Z Gastroenterol 2018; 56(08): e233-e234
DOI: 10.1055/s-0038-1668737
Kurzvorträge
Dünndarm, Dickdarm, Proktologie
Reizdarm, Nahrungsmittelunverträglichkeit, refraktäre Zöliakie – Freitag, 14. September 2018, 15:10 – 16:22, 22a
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einsatz einer spezifischen Ernährungstherapie (SIBO-Diät) zur Behandlung einer bakteriellen Dünndarm-Überwucherung (SIBO)

Authors

  • D Menge

    1   Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
  • S Nannen-Ottens

    2   Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut für Ökotrophologie, Hamburg, Deutschland
  • A Hedinger

    1   Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
  • C von Castell

    2   Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut für Ökotrophologie, Hamburg, Deutschland
  • E Ludewig

    2   Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut für Ökotrophologie, Hamburg, Deutschland
  • S Wendt

    1   Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
  • J Klump

    2   Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut für Ökotrophologie, Hamburg, Deutschland
  • J Keller

    1   Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
  • L Peter

    1   Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
  • V Andresen

    1   Israelitisches Krankenhaus Hamburg, Medizinische Klinik, Hamburg, Deutschland
Further Information

Publication History

Publication Date:
13 August 2018 (online)

 
 

Einleitung:

Die bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO) ist ein zunehmend erkanntes klinisches Problem. Sie führt zu RDS-artigen Beschwerden und kann mittels eines Glukose-H2-Atemtests (G-AT) nachgewiesen werden. Zu den Risikofaktoren zählen u.a. anatomische oder physiologische Barriere-Störungen. Therapie-Standard bei SIBO ist derzeit das Antibiotikum Rifaximin (in D „off-label“), das aber nur in 70,8% der Fälle effektiv ist und mit Nebenwirkungen einhergehen kann [1]. Zudem machen häufige Rezidive bei oft fortbestehenden Risiko-Faktoren wiederholte Antibiotika-Gaben erforderlich.

Ziel war daher die Entwicklung einer alternativen Behandlungs-Option der SIBO in Form einer gezielten Ernährungstherapie: der SIBO-Diät.

Methodik:

Basierend auf einer bei SIBO als effektiv beschriebenen Formula-Diät [2] und unter Einbindung von Konzepten der low-FODMAP-Diät, für die eine Reduktion und Modulation der Mikrobiota belegt ist, haben wir eine gezielte SIBO-Ernährungstherapie entwickelt, die wir Patienten mit SIBO-Nachweis als alternativen Behandlungsversuch anbieten. Zur Erfassung der Wirksamkeit dienen Symptomtagebücher und ein G-AT nach der Diät.

Ergebnisse:

Bislang liegen uns Kontroll-Ergebnisse für 9 SIBO-Patienten (89% weiblich, mittleres Alter 44) vor, die statt Antibiotika die Diät durchgeführt haben. Die Patienten hatten vor der Therapie täglich Bauchschmerzen und Blähungen und im Mittel 2 weiche Stuhlgänge. Nach der SIBO-Diät hatten 55% der Patienten einen negativen G-AT und 75% eine befriedigende Besserung ihrer Symptome. 100% der Patienten gaben eine regelmäßige Einhaltung der Ernährungsempfehlungen an. Weitere Patienten führen die Diät derzeit durch (work in progress).

Schlussfolgerung:

Die vorläufigen Ergebnisse deuten an, dass die SIBO-Diät bei einem relevanten Teil der Patienten zu einer Eradikation der SIBO und zu einer Linderung der Beschwerden führen kann. Angesichts der häufigen SIBO-Rezidive und der dadurch erforderlichen wiederholten Antibiotika-Gaben mit möglichen assoziierten Problemen (Nebenwirkungen, Resistenz-Entwicklungen, teure Off-Label-Behandlung) könnte diese Diät perspektivisch manchen Patienten einen alternativen Behandlungsversuch bieten.

Literatur:

[1] Gatta L, Scarpinato C. Aliment Pharmacol Ther 2017;45:604 – 616

[2] Pimentel M et al. Dig Dis Sci 2004;49:73 – 77