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DOI: 10.1055/s-0031-1274133
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York
USA: Die Epidemie schreitet rasch voran – Entwickelt sich der prädiabetische Zustand zum Normalfall?
Publication History
Publication Date:
25 February 2011 (online)
Die CDC - Centers for Disease Control and Prevention - in den USA haben aktuell im "National Diabetes Fact Sheet 2011" neue Daten zur Epidemiologie des Diabetes in den Vereinigten Staaten vorgelegt und - kurz gesagt - diese sehen gar nicht gut aus. Die Entwicklung wird nach allen bekannten Daten auch in Deutschland in den nächsten Jahren ähnlich verlaufen.
Bezogen auf die gesamte Bevölkerung sind in den USA jetzt 8,3 % an Diabetes erkrankt, in der Altersgruppe über 20 Jahre sind es 11,3 %. Viel schlimmer ist aber, dass etwa 27 % der Erkrankten noch gar nicht wissen, dass sie Diabetes haben und dass mit 35 % nahezu jeder 3. über 20-Jährige Gefahr läuft, Diabetes zu entwickeln, sich also in einem prädiabetischen Zustand befindet. In nackten Zahlen bedeutet dies, dass es in den USA derzeit ungefähr 26 Millionen manifeste Diabetiker und geschätzte 79 Millionen Menschen mit Prädiabetes gibt.
Ungefähr 215 000 unter 20-Jährige haben Diabetes, meist vom Typ 1 und bei geschätzten 1,9 Millionen Menschen wurde der Diabetes 2010 erstmals diagnostiziert. Dramatisch ist die Situation bei den über 65-Jährigen: In dieser Altersgruppe ist jeder 2. im prädiabetischen Zustand und 27 % haben bereits eine diabetische Erkrankung entwickelt.
"Diese Besorgnis erregenden Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig es ist, die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zu verhindern und denjenigen zu helfen, die bereits einen Diabetes entwickelt haben, damit die Erkrankung nicht fortschreitet und schwerwiegende Komplikationen wie Nierenversagen und Erblindung zur Folge hat", erklärte Ann Albright von den CDCs. "Wir wissen, dass ein strukturiertes Programm zur Änderung des Lebensstils, das sowohl Maßnahmen zur Gewichtsreduktion als auch die Motivation zu mehr Bewegung beinhaltet, die Entwicklung vom Prädiabetes zum Diabetes verhindern oder zumindest verzögern kann" so die Expertin.
Noch 2008 schätzte man bei den CDC die Zahl der von Diabetes betroffenen US-Bürger auf 23,6 Millionen (7,8 % der Bevölkerung) und die Zahl der erwachsenen Menschen mit Prädiabetes auf weitere 57 Millionen. Für den dramatischen Anstieg gibt es nach Ansicht der CDC mehrere Gründe:
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Generell entwickeln mehr Menschen Diabetes.
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Viele Menschen leben länger mit ihrer diabetischen Erkrankung und dies hebt die absolute Zahl der Betroffenen ebenfalls an.
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Außerdem wirkt sich ein besseres Krankheitsmanagement positiv auf kardiovaskuläre Risikofaktoren aus und reduziert Komplikationen wie Nierenversagen und Amputationen.
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Auch ein Wechsel in der Statistik treibt die Zahlen nach oben. Seit einiger Zeit wird der HbA1c als diagnostischer Test eingesetzt und wurde deshalb erstmals auch für die Kalkulation der nationalen Prävalenzzahlen verwendet. Deshalb, so die CDC, seien die Zahlen in den aktuellen Datenblättern nur bedingt vergleichbar mit den früheren.
Dennoch - in einer 2010 veröffentlichten Studie prognostizierten die CDC, dass bei Anhalten des derzeitigen Trends im Jahr 2050 jeder 3. Erwachsene in den USA an Diabetes erkrankt sein könnte.
Günther Buck
Quelle: Meldung der Centers for Disease Control/CDC), 13. Januar 2011. http://www.cdc.gov/media/releases/2011/p0126_diabetes.html
