Den Handpräferenztest für vier- bis sechsjährige Kinder (HAPT 4–6) gibt es seit 2011.
Er wurde von Johanna Bruckner, Pia Deimann und Ursula Kastner-Koller in Wien entwickelt.
Das Assessment erfasst die Handpräferenz eines Kindes und die Konstanz des Handeinsatzes.
Wer es anwenden möchte, erhält es bei der Testzentrale des Hogrefe Verlags unter www.testzentrale.de. Geliefert wird es in einem bunten Karton (Abb.). Darin befinden sich Manual, Protokollbögen, eine Audio-CD und Testmaterialien wie
zum Beispiel Stempelvorlagenblätter, Bälle, Würfel und Smiley-Aufkleber (Abb.). Die Durchführung dauert etwa 25 Minuten.
Ergotherapeuten, die Erfahrung im Umgang mit Kindern haben, können den Test mithilfe
des Manuals sicher anwenden. Ergotherapeuten, die wenig Erfahrung mit der Händigkeit
haben, sollten für die Interpretation und Planung von Interventionen für Kinder mit
unklarer Handpräferenz Kollegen heranziehen, die sich auf diesen Bereich spezialisiert
haben.
Die Anleitung fürs Kind kommt von der CD
Die Anleitung fürs Kind kommt von der CD
Für die Durchführung bereitet die Therapeutin den Testraum entsprechend der Vorgaben
vor: Der Tisch hat eine Höhe von 50–55 cm, damit das Kind im Stehen agieren kann.
Um den Tisch herum ist ausreichend Platz. Nachdem die Testleiterin dem Kind die Materialien
gezeigt hat, setzt sie sich in einiger Entfernung auf einen Stuhl und notiert ihre
Beobachtungen. Die Anleitungen für das Kind spielt sie von der mitgelieferten CD-Rom
ab. So erfährt das Kind, auf welche Position es sich stellen soll und welche Aufgabe
auszuführen ist. Nachdem das Kind jede der 14 Aufgaben einmal gemacht hat, wiederholt
es jede Aktivität noch zweimal (Tab.). Die Reihenfolge der Aufgabenstellung wird jedoch variiert, damit das Kind nicht
weiß, welche Aufgabe als Nächstes kommen wird.
Tab.
HAPT 4–6
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Die 14 Aufgaben
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> Lichtschalter betätigen
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> Reißverschluss öffnen
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> Würfeln
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> Ball werfen
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> Holzperle aufnehmen
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> Sticker aufnehmen
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> Kreuz zeichnen
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> Kette aufnehmen
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> Stempeln
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> Dose öffnen
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> Boden kehren
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> Fisch angeln
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> Winken
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> Belohnung aufnehmen
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Mit dem HAPT 4–6 lassen sich der Ausprägungsgrad der Handpräferenz sowie die Konstanz
des Handeinsatzes erfassen.
Den Ausprägungsgrad der Handpräferenz ermitteln
Den Ausprägungsgrad der Handpräferenz ermitteln
Für die Auswertung zählt die Therapeutin den Einsatz der rechten und der linken Hand.
Daraus berechnet sie den Laterialitätsquotient. Zum Vergleich stehen ihr Normtabellen
zur Verfügung: eine für Mädchen und eine für Jungen. Aus diesen Tabellen kann sie
den Prozentrang ablesen. Zusätzlich kann sie aus weiteren Tabellen, getrennt nach
Geschlecht und der Seite der Präferenz, den Ausprägungsgrad der Handpräferenz ermitteln.
Die Werte sind in durchschnittliche, über- und unterdurchschnittliche Ausprägungen
kategorisiert.
Für die Händigkeitskonsistenz bewertet die Therapeutin, wie viele der Aufgaben das
Kind bei allen drei Durchführungen immer mit derselben Hand ausgeführt hat. Auch hier
gibt es für Geschlecht und Seite der Präferenz eigene Normtabellen, und die Ergebnisse
werden in durchschnittliche, über- und unterdurchschnittliche Werte kategorisiert.
In Deutschland und Österreich normiert
In Deutschland und Österreich normiert
Da die Materialien und deren Anordnung standardisiert sind und die Anweisungen von
einer CD-Rom abgespielt werden, wird von einer hohen Durchführungsobjektivität ausgegangen.
Die Auswertungsobjektivität wird mit Cohens Kappa von 0,97 angegeben. Auch die Reliabilität
der Items ist mit einem Crohnbachs Alpha von 0,95 hoch.
Für die Validität wurde das Testergebnis mit dem Globalurteil der Eltern und der Zeichenhand
korreliert. Die Korrelation des Testergebnisses zum Elternurteil ist hoch signifikant
(r=0,76), jedoch nicht perfekt. Aus der sehr hohen Korrelation der Elterneinschätzung
mit der Zeichenhand (r=0,97) schließen die Entwicklerinnen, dass Eltern die Händigkeit
ihres Kindes fast ausschließlich nach der Zeichenhand ihres Kindes beurteilen. Beim
Zeichnen ist die Bevorzugung einer Seite am offensichtlichsten. Bei manchen Kindern
liegen Handpräferenz und Handleistung jedoch nicht auf einer Seite. Andere Kinder
zeichnen beispielsweise nicht mit ihrer präferierten Hand, weil sie in ihrer Zeichenhand
beeinflusst wurden.
Foto: E. Schönthaler
Der Test wurde anhand der Daten von 383 Kindern aus Österreich und 146 aus Deutschland
normiert. Die Normierungsstichproben hatten ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis
und eine ausreichend bis gute Übereinstimmung hinsichtlich Schichtzugehörigkeit und
Ortsgröße.
Zusammenfassung und kritische Bewertung
Zusammenfassung und kritische Bewertung
Der HAPT 4–6 ist der erste standardisierte, normierte und publizierte Handpräferenztest
für Kinder im deutschen Sprachraum. Dass neben dem Ausprägungsgrad der Handpräferenz
auch die Konstanz des Handeinsatzes in den getesteten Aktivitäten erfasst wird, ist
positiv hervorzuheben. So unterscheidet der Test die Kinder mit inkonstantem Handeinsatz
von den Kindern mit gemischter Händigkeit. Die Anleitungen für die Kinder sind in
eine Geschichte verpackt und damit motivierend gestaltet. Dass die Instruktionen von
einer CD abgespielt werden, ist für Ergotherapeuten etwas ungewohnt.
Abb. Nicht nur der Karton des HAPT ist bunt, sondern auch der Inhalt: Vom Reißverschluss
über Aufkleber bis hin zur Perlenkette gibt es viel zu entdecken.
(Foto: E. Schönthaler)
Trotz sehr guter Testgütekriterien reicht der HAPT 4–6 für eine umfassende Händigkeitsdiagnostik
nicht aus.
Die Items des HAPT 4–6 beinhalten unter 14 Aufgaben viermal das Aufnehmen eines Gegenstandes.
Studien haben gezeigt, dass diese vier Items genügend Trennschärfe haben. Es ist jedoch
fraglich, ob hier nicht redundante Informationen in das Ergebnis einfließen. Die dreimalige
Durchführung der Items lässt nicht zu, dass eine Hand bei einer Aktivität gleich oft
eingesetzt wird wie die andere. Über alle Aktivitäten hinweg ist ein gleichwertiger
Einsatz der Hände jedoch erkennbar, und dieser Wert fließt in die Berechnung des Lateralitätsquotienten
ein. Insgesamt enthält der Test wenige anspruchsvolle oder bimanuelle Aufgaben. Bei
bimanuellen Aufgaben kann die Therapeutin beobachten, welche Hand die Haltefunktion
übernimmt und welche die Aktionshand ist. Diese „Rollenverteilung“ ist für die Händigkeitsdiagnostik
oft sehr aufschlussreich.
Die Testgütekriterien des HAPT 4–6 wurden sorgfältig untersucht und erreichen sehr
gute Werte. Auch die getrennten Normtabellen nach Geschlecht und nach bevorzugter
Hand entsprechen dem Wissen über die unterschiedliche Lateralisierung von Rechtsund
Linkshändern. Der HAPT überprüft somit gut den Aspekt der Handpräferenz. Für eine
umfassende Händigkeitsdiagnostik bei Kindern mit unklarer Händigkeit ist der HAPT
alleine jedoch nicht ausreichend. Um festzustellen, welche Hand die bessere Leistung
erbringt, müssen weitere Verfahren hinzugezogen werden. Erst wenn Handpräferenz und
Handleistung überprüft wurden, liegt ein differenziertes Bild von beiden Aspekten
der Händigkeit vor.