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CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2022; 101(S 02): S81
DOI: 10.1055/s-0042-1747505
Abstracts | DGHNOKHC
Lernen am Fall

Otorrhoe bei immunsupprimiertem Mitarbeiter eines Atommüll-Endlagers

Authors

  • Stephanie Kühne

    1   Universitätsklinikum Magdeburg, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Magdeburg
 
 

Einleitung Die Mittelohrtuberkulose ist eine seltene Form der chronischen Otitis media und der extrapulmonalen Tuberkulose. Sie betrifft 0,04 bis 1% aller Tuberkuloseerkrankungen bzw. 4% der Tuberkulose im Kopf- und Halsbereich. Infektionswege sind dabei hämatogen, über die Tube oder über den Gehörgang bei Trommelfellperforation.

Kasuistik

Der 37-jährige Patient stellte sich mit einer seit vier Wochen bestehenden progredienten Hörminderung verbunden mit einer Otorrhoe und einem Druckgefühl auf dem rechten Ohr vor. Klinisch zeigten sich im rechten Gehörgang Fibrinausschwitzungen vor Resten des Trommelfells. Weiterhin bestand eine Fazialisparese im Stadium HOUSE II-III rechts. In der CT vom Felsenbein stellte sich das ausgeprägt pneumatisierte Mastoid weichteildicht verschattet dar. Es erfolgte daraufhin die Tympanotomie und Mastoidektomie rechts. Intraoperativ zeigte sich ein freistehender Hammergriff und lediglich Reste vom Trommelfell. Im Rahmen der Nachsorge war ein kompletter Untergang des Trommelfells sowie eine retroauriculäre Fistelbildung zu beobachten bei fortbestehender schüttender Otorrhoe, woraufhin der Verdacht auf eine Mittelohrtuberkulose gestellt wurde, welche sich in der molekularpathologischen Nachuntersuchung bestätigte. Anschließend erfolgte die systemische Kombinationstherapie von Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol für 6 Monate. Nach Beendigung dieser erhielt der Patient eine Tympanoplastik Typ III mit Anlage einer offenen Mastoidhöhle.

Zusammenfassung

Die Tuberkulose des Mittelohres ist eine seltene Differentialdiagnose und führt daher zu einer späten Diagnosestellung. Die Therapie der Wahl ist die systemische Kombinationstherapie mit anschließender operativer Sanierung des Ohres.


Interessenskonflikt

Der Erstautor gibt keinen Interessenskonflikt an.

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Article published online:
13 June 2022

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