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DOI: 10.1055/s-0035-1563437
Mückenübertragene Erkrankungen auf dem Vormarsch – Zika-Virus erreicht Südamerika
Publikationsverlauf
Publikationsdatum:
17. August 2015 (online)
Es gilt als „kleiner Bruder“ des Dengue-Virus: das Zika-Virus. Bislang kam es vor allem im tropischen Afrika, in Südostasien und auf den pazifischen Inseln vor. Im Frühjahr 2015 wurden erstmals in Brasilien – und damit zum ersten Mal auf dem amerikanischen Kontinent – Infektionen mit dem Zika-Virus registriert. Bis Anfang Juli 2015 kam es landesweit zu etwa 40 labordiagnostisch bestätigten Erkrankungen, überwiegend in den nördlichen und nordöstlichen Bundesstaaten.
Erreger vermutlich während WM eingeschleppt
„Vermutlich wurde der Erreger während der Fußballweltmeisterschaft 2014 importiert“, so Prof. Dr. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Weil die Überträgermücke in der Region angesiedelt ist, ist es wahrscheinlich, dass die Erkrankungszahlen weiter zunehmen werden.“ Das Zika-Virus gehört zu der Gattung der Flaviviren – ebenso wie etwa das Dengue-Virus. Es wird von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen. Charakteristisch für eine Infektion ist das Auftreten eines knotig-fleckigen Hautausschlags, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie einer Bindehautentzündung. Die Erkrankung ähnelt in ihren Symptomen dem Dengue- und dem Chikungunyafieber, verläuft aber deutlich milder, oft auch unbemerkt. Komplizierte Verläufe sind bei Infektionen mit dem Zika-Virus selten, Todesfälle nicht bekannt.
Hinweis auf Mückenschutz wichtig
„Gerade weil der Überträger des Zika-Virus, die Tigermücke, auch andere Erkrankungen wie Dengue- und Chikungunyafieber verbreitet, sollten reisemedizinisch beratende Ärzte auf die Bedeutung konsequenten Mückenschutzes hinweisen – nicht nur bei Reisen nach Südamerika, sondern in alle tropischen und subtropischen Regionen“, so Jelinek. Insbesondere Erkrankungen an Dengue- und Chikungunyafieber haben in den vergangenen Jahren weltweit deutlich zugenommen. Eine Untersuchung, die 2013 im Fachblatt Nature erschien, kommt zu dem Ergebnis, dass sich jedes Jahr weltweit etwa 390 Mio. Menschen mit dem Dengue-Virus infizieren und etwa 96 Mio. an Denguefieber erkranken. Chikungunyafieber war viele Jahre überwiegend in Asien und Afrika bekannt. Im Dezember 2013 gelang dem Virus der Sprung über den Atlantik. Auf mehreren karibischen Inseln registrierten die Behörden Übertragungen. Seither breitet sich das Virus in Süd- und Mittelamerika rasant aus: Bis Anfang Juli 2015 sind laut Pan American Health Organization (PAHO) rund 1,5 Mio. Verdachtsfälle und etwa 36 000 bestätigte Fälle aufgetreten.
Quellen
European Center of Disease Prevention and Control. Rapid risk assessment: Zika virus infection outbreak, Brazil and the Pacific region – 25 May 2015. Stockholm: ECDC; 2015. Im Internet: http://ecdc.europa.eu/en/publica tions/Publications/rapid-risk-assessment-Zika%20virus-south-america-Bra zil-2015.pdf
International Society for Infectious Diseases. Im Internet: www.promedmail.org
Pan American Health Organization, Chikungunya Statistic Data. Im Internet: www.paho.org/hq/index.php
Bhatt S, Gething PW, Brady OJ et. al. The global distribution and burden of dengue. Nature 2013; 496: 504–507 CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
