Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(06): e22
DOI: 10.1055/s-0039-1692100
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ein interessanter Fall – Uterus didelphys

C Schechter
1   Universitätsfrauenklinik Leipzig
,
B Aktas
1   Universitätsfrauenklinik Leipzig
,
S Stark
1   Universitätsfrauenklinik Leipzig
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
22 May 2019 (online)

 
 

    Eine 13-jährige Patientin wird 7/18 beschwerdefrei vom Pädiater zugewiesen. Bei einer Sonografie aufgrund Nierenagenesie rechts wurde freie Flüssigkeit sowie eine Raumforderung im Unterbauch festgestellt. Es wurde der Verdacht auf ein Hämatokolpos gestellt. Die Patientin menstruiert regelmäßig seit 3 Monaten. Sie ist Virgo. Familienanamnestisch sind keine fehlbildungsassoziierten Erkrankungen bekannt. Sonographisch zeigte sich der Verdacht auf einen Uterus didelphys mit regelrecht endender linker Vagina und atretischer rechter Vagina mit Hämatokolpos von ca. 5 × 4x2 cm. Eine MRT Untersuchung bestätigt die Verdachtsdiagnose. Nach primärer Observation erfolgt die Wiedervorstellung 11/18, bei der sich die Hämatokolpos progredient auf 7 × 4x4 cm zeigt und die Patientin über Dysmenorrhoe klagt. Der Patientin wurde eine diagnostische Laparoskopie, vaginale Einstellung und Entlastung der Hämatokolpos empfohlen. Intraoperativ bestätigt sich die Verdachtsdiagnose, die Vaginalatresie der rechten Vagina wird korrigiert. Im postoperativen Intervall berichtet die Patientin über weniger Dysmenorrhoe bei gleicher Blutungsstärke. Die Literatur zeigt eine uneingeschränkte Fertilität beim Uterus didelphys, die Parität wird mit 40% angegeben. Es wird beschrieben, dass Frauen mit Uterusfehlbildung und gleichzeitiger Nierenagenesie häufiger an Präeklampsie leiden. Erhöhte Abortraten, vorzeitige Wehen und Frühgeburtlichkeit sind zu erwarten. Eine Uterusfehlbildung ist keine Kontraindikation für den Spontanpartus. In einem Fallbericht wird der Spontanpartus dicavitärer Zwillinge beschrieben. Die Therapie der Wahl ist die Exzision des vaginalen Septums. Langfristig stellt sich die Frage, ob die Fehlbildung operativ korrigiert werden sollte, da der Uterus didelphys ein Geburtshindernis darstellen könnte. Jedoch könnte die Gefäßversorgung eines abnorm entwickelten Uterus intraoperativ zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen. Langzeitbeobachtungen haben keine Assoziation von Uterus didelphys mit Endometriose oder genitalen Krebserkrankungen ergeben. Denoch muss bei der jährlichen Vorsorge ein doppelter Zytotest erfolgen. Eine uneingeschränkte Kohabitation sollte möglich sein. Eine eindeutige Festlegung der Therapie ist bei einer so seltenen Fehlbildung schwierig, da wenige Fallzahlen vorliegen. Die operative Korrektur sollte nur bei strenger Indikation erfolgen.


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