachrichtung zum Thema von Werken der bildenden Kunst.

Im Gegensatz dazu steht als Kennzeichen für das 20. Jahrhundert nicht mehr so sehr die Einzelleistung, sondern die eines Teams, einer Forschergruppe, ohne die die (geniale) Einzelpersönlichkeit ihre Leistungen nicht hätte erbringen bzw. ihre Ideen hätte umsetzen können. Dies zeigt sich auch in der Porträtdarstellung. Außerdem (siehe Leopoldina-Sammlung von Gelehrtenportraits [6]) werden im 20. Jahrhundert auch erstmals die Porträtierten während ihrer wissenschaftlichen Forschungsarbeit oder in ihrer direkten Arbeitsumgebung dargestellt, also z. B. während einer Operation. Diesem „Trend“ tragen auch die Porträts dreier berühmter Gynäkologen Rechnung, die nachfolgend näher beschrieben werden sollen: Die Radierung „Hofrat Professor Dr. Rudolf Chrobak“, das Bild „Wertheim bei einer gynäkologischen Operation“ und vor allem das Gemälde „Geheimrat Bumm bei einer Operation“.