Flug u Reisemed 2009; 16(2): 60
DOI: 10.1055/s-0029-1225451
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Neuer diagnostischer Ansatz bei Schistosomiasis - Nachweis von zellfreier parasitärer DNS in humanem Plasma

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Publication Date:
10 June 2009 (online)

 
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Wichmann D, Panning M, Quack T et al. Diagnosing schistosomiasis by detection of cell-free parasite DNA in human plasma. PLoS Negl Trop Dis 2009; 3: e422

Thema: Die Schistosomiasis (Bilharziose) ist nach der Malaria die parasitäre Erkrankung mit der größten sozioökonomischen Bedeutung. Wir hatten bereits in der vorletzten Ausgabe der FTR (2008; 15 (4): 169) über die Bedeutung dieser Erkrankung bei Reiserückkehrern berichtet und haben inzwischen von einem kleineren Ausbruch in einer Reisegruppe erfahren: Der betreffende Veranstalter organisiert für Gruppen einen Campingaufenthalt auf der Insel Nsdasi im Viktoriasee.

Offenbar wird nicht nur auf Anfrage beim Veranstalter die Gefahr einer Infektion heruntergespielt und als Hysterie abgetan, die Reiseteilnehmer müssen beim Übersetzen auf die Insel auch vom Boot aus an Land waten. Bei unserer Patientin fanden wir zwar etwa 3 Monate post expositionem keine Eier, aber einen hohen, signifikanten Antikörpertiter. Sie berichtete von 4 weiteren Erkrankten und war selbst auch nur zu uns gekommen, weil sie von anderen erkrankten Mitreisenden gehört hatte.

Klassischerweise wird die Diagnose durch den mikroskopischen Nachweis von Eiern in Urin, Stuhl oder Biopsiematerial aus der Harnblase oder dem Rektum gestellt. Die Sensitivität dieser Methoden ist in großem Maße von der fluktuierenden Eiausscheidung und der Erfahrung des Untersuchers abhängig. Serologische Tests wiederum unterscheiden nicht zwischen einer aktiven und einer behandelten Erkrankung und können bei Patienten aus Endemiegebieten negativ ausfallen. Des Weiteren können bei Patienten mit einem Katayamasyndrom beide Tests falsch negativ ausfallen.

Projekt: Wie seit mehr als 20 Jahren bekannt ist, zirkuliert bei Krebspatienten nachweislich zellfreie tumorstämmige DNS (Desoxyribonukleinsäure) im Plasma. Um oben genannte Schwierigkeiten zu umgehen, wählten Wichmann et al. in ihrer vor Kurzem publizierten Arbeit einen neuen diagnostischen Ansatz: den Nachweis zellfreier parasitärer DNS im Patientenplasma. Die Autoren entwickelten eine Realtime-PCR (PCR: "polymerase chain reaction") mit interner Kontrolle zum Nachweis von zellfreier parasitärer DNS (CFPD = "cell-free parasite DNA") im Patientenplasma. Die Methode wurde in einem Mausmodell für Schistosomiasis sowie bei Patienten in verschiedenen Krankheitsphasen vor und nach der Therapie evaluiert.

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Ergebnisse: In Proben (n = 14) von chronisch infizierten Patienten (positiver Einachweis in Stuhl oder Urin) wiesen die Forscher in 100 % der Fälle CFPD mittels Realtime-PCR nach. Bei Patienten mit Katayamasyndrom (n = 8), was nachträglich durch Serokonversion oder Einachweis im Verlauf bestätigt wurde, gelang ebenfalls in allen Fällen der Nachweis von CFPD. Bei Patienten, die in der Vergangenheit (6-60 Monate) wegen einer Schistosomiasis behandelt worden waren, war die Nachweisrate mit 33 % signifikant niedriger und sie hatten zeitabhängig niedrigere CFPD-Konzentrationen im Blut. Im Schnitt vergingen 12 Monate bis zum 1. negativen PCR-Test.

Fazit: Die PCR zum Nachweis zellfreier parasitärer DNS in humanem Plasma ist ein neues Diagnostikverfahren in allen Krankheitsstadien der Schistosomiasis. Besonders die Möglichkeiten, ein Katayamasyndrom in der Frühphase der Erkrankung sowie eine aktive Erkrankung zuverlässig nachweisen zu können, heben dieses Verfahren von den gängigen Methoden ab. Studien zur Bestätigung der Methodik, insbesondere bei Fragen der Wertigkeit im Rahmen der Therapiekontrolle, sind aber noch notwendig.

Dr. Hinrich Sudeck, Hamburg

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Kommentar

Mit dieser Methodik scheint nun erstmals eine zuverlässige und anwenderfreundliche Diagnostik für den Nachweis einer Schistosomiasis zur Verfügung zu stehen. Allerdings steht eine breitere Anwendung noch aus und Cut-offs für die Unterscheidung zwischen behandlungsbedürftiger und nicht mehr aktiver Infektion müssen noch besser definiert werden. Die bisher publizierten PCR-Techniken beziehen sich alle auf Stuhl und hatten nur eine wenig bessere Sensitivität als die Mikroskopie nach Kato Katz, die ja gerade bei langzeitinfizierten Patienten aus Endemiegebieten sehr unzuverlässig ist. Es wäre daher ein großer Fortschritt, wenn die von Wichmann et al. entwickelte Methodik schnell ein breite Erprobung und Verbreitung findet.

Dr. Hinrich Sudeck, Hamburg

 
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