ZWR 2009; 118(11): 593-594
DOI: 10.1055/s-0029-1242905
Colloquium

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Adhäsiver Wurzelkanal-Sealer mit hoher Haftkraft - Wurzelkanalfüllung - Quo vadis?

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Prof. Joachim E. Klee

DENTSPLY DeTrey GmbH

De-Trey-Straße 1

78467 Konstanz

Email: joachim.klee@dentsply.de

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Publication Date:
26 November 2009 (online)

 
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    Quelle: Thieme Verlagsgruppe

    Die Geschichte der Endodontie beginnt - wenn man von einzelnen Ereignissen absieht - im 18. Jahrhundert mit dem Buch "Le Chirurgien Dentiste" von Pierre Fauchard (1678-1761) aus dem Jahre 1728 [1]. In den letzten 200 Jahren sind mehr als 500 Wurzelkanalfüllungsmaterialien und über 100 Füllungstechniken beschrieben worden [2]. Bereits 1879 schreibt Witzel: "In der Zahnheilkunde gibt es wohl keine zweite Operation, welche im Laufe der Zeit so viele Wandlungen durchgemacht hätte als die Wurzelkanalfüllung" [3]. Interessante Versuche, Wurzelkanäle nach der Pulpaexstirpation einfach leer zu lassen und nur das Pulpakavum bakteriendicht zu verschließen, gehen auf Anfang der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurück [4]. Gall [5] fand bei 70 % der so behandelten Wurzelkanäle histologisch einwandfreie Verhältnisse im Periapex. Dennoch wurde in den folgenden Jahrzehnten nicht auf Wurzelkanalfüllungen verzichtet; vielmehr sind vielfältige Materialien für eine entsprechende Versorgung entwickelt worden (Tab. [1] ).

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    Tab. 1 Wurzelkanalfüllungsmaterialien

    In zahlreichen Dichtigkeitsuntersuchungen wurde gezeigt, dass vor allem mit den älteren Wurzelkanalfüllungsmaterialien nicht immer eine vollständige hermetische Abdichtung erreicht werden kann. Daher sind auch Produkte wie N2 und Endomethasone auf den Markt gebracht worden, die mit Zusätzen von Medikamenten bzw. Kortikosteroiden aktiv zur Bakterienbekämpfung beitragen sollen. Dementsprechend wird für Endomethasone eine starke Reduktion der Wachstumsrate von T-Zellen gefunden [6]. Allerdings weisen gerade diese Produkte weitere Nachteile auf, wie hohe Löslichkeit (N2: 1,43 %), eine Expansion, die außerhalb der gültigen ISO-Norm 6876:2001 liegt (Endomethasone: 0,331 %) und eine außerordentlich geringe Röntgensichtbarkeit (Endomethasone: 3,4 mm/mm Al). Ferner wurde festgestellt, dass die Fließfähigkeit von Endomethasone nicht den normativen Vorgaben entspricht [7]. Außerdem scheint Endomethasone eine geringere apikale Dichtigkeit als andere Materialien zu haben [8].

    Bleibt die Frage zu erörtern, auf welchem Weg dichtere Wurzelkanalfüllungen zu erzielen sind. Seit einigen Jahren werden hierfür adhäsive Wurzelkanalfüllungen in die Diskussion gebracht. Erste Versuche mit adhäsiven Materialien reichen bereits bis Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück [9] und stellen einen Paradigmenwechsel in der Endodontie dar [10]. Tatsächlich scheint es einzelne Hinweise zu geben, dass die Verwendung adhäsiver Materialien die Dichtigkeit von Wurzelkanalfüllungen erhöhen könnte [12, 13].

    Bereits Mitte der 80er-Jahre gab es erste Versuche, Dentinadhäsive als Wurzelkanal-Sealer zu verwenden [14, 15]. Erste systematische Untersuchungen von Wennberg und Orstavik zur Adhäsion von verschiedenen Sealern zeigten, dass deren Adhäsion auf einem sehr niedrigen Niveau von 0,02 MPa (Sealapex) bis 2,38 MPa (AH 26) liegt [16]. Eine weitere Erhöhung der Haftfähigkeit von AH 26 wurde durch Vorbehandlung der Dentinoberfläche mit EDTA, mit Säure oder mit einem Adhäsiv erreicht [17].

    Damit keine Bakterien aus dem oralen Milieu in den Wurzelkanal eindringen und sich in das Periapikalgewebe ausbreiten können, muss der Wurzelkanalzement eine gute Adaptation und Adhäsion an Kanalwänden und Füllstiften aufweisen [18]. Daher stellt eine Adhäsion vom Sealer zu beiden Materialseiten - nämlich zum Dentin und zum Wurzelkanalfüllstift - einen Hinweis auf diese Dichtigkeit dar. Lee fand für AH 26 eine Scherhaftkraft zu Dentin von 2,06 ± 0,53 MPa und zu Guttapercha von 2,93 ± 0,29 MPa [19]. In Push-out-Tests wurde eine Adhäsion der Systeme AH 26/Guttapercha von 1,70 ± 0,71 MPa und bei Epiphany/Resilon von 0,51 ± 0,30 MPa [20] bzw. von 0,32 ± 0,28 MPa [21] gemessen. AH Plus/Guttapercha kommt in dieser Untersuchung [21] auf einen Wert von 2,00 ± 0,65 MPa, während für EndoREZ 0,09 ± 0,07 gefunden wurde.

    Kürzlich wurde die Haftung diverser Sealer an Dentin und Wurzelkanalfüllstiften unter verschiedenen Bedingungen geprüft. In Push-out-Tests betrug die Verbundfestigkeit auf Dentin bei AH Plus 6,6 ± 2,0 MPa und bei Epiphany 3,4 ± 0,4 MPa [18].

    Verschiedene Untersuchungen zur Scherverbundfestigkeit von AH Plus kommen jeweils nach Anwendung von EDTA immer zu Werten von > 6 MPa (6,24 ± 1,43 MPa [22], 8,69 ± 2,44 MPa [23] und 6,09 ± 1,33 MPa [24]). Damit ist die Adhäsion von AH Plus deutlich besser als die von Epiphany; in einer anderen Messung statistisch nicht signifikant unterschiedlich (Abb. [1]).

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    Abb. 1 Scherhaftfestigkeit und Push-out-Haftkraft von AH Plus und Epiphany nach Spülung des Wurzelkanals mit EDTA-Lösung.

    Aus den verschiedenen Untersuchungen wird deutlich, dass AH Plus zu Dentin eine Adhäsion von > 6 MPa und auch zu Guttapercha noch eine merkliche Adhäsion aufweist. Es kann festgehalten werden, dass AH Plus der 1. adhäsive Wurzelkanalzement ist, der sich ohne die traditionelle Adhäsivtechnik anwenden lässt.

    Literatur beim Verfasser

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    Quelle: Thieme Verlagsgruppe

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    Tab. 1 Wurzelkanalfüllungsmaterialien

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    Abb. 1 Scherhaftfestigkeit und Push-out-Haftkraft von AH Plus und Epiphany nach Spülung des Wurzelkanals mit EDTA-Lösung.