Z Gastroenterol 2022; 60(08): e549-e550
DOI: 10.1055/s-0042-1754883
Abstracts | DGVS/DGAV
Leber und Galle
Interdisziplinäre Leberonkologie
Freitag, 16. September 2022, 12:15–13:51, Saal 6

Systemische Therapie des Rezidivs eines hepatozellulären Karzinoms nach Lebertransplantation: eine multizentrische retrospektive Studie

Authors

  • V Himmelsbach

    1   Klinikum der Goethe-Universität, Medizinische Klinik 1–Gastroenterologie/Hepatologie, Frankfurt am Main, Deutschland
  • M Jeschke

    2   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
  • M Pinter

    3   Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Innere Medizin III, Wien, Österreich
    4   Medizinische Universität Wien, Liver Cancer (HCC) Study Group Vienna, Wien, Österreich
  • B Scheiner

    3   Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Innere Medizin III, Wien, Österreich
    4   Medizinische Universität Wien, Liver Cancer (HCC) Study Group Vienna, Wien, Österreich
  • M Venerito

    5   Otto-Von Guericke Universität, Magdeburg, Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Magdeburg, Deutschland
  • F Sinner

    5   Otto-Von Guericke Universität, Magdeburg, Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Magdeburg, Deutschland
  • J Trojan

    1   Klinikum der Goethe-Universität, Medizinische Klinik 1–Gastroenterologie/Hepatologie, Frankfurt am Main, Deutschland
    6   Klinikum der Goethe-Universität, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen, Frankfurt, Deutschland
  • CM Lange

    2   Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
  • O Waidmann

    1   Klinikum der Goethe-Universität, Medizinische Klinik 1–Gastroenterologie/Hepatologie, Frankfurt am Main, Deutschland
    7   Centrum für Hämatologie und Onkologie Bethanien, Frankfurt, Deutschland
    6   Klinikum der Goethe-Universität, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen, Frankfurt, Deutschland
  • F Finkelmeier

    1   Klinikum der Goethe-Universität, Medizinische Klinik 1–Gastroenterologie/Hepatologie, Frankfurt am Main, Deutschland
    6   Klinikum der Goethe-Universität, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen, Frankfurt, Deutschland
    8   Klinikum der Goethe-Universität, Frankfurt Cancer Institute, Frankfurt, Deutschland
 
 

Einleitung Die Tyrosinkinasehemmer (TKI) Sorafenib und Lenvatinib stellen die systemische Erstlinientherapie der Wahl für Patienten mit HCC-Rezidiv nach Lebertransplantation (LT) dar. Das mediane Überleben in den modernen Studien mit Patienten ohne LT beträgt knapp 14 Monate für beide Substanzen. Daten zum medianen Gesamtüberleben für Patienten mit HCC-Rezidiv nach LT sind dagegen spärlich und bedürfen einer Überprüfung in unabhängigen Kollektiven.

Ziele In dieser retrospektiven, multizentrischen Studie untersuchten wir die Wirksamkeit der TKI-Therapie mit Sorafenib und Lenvatinib bei LT-Patienten mit HCC-Rezidiv.

Methodik Es erfolgte eine retrospektive Datenerhebung aus vier Transplantationszentren aus Deutschland und Österreich. Wir schlossen Patienten mit einem HCC-Rezidiv nach LT zwischen 2007 und 2020 ein, welche medikamentös mit einem TKI therapiert wurden.

Ergebnis Es wurden 47 Patienten eingeschlossen. 37 (78,7%) waren männlich, das mediane Alter bei Diagnosestellung des Rezidivs betrug 58 Jahre (44 – 73 Jahre). Die am häufigsten zugrundeliegende Lebererkrankung war mit 53,2% (n= 25) die Hepatitis C. Das Rezidiv trat im Median nach 12,1 Monaten (0 – 118 Monate) auf. Hiervon war bei 22 Patienten (46,8%) das Lebertransplantat betroffen, 37 Patienten (78,7%) hatten bei Erstdiagnose des Rezidivs extrahepatische Metastasen, wobei die Lunge mit 72,2% (n= 26) am häufigsten betroffen war. 55,3% der Tumorrezidive (n= 26) wurden zunächst lokal behandelt.

Eine systemische Therapie wurde in 85,1% (n=40) mit Sorafenib eingeleitet, weitere 14,9% (n=7) erhielten eine Erstlinientherapie mit Lenvatinib. Unter Sorafenib konnte eine Krankheitskontrollrate (disease control rate, DCR) von 22,5% (n=9) erreicht werden. Unter Lenvatinib konnte in dieser Kohorte keine Krankheitsstabilisierung dokumentiert werden.

Das mediane Gesamtüberleben vom Zeitpunkt der Diagnosestellung des Rezidivs betrug unter Sorafenib 15,4 Monate (95%-CI 7,1 – 23,7 Monate). Unter Lenvatinib lag es bei 11,2 Monaten (95%-CI 3.6 – 18.9 Monate), (p=0,032).

Elf Patienten (23,4%) erhielten eine systemische Zweitlinientherapie.

Schlussfolgerung Unsere Daten unterstreichen, dass Patienten mit Rezidiv nach Lebertransplantation eine schwer zu behandelnde Gruppe darstellen. Wie bereits in Vorstudien gezeigt, können mit Sorafenib und Lenvatinib ähnliche Überlebensraten erreicht werden.


Publication History

Article published online:
19 August 2022

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