Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(06): 4-5
DOI: 10.1055/s-0040-1713199
Abstracts Endokrinologie & Reproduktionsmedizin

Sectio und sekundäre Infertilität: Wird der Kaiserschnitt zum Problemfall für die Reproduktionsmedizin?

M Murtinger
1  NEXTCLINIC IVF Zentren Prof. Zech, Bregenz
,
A Damko
1  NEXTCLINIC IVF Zentren Prof. Zech, Bregenz
,
D Spitzer
2  IVF Zentren Prof. Zech, Salzburg (AT)
,
M Rohde
3  Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – LKH Bregenz
› Author Affiliations
 
 

    Fragestellung: Weltweit steigen die Sectioraten an. In der D-A-CH Region wurden 2017 ca. ⅓ (30%) der Kinder mittels Kaiserschnitt entbunden. Die WHO geht jedoch davon aus, dass nur bei etwa 15% der Geburten ein Kaiserschnitt medizinisch indiziert ist. Auch wenn aufgrund vermehrter Risiken, wie Adipositas und das kontinuierlich ansteigende Alter der Frauen bei der Geburt, die Rate medizinisch-indizierter Sectios höher sein dürfte, erklärt dies nicht die doch gravierenden innereuropäischen Unterschiede in der Anzahl der Durchführung (Italien: 36%; Finnland 16%).

    Auch wenn der Eingriff an sich risikoarm ist, sind gynäkologische und geburtshilfliche Spätfolgen wie Narbenschwangerschaften und Narbendehiszenzen eingehend beschrieben. Unklar ist bisher aber der Zusammenhang zwischen einer vorangegangenen Sectio und einer darauffolgenden sekundären Infertilität im Sinne einer Nidationsproblematik. Hinsichtlich der Nidationsproblematik nach Sectio existiert derzeit kaum Literatur. Ein diagnostischer Algorithmus darüber ob und wann eine Revision von Sectionarben-Dehiszenzen zu erfolgen hat existiert derzeit nicht.

    Methodik: Retrospektive Erfassung und Auswertung des Geburtsmodus nach Kinderwunsch-behandlung. Aufarbeitung und Darstellung einzelner Kasuistiken mit sekundärer Infertilität bzw. Implantationsversagen bei IVF-Behandlung nach Sectio, sowie anhand der Fälle eine systematische Aufarbeitung der aktuellen Fachliteratur.

    Ergebnisse: Über die Erfassung und Auswertung unserer Fragebögen zur Schwangerschaft und Geburt konnten wir über 5 Jahre eine Sectio-Rate von über 55% bei unseren IVF-Patientinnen feststellen. Einzelne Fallbeispiele mit sekundärer Fertilitätsproblematik nach Sectio werden dargestellt mit detaillierter Aufarbeitung der Lage und Darstellung Sectionarbe bzw. der weiteren Anamnese. Erfolge nach Narbenkorrektur und IVF-Behandlung werden diskutiert.

    Schlussfolgerung: Narbendehiszenzen stellen eine potentiell reproduktionsmedizinische und geburtshilfliche Komplikation dar. Derzeit besteht aber kein Konsens darüber, ab welchem Schweregrad Risiken bestehen, und ab wann und wie Narbenkorrektur bei bestehendem Kinderwunsch erfolgen sollte. Auch wenn es mittlerweile vielversprechende Ansätze gibt, sollten bei Sectio-Patientinnen, die in einer IVF Einheit vorstellig werden, vermehrt ein Fokus auf die Sectionarbe gelegt werden. Dazu gehört eine genaueste ultrasonographisch-basierte Erfassung und Dokumentation des Narbengewebes und Erfassung eines etwaigen Auftretens einer Serometra. Bei mehrmaligem Nichteintreten einer Schwangerschaft trotz Transfers von guten Blastozysten, Absenz sonstiger Implantationsproblematiken und möglicher Hinweise auf eine Narbenproblematik sollte in enger Absprache mit einer gynäkologischen Einheit über eine lapraskopische Narbenkorrektur nachgedacht werden.


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    Interessenkonflikt

    Es bestehen keine Interessenskonflikte.

    Publication History

    Publication Date:
    02 June 2020 (online)

    Georg Thieme Verlag KG
    Stuttgart · New York