Onkologie – Kraft- und Ausdauertraining in der Reha sinnvoll
Onkologie – Kraft- und Ausdauertraining in der Reha sinnvoll
(Abb.: julief514/fotolia.com (nachgestellte Situation))
Kraft- und Ausdauertraining haben einen positiven Einfluss auf Menschen mit onkologischen
Erkrankungen. Sie wirken sich auf ihr psychologisches, physiologisches und soziales
Befinden aus und sollten daher die Grundlage der Rehabilitation bilden. Das fanden
Forscher um die Sportwissenschaftlerin Eva Maria Zopf am Institut für Kreislaufforschung
und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln in einer Literaturstudie heraus.
Um evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen für Menschen mit Krebserkrankungen aufstellen
zu können, analysierten die Forscher ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien.
Gegenstand der Arbeiten war ein Ausdauer- oder Krafttraining mit jeweils mehr als
20 Probanden, welche an Brust-, Prostata- oder Darmkrebs erkrankt waren. Aus den Daten
leiteten die Wissenschaftler ab, dass zur Eingangsdiagnostik eine Spiroergometrie
empfehlenswert ist, da sie die kardiorespiratorische Fitness am genauesten bestimmt.
Anschließend sollten die Therapeuten die Trainingsintensität durch einen dynamischen
Krafttest ermitteln. Aerobes Ausdauertraining erwies sich in der onkologischen Rehabilitation
als effektiv und kann in Form von Ergometertraining, Wandern, Nordic Walking, Laufen,
Schwimmen, Skilanglauf etc. mindestens dreimal pro Woche zum Einsatz kommen. Die Belastungsdauer
sollte 20 bis 30 Minuten betragen. Darüber hinaus hat sich dynamisches Krafttraining
an Kraftgeräten, mit freien Gewichten, Fitnessbändern oder dem eigenen Körpergewicht
in Form von Yoga oder Tai Chi bewährt. Das Krafttraining findet optimalerweise ein-
bis dreimal pro Woche statt und steigert sich progressiv.
Während die Evidenz vor allem für Frauen mit Brustkrebs und zunehmend auch für Männer
mit Prostatakrebs sehr gut ist, gilt es, die Datenlage für Darmkrebs beispielsweise
noch weiter zu verbessern. Um für die verschiedenen Krebserkrankungen und unterschiedlichen
Behandlungsphasen genaue Empfehlungen bezüglich optimaler Bewegungsformen und der
Belastung geben zu können, sind weitere qualitativ hochwertige Studien nötig.
Kave
Rehabilitation 2014; 53:2-7
Abb.: Linda Bucklin/shutterstock.com
Lumbale Rückenschmerzen – Viszerale Manipulation hilft langfristig
Lumbale Rückenschmerzen – Viszerale Manipulation hilft langfristig
In der Osteopathie geht man davon aus, dass eine gestörte Beweglichkeit der inneren
Organe Rückenschmerzen auslösen oder verstärken kann. Eine viszerale Mobilisation
soll die Organbeweglichkeit wieder erhöhen und damit die Rückenschmerzen verringern.
Australische Wissenschaftler fanden nun heraus: Das Verfahren ist zwar auf kurze Sicht
nicht wirksamer als eine Standardphysiotherapie, langfristig gesehen hat es jedoch
einen besseren Effekt.
Für ihre Untersuchung rekrutierten die Autoren 64 Patienten, die seit durchschnittlich
15 Tagen Schmerzen im Bereich der LWS hatten, und teilten sie in eine Interventionsund
eine Kontrollgruppe ein. Zu Beginn erfragten die Autoren die aktuelle Schmerzstärke
der Probanden anhand der visuellen Analog-Skala. Alle Teilnehmer erhielten in den
darauffolgenden sechs Wochen zweimal wöchentlich eine Standardphysiotherapiebehandlung
von 25–40 Minuten. Diese bestand unter anderem aus Massagen und funktionel-lem Krafttraining
für die Rückenmuskulatur. Die Patienten der Interventionsgruppe bekamen in dieser
Zeit zusätzlich eine viszerale Manipulation, die Probanden der Kontrollgruppeeine
abdominale Schein-Manipulation.
Nach sechs Wochen unterschieden sich die beiden Gruppen nicht: Alle Teilnehmer hatten
sich durchschnittlich von 5,3 Punkten auf der VAS auf 2,3 Punkte verbessert. Nach
einem Jahr befragten die Wissenschaftler ihre Probanden erneut und stellten fest,
dass sich die VAS-Werte der Interventionsgruppe noch weiter gesenkt hatten, nämlich
auf durchschnittlich 1,5 Punkte. Die Schmerzstärke in der Kontrollgruppe war dagegen
wieder leicht gestiegen (3,2 Punkte).
Somit scheint eine osteopathische Behandlung Patienten mit chronischen Rückenschmerzen
auf lange Sicht zu helfen.
rrn
Eur J Pain 2014. doi: 10.1002/ejp.614
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Hüft- und Knieendoprothese – Lohnt sich ein Training vor der OP?
Hüft- und Knieendoprothese – Lohnt sich ein Training vor der OP?
Ob sich ein Training vor einer Knie- oder Hüft-TEP-Operation lohnt, um die Verweildauer
im Krankenhaus zu verkürzen und die Funktion des operierten Gelenks sowie die Alltagsaktivitäten
des Patienten postoperativ zu verbessern, ist unklar. Dies ist das Resümee zweier
Forscherinnen aus Hamburg.
Für ihre Übersichtsarbeit recherchierten die Autorinnen in vier Datenbanken (PubMed,
Cinahl, PEDro und Cochrane) und verschiedenen physiotherapeutischen Fachzeitschriften
nach relevanten Reviews. Davon werteten sie acht aus, die insgesamt auf 28 Einzelstudien
basierten. Die Studien maßen vor und nach dem Eingriff die funktionelle Genesung,
etwa die Kraft, Gelenkbeweglichkeit und Aktivitäten des Patienten, und/oder die Verweildauer
im Krankenhaus. Das Training war in den einzelnen Studien sehr unterschiedlich gestaltet
und bestand beispielsweise aus Kräftigung, Ausdauertraining, funktionellem Training,
Gehtraining oder Bewegungsbad. Mithilfe einer Weiterentwicklung des AMSTAR-Tools (Glossar) beurteilten die beiden Autorinnen die methodische Qualität der Reviews, die sich
als mittelmäßig bis gut herausstellte. Die eingeschlossenen Einzelstudien wiesen jedoch
zum Teil erhebliche qualitative Mängel auf. Diese wurden anhand der PEDro-Skala oder
dem Cochrane Risk of Bias Tool bewertet.
Die Auswertungen der Reviews zeigten, dass Patienten, die eine Hüft-TEP bekamen, durch
das präoperative Training nach dem Eingriff eine bessere funktionelle Genesung hatten
als diejenigen, die vor dem Eingriff nicht trainiert hatten. Auf die postoperativen
Schmerzen hatte das Training dagegen keinen Einfluss. Bei älteren, multimorbiden Patienten
konnte das Training die Verweildauer im Krankenhaus verringern und die postoperative
Komplikationsrate senken, unabhängig von der Art der Operation. Für Patienten mit
Knie-TEP brachte das präoperative Training insgesamt keinen funktionellen Nutzen nach
dem Eingriff.
Der Effekt eines präoperativen Trainings lässt sich laut der Wissenschaftlerinnen
nicht abschließend beurteilen. Der Grund dafür läge vor allem an der mäßigen Qualität
der eingeschlossenen Studien. Langfristige Follow-ups fehlten oft, die Trainingskonzepte
variierten sehr und die postoperativen Messzeitpunkte seien in den einzelnen Untersuchungen
zu verschieden.
Der frühe Vogel fängt den Wurm – so auch bei Hüft-TEP-Operationen: Trainierten die
Patienten in Studien schon vor dem Eingriff, wurden sie früher aus der Klinik entlassen
und kamen schneller wieder auf die Beine.
(Abb.: Barry Barnes/shutterstock.com)
Trotzdem raten die Forscherinnen weiterhin zu einem präoperativen Training. Die Trainingspläne
sollten dabei individuell auf das Niveau des Patienten abgestimmt sein und einem multimodalen
Ansatz folgen.
smo
physioscience 2015; 11: 11-20
AMSTAR
AMSTAR bedeutet„ A measurementtool for the assessment of multiple systematic reviews“.
Es ist eine Elf-Item-Skala, um die Qualität von Reviews einzuschätzen und zu bewerten.
Ist das Item erfüllt, gibt es einen Punkt, ist es nicht erfüllt, keinen Punkt:
-
Wurde das Design vorher festgelegt?
-
Wurden Studienauswahl und Datenextraktion von mehr als einer Person durchgeführt?
-
Wurde eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt?
-
War der Publikationsstatus (zum Beispiel graue Literatur, Sprache) relevant, damit
eine Studie ins Review eingeschlossen wurde?
-
Wurden ein- und ausgeschlossene Studien aufgelistet?
-
Wurde die Charakteristik der eingeschlossenen Studien dargestellt?
-
Wurde die wissenschaftliche Qualität der eingeschlossenen Studien beurteilt und dokumentiert?
-
Wurde die wissenschaftliche Qualität der eingeschlossenen Studien angemessen in die
Schlussfolgerung einbezogen?
-
Waren die Methoden, die zur Zusammenfassung der Studienergebnisse genutzt wurden,
angemessen?
-
Wurde eine mögliche Verzerrung der Ergebnisse durch Publikationsbias in Betracht gezogen?
-
Wurde ein möglicher Interessenkonflikt dargestellt?
Für die Auswertung in der vorliegenden Übersichtsarbeit wählten die Autoren das R-AMSTAR,
eine Weiterentwicklung des AMSTAR. Dabei werden die elf Items erneut in drei bis vier
Unterpunkte gegliedert, die wiederum mit Punkten bewertet werden. Dadurch ergibt sich
eine Maximalpunktzahl von 44 Punkten.
(Abb.: Chaikom/shutterstock.com)
Verbrennungen – Massage verringert Narbenbildung
Verbrennungen – Massage verringert Narbenbildung
Die Narbenbildung ist eine der größten Sorgen von Patienten nach einem Verbrennungstrauma.
Denn neben möglichen funktionellen Einschränkungen bringen diese Narben auch teils
massive kosmetische Beeinträchtigungen mit sich. Ein Team koreanischer Wissenschaftler
fand nun heraus, dass Therapeuten die negativen Folgen von Verbrennungsnarben mithilfe
spezieller Massagen signifikant verringern können.
Für ihre Studie rekrutierten die Autoren 146 Patienten mit Verbrennungen und teilten
sie per Zufall in zwei Gruppen ein. Alle Probanden waren durchschnittlich etwa einen
Monat in einer Reha für Verbrennungsopfer. Dort erhielten sie ein Standardprogramm,
das unter anderem Bewegungsübungen, Kortikoidinjektionen in die verbrannten Hautgebiete
sowie ein Öl enthielt, das die Feuchtigkeit der Haut verbesserte. Die Teilnehmer in
der Kontrollgruppe bekamen zusätzlich dreimal die Woche für jeweils 30 Minuten eine
Massagetherapie, die von speziell für Verbrennungsnarben ausgebildeten Therapeuten
durchgeführt wurde. Outcomeparameter waren beispielsweise die Schmerzintensität, Narbendicke,
Narbenelastizität sowie die Farbe des Narbengewebes.
In der Nachuntersuchung stellte sich heraus, dass die Massage-Gruppe unter anderem
in puncto Narbendicke, Hautverfärbung und Flüssigkeitsverlust der Haut signifikant
bessere Ergebnisse erzielte als die Kontrollgruppe. Für die Autoren stellt die spezielle
Massagetherapie somit eine weitere Möglichkeit dar, die Narbenbildung von Menschen
mit Verbrennungen positiv zu beeinflussen.
Jose
Burns2014;40: 1513-1520
Patienten, die während ihres Reha-Aufenthaltes lernen, selbstständiger zu sein, sind
zufriedener mit der Behandlung.
(Abb.: W. Goldswain/fotolia.com (nachgestellte Situation))
Zitat
»MAN KANN DEN MENSCHEN NICHT AUF DAUER HELFEN, WENN MAN FÜR SIE TUT, WAS SIE SELBST
TUN KÖNNEN UND SOLLTEN.«
Abraham Lincoln (1809-1865), 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
Zufriedenheit mit der Rehabilitation – Selbstversorgung entscheidend
Zufriedenheit mit der Rehabilitation – Selbstversorgung entscheidend
Können Patienten während einer Reha ihre Selbstständigkeit verbessern, steigt ihre
Zufriedenheit mit der Versorgungsqualität. Dies fand ein Team aus Wissenschaftlern
der Eastern Kentucky University in den USA heraus.
Die Forscher entwickelten das Assessment „Satisfaction with Continuum of Care Revised“
und befragten damit 769 Patienten einer großen Reha-Klinik, wie zufrieden sie mit
der Qualität ihrer Versorgung sind. Anschließend setzten sie diese Daten mit demografischen
Informationen und den Ergebnissen verschiedener Messinstrumente in Beziehung, zum
Beispiel mit dem Funktionalen Selbstständigkeitsindex (FIM). Die Patienten waren im
Schnitt 67,8 Jahre alt, und ihr Altersspektrum bewegte sich zwischen 18 und 100 Jahren.
Alle durchliefen eine physio- und ergotherapeutische Behandlung, einige erhielten
zusätzlich Logopädie. Im Durchschnitt nahmen sie 45,9 Therapiestunden in Anspruch.
Mithilfe der gewonnenen Daten identifizierten die Forscher sogenannte Prediktoren
der Patientenzufriedenheit. Sie ermittelten also Faktoren, mit denen sich die Zufriedenheit
der Patienten vorhersagen lässt. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Werte auf der
FIM-Selbstversorgungsskala. Denn je höher die Werte, desto häufiger sind die Patienten
mit dem Reha-Angebot zufrieden. Ähnlich verhält es sich mit dem Gesamtscore des FIM.
Außerdem beeinflusst die Art der Erkrankung, wie Menschen die Qualität der Reha-Maßnahme
erleben. Patienten mit neurologischen Erkrankungen sind zum Beispiel am zufriedensten.
Ebenso wirkt sich eine höhere Anzahl an Therapiestunden positiv auf die Zufriedenheit
aus. Genauso wie die Möglichkeit, die Rehabilitationsmaßnahme innerhalb von 15 Tagen
nach dem Krankheitsereignis zu beginnen.
Eine verbesserte Selbstständigkeit beeinflusst die Zufriedenheit der Patienten insbesondere
im Bereich der Selbstversorgung, beispielsweise beim Backen in der heimischen Küche.
fk
AJOT2015;doi: 10.5014/ ajot.2015.013094
bewerten ...
... sich die 65- bis 85-Jährigen in Deutschland auf einer Skala von eins bis zehn,
werden sie nach ihrer Lebenszufriedenheit gefragt. Mitentscheidend ist dabei neben
der Bildung und dem Einkommen vor allem ihr Gesundheitszustand.
Generali Altersstudie 2013
Stress, ...
... keine Zwänge und mehr Zeit für sich und seine Familie haben – das sehen die Deutschen
als besondere Vorteile des Alters.
Cenerali Altersstudie 2013