CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2019; 98(S 02): S301
DOI: 10.1055/s-0039-1686301
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Otologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Analyse des Hörverlusts von Patienten mit Tinnitus bestätigt Hypothese zur Tinnitus-Entstehung

K Tziridis
1  Universitäts-HNO-Klinik Erlangen, Erlangen
,
B Neubert
1  Universitäts-HNO-Klinik Erlangen, Erlangen
,
U Hoppe
1  Universitäts-HNO-Klinik Erlangen, Erlangen
,
H Schulze
1  Universitäts-HNO-Klinik Erlangen, Erlangen
› Author Affiliations
Further Information
Dr. Konstantin Tziridis
Universitäts-HNO-Klinik Erlangen,
Experimentelle HNO-Heilkunde, Waldstrasse 1, 91054
Erlangen

Publication History

Publication Date:
23 April 2019 (online)

 

    Tinnitus betrifft 10 bis 15% der Bevölkerung. Konsens ist, dass Schwerhörigkeit häufig ursächlich für ihn ist. Der genaue Mechanismus seiner Entstehung ist aber umstritten.

    In unserer Arbeitsgruppe wurde ein neues Modell der Tinnitus-Entstehung entwickelt: Das Gehirn versucht ständig mithilfe physiologischer neuronaler Prozesse (stochastische Resonanz, SR) die Informationsübertragung ins Hörsystem zu optimieren, wodurch Hörschwellenverluste abgemildert werden können. Als Nebenprodukt entsteht Tinnitus. Diese Hypothese konnten wir im Tiermodell belegen und auch Hinweise darauf in Daten aus einem Kollektiv von knapp 40.000 Patienten mit und ohne Tinnitus finden.

    In der vorliegenden Studie wurden die Anamnesen von 575 Tinnitus-Patienten (1150 Ohren) verschiedenen Alters aus diesem Kollektiv daraufhin untersucht, ob sie explizit wegen eines Tinnitus (n = 132, Te) oder wegen einer anderen Erkrankung (n = 443, Ta) in die HNO Klinik Erlangen kamen. Mehrfaktorielle ANOVAs zeigen unabhängig vom Patientenalter die schlechtesten Hörschwellen bei/oberhalb der Tinnitus-Frequenz. Dies passt zum Zusammenhang zwischen Tinnitus-Entstehung und einer cochleären Synaptopathie im Tiermodell. Zusätzlich sind die Hörschwellen der Te Patienten signifikant besser als die der Ta Patienten und die Tinnitus-Lautstärke ist bei ihnen signifikant höher. Dies belegt den Zusammenhang zwischen größerer Tinnitus-Lautstärke und besserer Hörschwelle, den wir im Tiermodell so ebenfalls nachweisen konnten.

    Zusammenfassend belegen die Humandaten die Daten aus dem Tiermodell und stärken die Hypothese, dass mithilfe der SR ein physiologischer Prozess zur Wiederherstellung der Hörschwellen nach Hörverlust entlang der Hörbahn abläuft, der als Nebenprodukt das Tinnitus-Perzept produziert.


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    Dr. Konstantin Tziridis
    Universitäts-HNO-Klinik Erlangen,
    Experimentelle HNO-Heilkunde, Waldstrasse 1, 91054
    Erlangen