Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2016; 51(04): 264-272
DOI: 10.1055/s-0041-103154
Fachwissen
Intensivmedizin und Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Atemwegsmanagement – Tracheotomie Revisited

Daniel Gill-Schuster
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Publikationsdatum:
12. April 2016 (online)

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Zusammenfassung

Die Tracheotomie ist ein bereits seit 5000 Jahren durchgeführtes Verfahren zur Atemwegssicherung. Generell unterscheidet man zwei Verfahren, die perkutane Dilatationstracheotomie und die chirurgische Tracheotomie. Die chirurgische Tracheotomie wird im OP Saal durchgeführt. Die perkutane Dilatationstracheotomie zählt zu den Standardverfahren in der Intensivmedizin. Sie kann unter geeigneter Indikationsstellung und nach Ausschluss von Kontraindikationen auf der Intensivstation durch den Intensivmediziner durchgeführt werden. Es gibt verschiedene Techniken der perkutanen Dilatationstracheotomie. Grundlage jeder Technik ist allerdings das Seldinger Verfahren. Um Komplikationen während der Durchführung zu vermeiden ist eine bronchoskopische Kontrolle obligat. Trotzdem sind die chirurgische Tracheotomie und die dilatative Tracheotomie sichere Verfahren mit wenig Komplikationen.

Abstract

Since 5000 years tracheotomy is a common way for airway management. Generally, Tracheotomy will be divided in a surgical tracheotomy the percutaneous Tracheotomy. The surgical Tracheotomy takes place in the operation theater. The percutaneous Tracheotomy is one of the standard procedures in the Intensive care unit. There are many methods to perform the percutaneous Tracheotomy. The gist of every method is the seldinger procedure. Bronchoscopic supervision during the whole procedure is one of the most important things to prevent complications. However percutaneous and surgical tracheotomy are safe and have a low rate of complications.

Kernaussagen

  • Die dilatative Tracheotomie ist die häufigste durchgeführte Form der Tracheotomie. Sie wird auf der Intensivstation bei prolongiertem Weaning durchgeführt. Die Gefahren sind Verletzung von Gefäßen und Nerven in der Punktionsumgebung sowie Verletzungen der Tracheahinterwand.

  • Die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt der dilatativen Tracheotomie ist bis heute nicht ausreichend geklärt. Nahezu gleichwertig ist die chirurgische Tracheotomie.

  • Die chirurgische Tracheotomie wird im OP-Saal durchgeführt und ist ebenso wie die dilatative Tracheotomie ein elektiver Eingriff.

  • Indikationen für die chirurgische Tracheotomie sind zum einen große Halseingriffe, bei denen mit einer starken postoperativen Schwellung des pharyngo-laryngealen Bereich zu rechnen ist, zum anderen die Unmöglichkeit einer dilatativen Tracheotomie aufgrund von abnormen Gefäßverhältnissen oder Vorliegen eines verbreiterten Schilddrüsenisthmus.

  • Die Tracheotomie kann plastisch, d. h. mit Vernähung der Haut an den Halsstrukturen, oder nicht plastisch, d. h. ohne Vernähung der Halsstrukturen, erfolgen.

  • Kontraindikationen gibt es bis auf manifeste Entzündungen und Gerinnungsprobleme keine.

  • Bei Notfällen wird eine Koniotomie durchgeführt. Dies kann ebenso chirurgisch, d. h. durch eine Hautinzision mittels Skalpell und Präparation des Halsbereichs, oder durch Dilatation mittels eines vorgefertigten Sets erfolgen. Diese Maßnahme ist als Ultima Ratio anzusehen, da die Gefahr von schweren Komplikationen sehr hoch ist.

  • Nach einer Koniotomie muss der Patient immer tracheotomiert werden.

Ergänzendes Material