Der Klinikarzt 2011; 40(1): 51
DOI: 10.1055/s-0031-1271927
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Frühkarzinom und Adipositas – Innovative Verfahren ersparen chirurgische OP

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Publication Date:
24 January 2011 (online)

 
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"Tumorchirurgie ist in der Regel mit einer kompletten oder partiellen Resektion des betroffenen Organs und umgebender Lymphknoten verbunden", erklärte PD Siegbert Faiss, Hamburg. Auf einer Pressekonferenz stellte er nun eine neue minimal-invasive Technik vor, mit der das Organ erhalten wird: Die endoskopische Submukosa-Dissektion (ESD) - mit der oberflächliche, gut differenzierte Tumoren vor allem der Speiseröhre, des Magens und Dickdarms kurativ entfernt werden können. Für die sogenannte En-bloc-R0-Resektion markiert und umschneidet der Endoskopiker zunächst den Befund und disseziert dann submukosal. Der Pathologe beurteilt anschließend das geborgene Komplettresektat (Abb. [1]). Vorteile der Methode: Das Organ bleibt erhalten und mögliche Kurz- und Langzeitfolgen eines Organverlusts werden vermieden; der Patient ist nach dem Eingriff schmerzfrei, Rekonvaleszenzphase und Klinikaufenthalt werden verkürzt.

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Abb. 1 Gewonnenes 6 x 4 cm großes Präparat für die Pathologie.

Minimal-invasive Technik kann Organ erhalten

Ein vorgestellter Patient berichtete als weiteren Vorteil "das Gefühl der körperlichen Unversehrtheit". Bei ihm war nach jahrelangem Sodbrennen eine Barrett-Schleimhaut diagnostiziert worden. Die Präkanzerose der Schleimhaut zwischen Ösophagus und Magen erfordert normalerweise eine maximale Operation mit Ösophagektomie - bei dem Patienten konnte das Frühkarzinom minimal invasiv per ESD entfernt werden. Die Pathologie ergab eine vollständige Abtragung. Nach 1 œ-stündiger Operation und 5-tägigem Klinikaufenthalt konnte er ohne Probleme entlassen werden. Die ESD ist in spezialisierten Zentren inzwischen eine etablierte Methode. Erste 5-Jahres-Daten bezeichnete Faiss als viel versprechend.

Kunststoffschlauch kleidet Darm aus

Eine neues endoskopisches Verfahren zur Behandlung krankhafter Adipositas befindet sich noch in der klinischen Erprobung. "Die Duodenal-Sleeve-Methode beruht auf einem ähnlichen Prinzip wie der Magen-Bypass, erspart adipösen Menschen aber eine chirurgische Operation", sagte Prof. Thomas Rösch, Hamburg. Dabei wird ein Kunststoffschlauch (Duodenal Sleeve) im oberen Duodenum mittels eines maschendrahtartigen Stents fixiert und anschließend etwa 60 cm nach distal ausgerollt. Die Dauer der Intervention gab Rösch mit etwa 30 Minuten an. Der Schlauch kleidet den Darmabschnitt komplett aus, sodass die Nahrung diesen ohne Kontakt zur Darmschleimhaut passiert. In der Folge werde nicht nur die Nahrungsaufnahme in dem ausgekleideten Abschnitt verhindert, sondern die körpereigene Hormonausschüttung verändert und die diabetische Stoffwechsellage gebessert, so Rösch. Denkbar sei daher auch der Einsatz bei normalgewichtigen Diabetikern. Vier randomisierte, sham-kontrollierte Studien mit 136 Patienten überblicken aktuell 3 Monate mit einer Reduktion des Übergewichts um 10-20 %. Zugelassen ist der Schlauch, der jederzeit wieder entfernt werden kann, für eine Einsatzdauer von 12 Monaten.

Michael Koczorek, Bremen

Quelle: Fachpressekonferenz zum Endo Club Nord Fortbildungskongress am 04. November 2010 in Hamburg. Veranstalter: Endo Club Nord und Olympus Deutschland GmbH

 
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Abb. 1 Gewonnenes 6 x 4 cm großes Präparat für die Pathologie.