Einleitung Die Behandlung eines Kehlkopfkrebses kann zahlreiche
Einschränkungen im täglichen Leben nach sich ziehen. Insbesondere
Veränderungen im Aussehen und Beeinträchtigungen der
Sprechfähigkeit können in Folge der Therapie auftreten. Dies kann
die Teilhabe der Patient*innen und dadurch die psychische Gesundheit negativ
beeinflussen. Ziel dieser Studie ist es, soziale Ungleichheiten in der Partizipation
und Zusammenhänge zum psychischen Befinden bei
Kehlkopfkrebspatient*innen zu analysieren.
Methoden Die Patient*innen wurden drei Monate und ein Jahr
nach Diagnosestellung anhand des Fragebogens zur psychischen Anpassung nach
Laryngektomie (FPAL) zu sozialen Aktivitäten und einem Mangel an Kontakten
befragt. Psychische Belastung wurde mit der Hospital Anxiety and Depression Scale
(HADS) erfasst. Sozio-ökonomische Angaben wurden im Selbstbericht erhoben
und medizinische Angaben den Krankenakten entnommen. Soziale Ungleichheiten in der
Partizipation und Zusammenhänge zum psychischen Befinden wurden mithilfe von
Regressionsmodellen berechnet.
Ergebnisse Es wurden 428 Patient*innen (Durchschnittsalter 65
Jahre, 91% männlich) aus 15 kooperierenden Kliniken in
Mitteldeutschland nach einer Kehlkopfkrebsdiagnose in die Studie eingeschlossen. Es
zeigten sich keine Veränderungen in sozialen Aktivitäten, jedoch
eine Abnahme an sozialen Kontakten bis zu ein Jahr nach Diagnosestellung. Ein
höherer Schulabschluss und eine bessere finanzielle Situation stehen drei
Monate nach Diagnose mit erhöhter sozialer Aktivität im
Zusammenhang, ein Jahr nach Diagnose ist das Vorhandensein einer Erwerbsarbeit und
eine bessere finanzielle Situation mit mehr Aktivitäten assoziiert. Ein
Mangel an Kontakten steht mit einer schlechteren finanziellen Situation ein Jahr
nach Diagnosestellung im Zusammenhang. Patient*innen mit einer Abnahme in
sozialen Aktivitäten innerhalb des ersten Jahres berichten von einem
schlechteren psychischen Befinden (B = -0.217, p = .05).
Veränderungen in Kontakten standen nicht mit dem psychischen Befinden im
Zusammenhang (B = 0.044, p = .21).
Schlussfolgerung Soziale Kontakte nehmen bis zu ein Jahr nach einer
Kehlkopfkrebsdiagnose ab. Besonders Patient*innen, die ihre finanzielle
Situation schlechter bewerten, haben ein Risiko für eine reduzierte
Partizipation. Da eine Abnahme an sozialen Aktivitäten negativ mit der
psychischen Gesundheit im Zusammenhang steht, sollte die Teilhabe von
Kehlkopfkrebspatient*innen besonders gefördert werden.