Akt Dermatol 2014; 40(07): 264
DOI: 10.1055/s-0034-1384289
Derma-Fokus
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Melanozytäre Naevi – Langzeitentwicklung bei Kleinkindern im Fokus

Rezensent(en):
Elke Ruchalla
Wollina U et al.
Acta Derm Venerol 2014;
94: 63-66
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
03. Juli 2014 (online)

 

Erworbene melanozytäre Naevi gehören in den nördlichen Breitengraden zu den häufigsten Neoplasien und stellen einen der wesentlichen Risikofaktoren für die Entwicklung maligner Melanome dar. U. Wollina et al. haben untersucht, wie sich die Zahl melanozytärer Naevi bei Kleinkindern entwickelt und ob die Aufklärung der Eltern über das Risiko sowie Schutzmaßnahmen diese Entwicklung beeinflusst.
Acta Derm Venerol 2014; 94: 63–66

Die Zahl melanozytärer Naevi hat bei den untersuchten Kleinkinder in einem Zeitraum von 3 Jahren deutlich zugenommen. Die Information der Eltern zum Risiko bzw. über Präventionsmaßnahmen hatte keinen Einfluss. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher, die im Jahr 2009 in 14 Kindergärten und -tagesstätten insgesamt 395 Kinder im Alter von 3 Jahren in ihre Longitudinalstudie aufgenommen hatten. Zu Studienbeginn wurden diese randomisiert einer von 2 Gruppen zugewiesen:

  • Die Interventionsgruppe: Die Eltern erhielten ausführliche Informationen über die Risiken der Naevi, die Bedeutung des UV-Schutzes sowie über geeignete Maßnahmen dazu; 2-mal pro Jahr fand ein Treffen mit einem Dermatologen statt; 1-mal jährlich wurden die Kinder mittels digitaler Dermatoskopie untersucht.

  • Die Kontrollgruppe: Es erfolgten eine Standardberatung der Eltern und 1-mal jährlich die gleiche Untersuchung der Kinder mittels digitaler Dermatoskopie.

Beurteilt wurde die Zunahme der Naevi über 3 Jahre. Zu Beginn wiesen die beiden Gruppen eine vergleichbare durchschnittliche Zahl von Naevi auf (7,19 vs. 6,84). Über den Studienverlauf nahm in beiden Gruppen die Zahl der Naevi deutlich zu, auf 12,5 (Interventionsgruppe) bzw. 13,8 (Kontrollgruppe). Auch der mittlere Durchmesser der Naevi war von 1,68 auf 1,98 mm (Interventionsgruppe) bzw. von 1,64 auf 1,90 mm (Kontrollgruppe) angestiegen, im Mittel maßen die neu aufgetretenen Naevi bei der letzten Untersuchung 1,48 mm.

Aufklärungsmaßnahmen ohne Erfolg

Der prozentuale Anteil der Naevi mit einem Durchmesser von mind. 2 mm nahm im Verlauf von 13,38 auf 8,12 % (Interventionsgruppe) bzw. von 13,45 auf 7,34 % (Kontrollgruppe) ab. Risikoläsionen anhand des dermatoskopischen Musters fanden sich dabei in keinem Fall. Subgruppenanalysen ergaben keine Unterschiede für die Naevi-Entwicklung im Hinblick auf Geschlecht, Haar- und Augenfarbe. Die Befunde waren dabei zu jedem Untersuchungszeitpunkt zwischen den Gruppen vergleichbar.

Fazit

Den Wissenschaftlern scheinen 2 Punkte besonders erwähnenswert. Zum einen war die beobachtete Anzahl der melanozytären Naevi bei den Kindern deutlich höher als anhand früherer Studien aus Deutschland erwartet. Zum anderen schienen die in dieser Studie erfolgten Aufklärungsmaßnahmen für die Eltern wenig hilfreich, um einen ausreichenden UV-Schutz zu gewährleisten, der die Entwicklung neuer Naevi verhindert hätte. Offensichtlich müssen die Konzepte für Aufklärungsmaßnahmen überarbeitet und aktualisiert werden, so die Autoren.


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