Flug u Reisemed 2010; 17(3): 139
DOI: 10.1055/s-0030-1261721
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Reisemedizin in der niedergelassenen Praxis – Das Manual Reisemedizin praktisch

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Publication Date:
15 June 2010 (online)

 
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In einer Zeit der Globalisierung und des Massentourismus gewinnt die Reisemedizin zunehmend an Bedeutung. Jedes Jahr reisen über 46 Millionen Bundesbürger ins Ausland, davon über die Hälfte in Regionen mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko.

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Die Reisemedizin hat sich zu einem wichtigen ärztlichen Tätigkeitsfeld entwickelt

Einerseits fordert die mit der wirtschaftlichen Globalisierung verbundene internationale Ausrichtung deutscher Unternehmen immer mehr Mobilität und damit vermehrt Aufenthalte in gesundheitsgefährdenden Gebieten. Andererseits führt die Globalisierung zu einem höheren sozialen und kulturellen Interesse der jungen Generation an Ländern in Übersee mit der Bereitschaft zum Engagement. In zahlreichen Organisationen, gefördert durch das Programm "Weltwärts" des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung, setzen sich immer mehr junge Erwachsene nach Schule oder Ausbildung in Projekten im Rahmen von Freiwilligendiensten ein.

Hinzu kommt die Reisefreudigkeit der Bundesbürger. Nach Untersuchungen der Forschungsgemeinschaft für Urlaub und Reisen e. V. in Kiel beruht das Wachstum der Reisebranche in den letzten Jahren vor allem auf der Reisefreudigkeit der "Best Ager". Somit steuern immer mehr Reisende mit medizinischen Risiken, privat oder beruflich, Fernreiseziele an und setzen sich erhöhten gesundheitlichen Gefährdungen aus.

Die Reisemedizin hat sich folglich in den letzten Jahren zu einem wichtigen ärztlichen Tätigkeitsfeld entwickelt. Niedergelassene Kollegen werden nicht nur mit Fragen der Reisenden nach der erforderlichen Vorsorge, sondern auch mit Erkrankungen bei Rückkehrern konfrontiert.

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Praktische Tipps für die Sprechstunde

Im Rahmen meiner Vorstandstätigkeit habe ich mich daher in den letzten Jahren verstärkt mit der reisemedizinischen Tätigkeit in der Praxis beschäftigt. Für die niedergelassenen Kollegen ist die Reisemedizin nicht nur eine Qualifikation, die sie sich im Rahmen einer berufsbegleitenden Fortbildung aneignen müssen. Reisemedizinische Konsultationen müssen oft kurzfristig in den Sprechstundenablauf integriert werden, sind häufig zeitintensiv und betreffen Fragestellungen, die nicht dem Praxisalltag entsprechen und daher eher Fehlerquellen bergen als die üblichen Routineabläufe. Manchen Kollegen fällt es schwer, ihr reisemedizinisches Angebot den Reisenden bewusst zu machen. Die Gründung eines Qualitätszirkels zu reisemedizinischen Fragen ist eine zusätzliche zeitliche und logistische Hürde.

In einem Arbeitskreis, dem die Kollegin Ute Lambertz sowie die Kollegen Ulrich Klinsing, Günter Schmolz, Bernhard Wallacher und Peter Zabel angehören, haben wir daher das Manual "Reisemedizin praktisch" erarbeitet. Dieses Manual hat nicht die Intention, ähnlich einem Lehrbuch reisemedizinische Inhalte zu vermitteln. Das Manual befasst sich mit der praktischen Realisierung der Reisemedizin in der Sprechstunde des niedergelassenen Arztes und enthält zahlreiche Tipps, Checklisten, Kopiervorlagen, Internet- und Literaturhinweise. Es kann seit Ende Mai 2010 bei der Geschäftsstelle des Fachverbands bezogen werden. An dieser Stelle möchte ich den Mitgliedern des Arbeitskreises ganz herzlich für ihr Engagement und die erfolgreiche Zusammenarbeit danken.

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Beteiligen Sie sich mit Kasuistiken an der Jahrestagung

Ein wichtiges Anliegen im Rahmen meiner Vorstandstätigkeit ist mir die Fortbildung in der Reisemedizin. Moderne Fortbildungskonzepte, so auch Kasuistiken, greifen praxisnah und interaktiv aktuelle Themen auf und bieten Gelegenheit zum interkollegialen Austausch. Seit einigen Jahren hat sich daher die Diskussion von Kasuistiken aus der reisemedizinischen Praxis im Programm der Jahrestagung etabliert. Für die nächste Jahrestagung möchte ich Sie erneut bitten, interessante Fallbeispiele aus Ihrer Praxis mitzubringen, die Sie gerne selbst vorstellen oder - wenn Sie dies vorziehen - mir einige Tage vor der Tagung zur Vorstellung zusenden können.

Dr. Rosemarie Mazzola, Freiburg

 
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