Notfallmedizin up2date 2009; 4(4): 345-364
DOI: 10.1055/s-0029-1240584
Forschungsergebnisse für die Praxis

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Aktuelle Ergebnisse notfallmedizinischer Forschung

Fabian Spöhr, Michael Bernhard, Jürgen Meixensberger, Dominique Singer, Holger Thiele, Bernd W. Böttiger
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Publication Date:
18 December 2009 (online)

Kernaussagen

  • Beim akuten Koronarsyndrom ist es besonders wichtig, die Patienten entsprechend ihrem EKG-Befund (ST-Hebung/keine ST-Hebung) in die jeweils optimale Zielklinik einzuliefern. Im Unterschied zu Patienten mit akutem Koronarsyndrom und ST-Strecken-Hebung profitieren Patienten ohne ST-Strecken-Hebung nur dann von einer Klinik mit Katheterzentrum, wenn sie ein Hochrisikoprofil aufweisen.

  • Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma profitieren wahrscheinlich von der Verlegung in ein größeres Zentrum und kontinuierlicher Messung der intrakraniellen Drucks.

    Im initialen Computertomogramm des Schädels (CCT) diagnostizierte intrakranielle Hämatome expandieren häufig innerhalb der ersten 24 Stunden. Eine Wiederholung der initialen CCT-Untersuchungen innerhalb der ersten 4–8 Stunden nach Klinikaufnahme ist deshalb sinnvoll.

    Die Therapie des Schädelhirntraumas mit Cyclosporin A ist eine neue Therapieoption, die möglicherweise die zerebrale Hämodynamik und den zerebralen Metabolismus verbessert.

    Zur Vermeidung des zerebralen Vasospasmus nach Subarachnoidalblutung ist orales Nimodipin gleich wirksam wie intravenös verabreichtes Nimodipin.

  • Im Bereich der perinatologischen Notfallmedizin sollte eine drohende Frühgeburt möglichst frühzeitig und effektiv verhindert werden, da ehemalige Frühgeborene häufig lebenslang kognitive und psychosoziale Probleme haben. Die antibiotische Therapie hat dabei nur einen fraglichen Effekt auf das Langzeitergebnis der Frühgeborenen, während Magnesium weiterhin eine wichtige Rolle für die Neuroprotektion des Fetus spielt.

    Die RSV-(Respiratory-Syncytial-Virus-)Infektion im Kindesalter sollte frühzeitig erkannt und therapiert werden, da sie mit einer erheblichen Morbidität assoziiert ist. Kortikoide spielen bei der Therapie der RSV-Infektion keine Rolle.

  • Auch polytraumatisierte Patienten profitieren vom direkten Transport in ein spezialisiertes Zentrum.

    Obligater Bestandteil der frühen innerklinischen Versorgung dieser Patienten sollte die Ganzkörpercomputertomografie sein, da sie die Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert.

    Ebenso wichtig in der frühen Versorgung polytraumatisierter Patienten ist die erhöhte Vigilanz bezüglich Blutungen und Schädelhirntraumen, da diese Komplikationen entscheidend für die Frühletalität sind.

    Das bekannte Problem der präklinischen Fehlintubation tritt im amerikanischen, mit „Paramedics“ besetzten Rettungssystem häufiger auf als in Notarztsystemen.

    Etomidat sollte als Hypnotikum präklinisch nur zurückhaltend eingesetzt werden, da Patienten, die Etomidat erhielten, im klinischen Verlauf häufiger Organversagen und Nebenniereninsuffizienzen zeigen.

  • Das korrekte Erkennen eines Herz-Kreislauf-Stillstands bereits beim Eingehen des Notrufs in der Leitstelle kann das Ergebnis der kardiopulmonalen Reanimation verbessern.

    Beim Versuch, die Prognose von Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand zu verbessern, zeigte die Thrombolyse in einer der größten randomisierten Studien der Notfallmedizin keinen generellen Benefit gegenüber der Standardtherapie. Die Anwendung der Thrombolyse während kardiopulmonaler Reanimation bleibt damit eine Einzelfallentscheidung und sollte Patienten, bei denen der hochgradige Verdacht einer Lungenembolie als Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands bereits präklinisch besteht, nicht vorenthalten werden.

    Die Änderung der Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation von 2005 hat die Effektivität der Herzdruckmassage verbessert.

    Das Verabreichen kalter Infusionslösungen bereits präklinisch nach erfolgreicher kardiopulmonaler Reanimation ist eine einfache und effektive Maßnahme zur Induktion der milden therapeutischen Hypothermie.

Literatur

PD Dr. med. Fabian Spöhr Bereichsleitender Oberarzt

Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin
Uniklinik Köln

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