Der Nuklearmediziner 2015; 38(02): 131-137
DOI: 10.1055/s-0035-1548770
Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms – Neue Entwicklungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Radium-223 Chlorid zur Schmerztherapie bei ossärer Metastasierung des Prostatakarzinoms

Autor*innen

  • K. Liepe

    1   Klinik für Nuklearmedizin, Klinikum Frankfurt (Oder)
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. Juni 2015 (online)

Zusammenfassung

Die palliative Schmerztherapie mit Betastrahlern wird erst relativ spät und im fortgeschrittenem Tumorstadium eingesetzt, obwohl eine frühzeitige Therapie einen signifikant besseren Effekt in der Schmerzreduktion zeigt [7]. In einer randomisierten Phase-III-Studie (ALSYMPCA) mit dem Alphastrahler Radium-223 (Xofigo®) konnte erstmalig ein verlängertes Überleben der Patienten von 3,6 Monaten und somit wahrscheinlich ein tumorreduktiver Effekt der Therapie nachgewiesen werden [11] [29] [32]. Die Zeit bis zu einem skelettassoziierten Ereignis (SRE) wird dabei durch das Radium-223 um 5,5 Monate verlängert [29]. Die Nebenwirkungsrate der Therapie ist gering, wobei die Knochenmarktoxizität aufgrund der geringen Reichweite der Alphapartikel deutlich niedriger ausfällt als bei der Therapie mit Betapartikeln. Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend über den Darm (13% der applizierten Aktivität) und weniger über die Nieren (2%) [5].

Zugelassen ist Xofigo® nur für das hormonrefraktäre Prostatakarzinom. Die Applikation erfolgt alle 4 Wochen 6-mal i. v. in einer Dosierung von 50 kBq/kg Körpergewicht Radium-223.

Unter Berücksichtigung des lebensverlängernden Effekts bei der palliativen Therapie mit Radium-223 sollte diese möglicherweise frühzeitiger in das Therapiemanagement eingebunden werden. In weiteren Studien sollte die Option einer Kombination mit einer Chemotherapie untersucht werden. Hier ist Radium-223 aufgrund seiner geringen Knochenmarktoxizität besonders interessant. Auch ein Cocktail mit Betastrahlern ist denkbar, um die Tumorzellen, die weiter von den ossären Strukturen entfernt liegen, zu erreichen.

Abstract

The palliative treatment in bone pain using beta-emitters are used often relative late in the therapeutic management, although an early treatment have a significant better pain palliation [7]. In a randomized phase III trial (ALSYMPCA) using radium-223 (Xofigo®) for the first-time, a longer overall survival of 3.6 months was observed in treated patients, as a sign for an anti-tumor effect [11] [29] [32]. The time to first skeletal-related events was significant longer in the therapy group compared to placebo. The rate of side effects is low; especially the bone marrow toxicity is lower in comparison to beta-emitters, due to the low range of alpha-particles. Elimination is mainly through the gastrointestinal tract (13% of applied activity) and only limited via renal excretion (2%) [5].

Xofigo® is only approved for castrate-resistant prostate cancer. Administration is six times with an interval of 4 weeks using 50 kBq/kg body weight intravenous.

An earlier treatment with Xofigo® should be discussed due the possible antitumor effects. Further studies should evaluate a combination with chemotherapy with respect to the low bone marrow toxicity of this agent. Also a cocktail with beta-emitters would be thinkable to get an effect on tumor cells which are located deeper in the osseous structures.