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DOI: 10.1055/s-0035-1564764
Lungenembolie – Vena-Cava-Filter ohne Benefit?
Authors
Publication History
Publication Date:
07 October 2015 (online)
Wie Beobachtungsstudien zeigen, wurden in den letzten
3 Jahrzehnten nach akuten venösen Thromboembolien zusätzlich zu einer Antikoagulation
vermehrt Vena-Cava-Filter implantiert. Allerdings ist deren Nutzen-Risiko-Verhältnis
bisher unklar. P. Mismetti et al. sind diesem nun nachgegangen.
JAMA 2015; 313: 1627–1635


Eingang in die Studie fanden konsekutive Patienten, die aufgrund einer akuten, symptomatischen Lungenembolie als Folge einer akuten Venenthrombose der unteren Extremität stationär behandelt wurden. Die Patienten wurden randomisiert auf 2 Gruppen aufgeteilt und erhielten entweder einen entfernbaren Vena-Cava-Filter in Kombination mit einer Antikoagulation oder nur eine Antikoagulation. Diese erfolgte für mindestens 6 Monate, anschließend lag das weitere Prozedere im Ermessen des behandelnden Arztes. Die Entfernung des Cava-Filters war 3 Monate nach der Implantation vorgesehen. Primärer Endpunkt der Studie waren symptomatische Rezidiv-Lungenembolien nach 3 Monaten, sekundäre Endpunkte waren Rezidiv-Lungenembolien nach 6 Monaten, symptomatische tiefe Venenthrombosen, Blutungen, Filterkomplikationen sowie die Mortalität nach 3 und 6 Monaten.
Einsatz des Vena-Cava-Filters
Die Interventionsgruppe bestand aus 200 Patienten, die Kontrollgruppe aus 199. Von den 200 Patienten konnte bei 193 der Cava-Filter erfolgreich implantiert werden, bei 153 von 164 dafür vorgesehenen Patienten konnte dieser auch wie geplant wieder erfolgreich entfernt werden. In der Kontrollgruppe wurde in der Folge 6 Pa- tienten ein Filter implantiert.
Nach 3 Monaten hatten in der Cava-Filter-Gruppe 6 Patienten eine Rezidiv-Lungenembolie erlitten (3,0 %), alle endeten tödlich. In der Kontrollgruppe war es zu 3 Rezidiven gekommen (1,5 %), davon 2 mit tödlichem Ausgang. Dies entsprach einem relativen Risiko von 2,0 mit dem Cava-Filter gegenüber der alleinigen Antikoagulation. Im Intervall zwischen 3 und 6 Monaten kam es in beiden Gruppen zu einer weiteren Lungenembolie. Im Hinblick auf tiefe Venenthrombosen, Blutungen sowie der Gesamtmortalität nach 3 und 6 Monaten fand sich kein deutlicher Unterschied zwischen beiden Gruppen. Bei 3 Patienten kam es zu einer Thrombose des Filters.
Bei hospitalisierten Patienten mit schwerer Lungenembolie konnte die Implantation eines Vena-Cava-Filters in Kombination mit einer Antikoagulation gegenüber einer alleinigen Antikoagulation das Risiko symptomatischer Rezidiv-Lungenembolien innerhalb von 3 Monaten nicht senken. Aufgrund dieser Ergebnisse lässt sich nach Meinung der Autoren der Einsatz des Filters bei Patienten, die antikoaguliert werden können, nicht befürworten.


