Fragestellung:
In mehreren Studien zeigte sich eine Assoziation zwischen erhöhten Kreatinin-Serumspiegel
und einer schlechteren Prognose bei Patienten mit Kolon- und Prostatakarzinom. Ob
erhöhte Kreatinin-Serumspiegel nur ein Surrogat-parameter für einen schlechten Allgemeinzustand
sind und mit einer geringeren Tolerabilität der Therapie einhergehen oder unabhängig
mit dem Krankheitsverlauf assoziiert sind, ist derzeit unklar. In der vorliegenden
Studie wird der prognostische Wert des Kreatinin-Serumspiegels bei Patientinnen mit
Ovarialkarzinom untersucht.
Material und Methodik:
In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden aus dem Patientinnenkollektiv der Universitätsklinik
für Frauenheilkunde Wien Daten von 498 Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom
ausgewertet. Der Kreatinin-Serumspiegel wurde zusammen mit den kliniko-pathologischen
Parametern und dem Überleben dieser Patientinnen evaluiert.
Ergebnisse:
Mittlere (Standardabweichung) Kreatinin-Serumspiegel bei Patientinnen mit epithelialem
Ovarialkarzinom waren 0,84 (0,40)mg/dL. Erhöhte Kreatinin-Serumspiegel, d.h. Werte
≥1,2 mg/dL, wurden bei 22 (4,4%) Patientinnen gefunden. Bei den kliniko-pathologischen
Parametern zeigte sich lediglich eine Assoziation zwischen erhöhtem Kreatinin-Serumspiegel
und höherem Alter der Patientinnen. Sowohl in einer univariaten als auch in einer
multivariaten (unter Einschluss aller etablierten Prognoseparameter) Überlebensanalyse
zeigte sich der Kreatinin-Serumspiegel – neben dem Alter der Patientinnen, dem FIGO
Stadium und dem postoperativen Resttumor – mit dem Gesamtüberleben der Patientinnen
assoziiert (univariat: p < 0,001 bzw. multivariat: p = 0,03).
Diskussion und Schlussfolgerung:
Präoperativ erhöhte Kreatinin-Serumspiegel könnten neben präoperativem Albumin- und
CRP-Serumspiegel einen einfach bestimmbaren unabhängigen Prognoseparameter beim Ovarialkarzinom
darstellen.