Z Gastroenterol 2022; 60(08): e624
DOI: 10.1055/s-0042-1755056
Abstracts | DGVS/DGAV
Endokrine Chirurgie
Endokrine Erkrankungen & Chirurgie
Donnerstag, 15. September 2022, 15:50 – 17:10, Saal 8

Die Höhe des posttherapeutischen De-Ritis-Quotienten hat prognostischen Wert für das Progression-Free Survival und Overall Survival in Patienten mit neuroendokrinen Tumoren nach TACE/TAE

S Matrood
1   Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Gastroenterologie, Endokrinologie, Stoffwechsel und klinische Infektiologie, Marburg, Deutschland
,
LE Melms
2   Philipps-Universität Marburg, Institut für künstliche Intelligenz, Marburg, Deutschland
,
TM Gress
1   Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Gastroenterologie, Endokrinologie, Stoffwechsel und klinische Infektiologie, Marburg, Deutschland
,
A Rinke
1   Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Gastroenterologie, Endokrinologie, Stoffwechsel und klinische Infektiologie, Marburg, Deutschland
› Author Affiliations
 
 

    Einleitung Die Transarterielle (Chemo-)Embolisation (TACE/TAE) ist ein etabliertes Verfahren in der Behandlung von irresektablen neuroendokrinen Lebermetastasen (NELM), die bei hepatischem Progress oder zur Reduktion der Tumorlast bei hormoneller Aktivität erwogen werden kann.

    Ziele Das Ziel dieser retrospektiven Studie ist es den prädiktiven Wert von posttherapeutisch im Serum bestimmten Leber- und Cholestaseparametern, Thrombozytenzahl, pTT, INR, Chromogranin A, Serotonin und Leberfunktionstests für das Progression-Free Survival (PFS) und Overall Survival (OS) in Patienten mit NELM nach TACE/TAE zu erheben.

    Methodik Klinische und Laborchemische Parameter wurden von NELM-Patienten, die zwischen dem Jahr 2003 und 2021 insgesamt 86 TACE/TAE in unserem Zentrum erhielten, retrospektiv ausgewertet. Laborparameter bis 48h nach der Intervention wurden berücksichtigt. Nach Analyse von Fehlwerten wurden Variablen entfernt (Chromogranin A, Serotonin) oder bei Eignung eine multiple Imputation durchgeführt. Leber- und Cholestaseparameter (AST, ALT, y-GT, alkalische Phosphatase, Gesamt-Bilirubin), Thrombozytenzahl, pTT, INR und Leberfunktionstests (De–Ritis-Quotient, FIB-4, GPR, APRI) wurden auf eine Assoziation mit dem PFS und OS getestet. Kaplan-Meier Analyse, univariable und multivariable Cox-Regression dienten hierbei der Erhebung von unabhängigen Prädiktoren für das PFS und OS. Der Median des De-Ritis-Quotienten wurde als Cut-off-Wert zur Unterteilung der Patienten in eine Niedrigrisiko- und eine Hochrisiko-Gruppe eingesetzt. p<0,05 wurde als signifikant gewertet.

    Ergebnis Die multivariable Cox-Regression ergab, dass posttherapeutisch ein höherer De-Ritis-Quotient (HR:1,162; 95%CI: 1,065-1,267; p=0,001), eine höhere Thrombozytenzahl (HR: 1,006; 95%CI: 1,002-1,009; p=0,001) und pTT (HR:1,006; 95%CI: 1,005-1,059;p=0,021) mit einem signifikant niedrigerem PFS assoziiert ist und ein erhöhter posttherapeutischer De-Ritis-Quotient mit einem schlechterem OS (HR: 1,550; 95%CI: 1,323-1816; p<0,001) nach TACE/TAE einherging. Die übrigen untersuchten Laborparameter und Leberfunktionstests zeigten in der multivariablen Cox-Regression keinen prognostisch signifikanten Wert in Bezug auf das PFS und OS. In der Kaplan-Meier-Analyse mit Log-Rank-Test wiesen Patienten mit einem posttherapeutischen De-Ritis-Quotienten von>1,64 ein signifikant niedrigeres PFS (p=0,003) und OS (p<0,001) auf.

    Schlussfolgerung Ein postinterventionell höherer De-Ritis-Quotient ist mit einer schlechteren Prognose für Patienten, deren NELM mit TACE/TAE behandelt worden sind, assoziiert.


    Publication History

    Article published online:
    19 August 2022

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