Dtsch Med Wochenschr 2016; 141(09): 635-641
DOI: 10.1055/s-0041-106307
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Schmerztherapie im Alter

Pain Management in geriatric patients
Jürgen Eiche
1   Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin / Zentrale Notaufnahme, St. Georg Klinikum, Eisenach
2   Regionales Schmerzzentrum DGS, Bad Salzungen
,
Florian Schache
1   Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin / Zentrale Notaufnahme, St. Georg Klinikum, Eisenach
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Publication History

Publication Date:
28 April 2016 (online)

Zusammenfassung

Schmerzen werden bei geriatrischen Patienten trotz hoher Prävalenz oft nicht erkannt und nicht adäquat therapiert. Die Schmerzerfassung ist bei kognitiv eingeschränkten Patienten erschwert, hier sind spezielle Screeningtools anzuwenden (z.B BESD-Skala). Bereits zum Beginn der Therapie sollten mit dem Patienten realistische Therapieziele vereinbart werden. Im Vordergrund stehen der Erhalt von Selbständigkeit sowie Förderung von Aktivität und Teilnahme am täglichen, gesellschaftlichen Leben bei reduzierter Schmerzintensität und bestmöglicher Lebensqualität. Bei der medikamentösen Schmerztherapie müssen altersphysiologische Veränderungen, Komorbiditäten sowie die häufig bestehende Polypharmazie berücksichtigt werden. Sie muss für jeden Patienten individuell und maßgeschneidert erfolgen. Zur medikamentösen Schmerztherapie bei alten Patienten sind die Nicht-Opioide Paracetamol und Metamizol sowie die Opioide Hydromorphon und Buprenorphin besonders geeignet. Tapentadol ist bei bestimmten Schmerzformen eine sinnvolle Alternative. Nichtsteroidale Antirheumatika und Coxibe sollten vermieden oder allenfalls kurzzeitig angewendet werden. Ein Therapieversuch mit Ko-Analgetika kann erwogen werden. Jede medikamentöse Schmerztherapie soll mit einer möglichst niedrigen Dosis begonnen, langsam gesteigert und nur so lange wie notwendig fortgeführt werden. Eine engmaschige Therapieüberwachung und Erfolgskontrolle ist obligat. Die nichtmedikamentöse Schmerztherapie bietet auch im Alter sehr gute Möglichkeiten, den Therapieerfolg zu verbessern. Insbesondere durch aktive Maßnahmen können Funktionalität und Mobilität verbessert werden, wodurch die Alltagskompetenzen und Lebensqualität gesteigert werden. Invasive schmerztherapeutische Maßnahmen sind nur im Einzelfall zu erwägen.

Abstract

Pains belong to the most frequent reasons for a doctor‘s visit. In elderly people, it is the result of progressive degenerative processes (e. g. , arthrosis, Osteoarthritis, degenerative spinal changes) and a higher prevalence of cancer disease to a further increase of the patients who suffer unnecessarily from pains. By the increasing polymorbidity (e.g. diabetes mellitus, vascular disease) and a declining immune competence, the prevalence of polyneuropathy and post-herpetic neuralgia rises. Insufficiently treated chronic or periodically returning pain can lead to serious interferences of the physical, cognitive and social everyday competence and therefore to a limited quality of life. These facts shows the relevance of a sufficient pain therapy in geriatric patients. Nevertheless, on account of existing comorbidity, polypharmacy as well as of impaired organ function, the pharmacological pain therapy in old patients also poses a potential hazard. Although pain prevalence is higher with geriatric than with younger patients, significantly less analgesics are prescribed in the elderly population. This results from existing uncertainties at the treating doctors as well as the complicated pain capture, in particular with cognitive affected patients. The present article should indicate options of treatment for geriatric pain patients.