Bei den Bemühungen um die Beendigung der Ebolaepidemie in Westafrika konnten in den
vergangenen Monaten zahlreiche Erfolge gefeiert werden – immer wieder kommt es jedoch
auch zu Rückschlägen, die verdeutlichen, wie fragil die Lage in der Region ist.
So wähnte man sich Mitte September schon kurz vorm Ziel: Liberia galt bereits seit
Anfang September offiziell als frei von Ebola. Anfang November erhielt dann Sierra
Leone ebenfalls diesen Status, nachdem auch hier 42 Tage, das heißt die doppelte Inkubationszeit,
ohne neue Ebolafälle verstrichen waren. Und auch Guinea, das letzte von der Epidemie
betroffene Land, meldete seit dem 29. Oktober keine Neuinfektionen mehr. Alle Kontaktpersonen
haben hier mittlerweile ihre 3-wöchige Beobachtungsphase ohne Auffälligkeiten überstanden.
Und dann, Ende November, kam es zu einem der erwähnten Rückschläge: Knapp 4 Monate
nach dem letzten Ebolafall in Liberia wurde aus dessen Hauptstadtregion Monrovia nun
ein erneuter Ausbruch gemeldet. Zunächst erkrankte ein 15-jähriger Junge, der wenige
Tage später an den Folgen der Infektion verstarb. Mittlerweile konnte das Virus auch
bei 2 weiteren Familienmitgliedern festgestellt werden.
Virus kann lange in Geheilten überdauern
Dies zeigt einmel mehr, wie hartnäckig das Virus ist und dass es vermutlich auch in
als geheilt geltenden Ebolapatienten überdauern kann. So ist das Virus unter anderem
auch Monate, nachdem es aus dem Blut der ehemaligen Patienten verschwunden ist, noch
im Samen nachzuweisen.
Auf diesem Weg wurde bereits Anfang des Jahres vermutlich eine neue Infektionskette
in Gang gesetzt, nachdem Liberia bereits einmal 3 Wochen lang keine Neuinfektionen
gemeldet hatte. Auch Ende Juni dieses Jahres meldete es sich nach über 80 Tagen Abstinenz
in Liberia plötzlich zurück – wo es in der Zwischenzeit überdauerte – und wie der
erneute Ausbruch begann, ist bis heute nicht geklärt.
Einzelfälle bei den in der Regel besser medizinisch betreuten ausländischen Helfern
zeigen jedoch, dass das Virus definitiv in der Lage ist, im Körper zu überdauern.
So erkrankte eine schottische Krankenschwester, die sich Ende des Jahres 2014 in Sierra
Leone infiziert hatte und eigentlich im Januar als „frei von Ebola“ entlassen worden
war, im Oktober an einer durch Ebolaviren hervorgerufenen Meningitis. Die Viren waren
allem Anschein nach die ganze Zeit über in ihrem zentralen Nervensystem vorhanden
gewesen.
Und bei einem US-amerikanischen Arzt, der auch Monate nach seiner Ebolainfektion noch
unter Gelenkschmerzen, Hörverlust, Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis und Augenbeschwerden
litt, konnten aktive Viren im Augeninneren nachgewiesen werden – glücklicherweise
ist seine Tränenflüssigkeit und die Augenoberfläche frei von Ebolaviren, sodass er
nicht infektiös ist.
Aber diese sporadisch auftretenden Fälle zeigen, wie wenig wir nach wie vor über dieses
Virus wissen und dass die Viren das Potenzial haben, auch nach langer Zeit ohne offensichtliche
Fälle neue Infektionsketten zu starten.
(Bild: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID); # 17767)
Spätfolgen
Darüber hinaus werden aus den betroffenen Staaten bereits seit über einem Jahr Fälle
gemeldet, in denen Überlebende auch Wochen und Monate nach ihrer Entlassung noch unter
teils starken Beschwerden wie Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Menstruationsbeschwerden,
Augenschmerzen und Sehstörungen bis hin zur Blindheit leiden.
Ob es sich bei diesen als Post-Ebola-Syndrom zusammengefassten Symptomen in der Regel
um Spätfolgen der Erkrankung oder der Therapie handelt, ob tatsächlich noch Erreger
im Körper vorhanden sind, inwieweit die Traumata der überstandenen Epidemie mit hineinwirken
oder ob es sich lediglich um bereits vor der Infektion vorhandene, andere Gesundheitsprobleme
handelt, ist derzeit noch nicht abzuschätzen.
Auch darüber, wie häufig diese Beschwerden sind, gibt es derzeit keine verlässlichen
Informationen. Sie scheinen jedoch die Ausnahme zu sein.
Quellen: promed, WHO
Dipl. Biol. Unn Klare