Zeitschrift für Palliativmedizin 2022; 23(05): e29-e30
DOI: 10.1055/s-0042-1754082
Abstracts | DGP
Individualethische und organisationsethische Aspekte

Soziale Arbeit in der Hospiz- und Palliativversorgung – Umgang mit Sterbewünschen

Authors

  • N Römer

    1   Evangelische Hochschule Berlin, Soziale Arbeit, Berlin, Deutschland
 
 

Hintergrund Die Autorin wollte im Rahmen einer Bachelor-Thesis der Frage nachgehen, wie spezifisch durch die Soziale Arbeit mit Sterbewünschen umgegangen wird und die geführte Debatte um die Sicht der Sozialen Arbeit erweitern. Ziel der Arbeit war es, Eindrücke aus der sozialarbeiterischen Praxis im Umgang mit Sterbewünschen zu erhalten und zu beleuchten, welche gesellschaftlichen, (berufs)politischen und alltagspraktischen Rahmenbedingungen es benötigt, um Sterbewünschen im professionellen Handlungsrahmen Sozialer Arbeit begegnen zu können.

Methode Es wurden 3 leitfadenbasierte Interviews geführt und in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet. Dafür wurden durch ein sowohl deduktives als auch induktives Vorgehen Kategorien gebildet und die Interviewinhalte dem gebildeten Kategoriensystems zugeordnet und dementsprechend ausgewertet.

Ergebnisse Es zeigen sich eindeutige Spezifika der Sozialen Arbeit, welche nicht nur den fachlichen Diskurs, sondern auch den Umgang mit Sterbewünschen ergänzend erweitern. Die Profession stellt durch ihre fachspezifische Ausrichtung die Schnittstelle zwischen betroffenen Menschen, den An- und Zugehörigen sowie dem Team dar. Im gesellschaftlichen, berufspolitischen und alltagspraktischen Kontext hat sich gezeigt, dass sowohl eine breitere Aufklärung als auch der Ausbau der Suizidprävention von Nöten ist. Für die Alltagspraxis sind klare Orientierungshilfen durch die Einrichtungen, Träger und Fachverbände gewünscht. Ethische und sozialarbeiterische Wertekonflikte spielen widererwartend keine ausgeprägte Rolle im Umgang mit Sterbewünschen.

Schlussfolgerung Aufgrund der kaum vorhandenen Wertekonflikte ist anzunehmen, dass die berufsethische Ausrichtung Sozialer Arbeit im Generellen der hospizlichen Haltung im Umgang mit Sterbewünschen aus Sicht der Interviewten untergeordnet zu sein scheint. Die erkennbaren Spezifika Sozialer Arbeit lassen vermuten, dass sich die Soziale Arbeit der Hospiz- und Palliativversorgung durch ein klares Stellenprofil und damit verbundene Handlungsmaxime einen Rahmen geschaffen hat, in welchem sie mit einer professionellen Sicherheit mit Sterbewünschen umgehen kann und diese im Rahmen der Grenzen und Möglichkeiten von hospizlicher und palliativer Versorgung bereit ist, zu begleiten und ihnen offen, multiperspektivisch und wertfrei zu begegnen.

Die Autorin gibt an, dass keine Interessenskonflikte bestehen.


Publication History

Article published online:
31 August 2022

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