Der Klinikarzt 2013; 42(07): 309
DOI: 10.1055/s-0033-1353741
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Fortgeschrittenes NSCLC – ErbB-Familie irreversibel blocken

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Publikationsdatum:
31. Juli 2013 (online)

 
 

Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) haben die Therapie des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) einen bedeutenden Schritt vorangebracht, berichtete Prof. Jürgen Wolf, Köln, in Hannover. Die zweite Generation der ErbB-Hemmer könnte diesen Erfolg weiter optimieren. Afatinib ist ein oral verfügbarer Tyrosinkinaseinhibitor der ErbB-Rezeptorfamilie, dessen hemmender Effekt durch die irreversible Bindung länger anhält als der von Tyrosinkinaseinhibitoren der ersten Generation. In vitro zeigte sich auch eine Wirksamkeit bei Tyrosinkinaseinhibitor-resistenzvermittelnden Mutationen, ergänzte Dr. Martin Sebastian, Frankfurt.

Effektivität und Toxizität von Afatinib vs. Pemetrexed/Cisplatin

Die Effektivität und Toxizität von Afatinib im Vergleich zu einer Therapie mit Pemetrexed/Cisplatin (PC) prüfte die Phase-III-Studie LUX Lung 3 [ 1 ] bei 345 chemotherapie-naiven Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge und EGFR-Mutation. Randomisiert erhielten sie entweder 40 mg Afatinib täglich oder PC i.v. in einer Dosis von 500 mg/m2 bzw. 75 mg/m2 in bis zu 6 dreiwöchigen Zyklen. Es zeigte sich eine klare Überlegenheit von Afatinib gegenüber PC im primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben (Median 11,1 vs. 6,9 Monate, Hazard Ratio 0,58; p = 0,0004). Auch das objektive Ansprechen war unter Afatinib signifikant besser (56 vs. 23 %; p < 0,0001). Für die Patienten wichtig war auch die rasche und anhaltende Symptomlinderung, insbesondere von Husten und Dyspnoe. Die therapiebedingten Nebenwirkungen entsprachen den von Tyrosinkinaseinhibitoren bekannten: Fast alle Patienten entwickelten eine meist leichte bis mäßig ausgeprägte und kontrollierbare Diarrhoe, 62 % auch Hautausschläge und 57 % Paronychien. Die nebenwirkungsabhängigen Therapieabbrüche waren im Afatinibarm dabei seltener als im PC-Arm (8 vs. 12 %).


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Nach Diagnose testen

Nach der Studienlage sei es unmöglich, Patienten mit einer EGFR-Mutation noch eine Chemotherapie anzubieten, weil etwas Besseres zur Verfügung stehe, meinte Prof. Christian Schumann aus Ulm. "Wir müssen möglichst frühzeitig wissen, ob der Tumor eine Mutation aufweist, weil wir die Therapie danach ausrichten müssen", betonte auch Prof. Karl-Matthias Deppermann, Erfurt. Deutsche und internationale Leitlinien empfehlen den Test auf EGFR-Mutationen bei allen Nicht-Plattenepithelkarzinomen der Lunge unabhängig vom Rauchstatus.

Friederike Klein, München

Quelle: Satellitensymposium "Optimale First line-Therapie erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit", 54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, am 21. März 2013 in Hannover. Veranstalter: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim am Rhein.


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  • Literatur

  • 1 Yang JCH et al. J Clin Oncol 2012; 30 (Suppl ASCO 2012): Abstr LBA7500

  • Literatur

  • 1 Yang JCH et al. J Clin Oncol 2012; 30 (Suppl ASCO 2012): Abstr LBA7500