Z Orthop Unfall 2008; 146(6): 700
DOI: 10.1055/s-0028-1119757
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Knieendoprothesenversorgung - Quantifizierung der Gelenkfunktion

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Publication Date:
17 December 2008 (online)

 
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Der Anspruch an die Funktionalität einer Kniegelenksendoprothese wird bei immer jünger werdendem Patientenklientel und einer zunehmenden Aktivität im Alter stets größer. Neben der mittleren Überlebenszeit eingebrachter Prothesen dienen diverse Fragebögen der Beurteilung der Kniegelenksfunktion. Ziel dieser Arbeit war es, diese Fragebögen mit leistungsbasierten Untersuchungen, wie der isometrischen Maximalkraft oder einer Aufstehbewegung zu vergleichen und nach Selektivität und inhaltlicher Validität zu bewerten. How to quantify knee function after total knee arthroplasty? The Knee 2008; 15: 390 - 395

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Studiendesign

In dieser experimentellen Studie wurde eine Gruppe 28 knieprothesenimplantierter Patienten mit einer Kontrollgruppe mittels patientenorientiertem Fragebogen (WOMAC, Knee Society Score) sowie Leistungstests durchschnittlich 16 Monate postoperativ untersucht. Es kamen zwei unterschiedliche Typen Totalendoprothesen zum Einsatz. Die Größe der Kontrollgruppe betrug 31 und stimmte in Geschlecht, Alter und BMI überein.

Neben der Beantwortung oben genannter Fragebögen wurden die Patienten praktischen Tests unterzogen, unterteilt in eine Aufstehbewegung, der maximalen isometrischen Kontraktion von Kniestreckern und -beugern sowie der Zeit, die benötigt wurde, um aus einem Stuhl aufzustehen, eine definierte Strecke zu gehen und sich wieder zu setzen (timed-up-and-go, Abb. [1]).

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Abb. 1 Chair-rising-Test und Timed-up-and-go-Test (Bildquelle: Roth A, Abendroth K. Osteoporose. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2007; 3: 223 – 243).

Alle Parameter wurden hinsichtlich einer möglichst großen Selektivität, also der Unterscheidung zwischen Prothesenpatienten und Kontrollgruppe betrachtet. Das zweite, wichtige Kriterium war die funktionelle, inhaltliche Validität - in wie weit die Tests abhängig von Schmerzempfindungen sind und somit funktionelle Aussagekraft besitzen. Diesbezüglich erfolgte eine Messung mittels Visueller Analoger Schmerzskala.

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Ergebnisse

Die Fragebögen zur Kniegelenksfunktion (WOMAC-Score, Knee Society Score) ergaben signifikant niedrigere Werte bei der Gruppe der Prothesenpatienten, die Selektivität ließ sich somit bestätigen. Es ließ sich jedoch kein Zusammenhang zu den Ergebnissen einer Visuellen Analogen Schmerzskala erheben, so dass die funktionelle Gültigkeit der Fragebögen zumindest in Frage zu stellen ist.

Das standardisierte Aufstehen aus dem Sitzen erbrachte einen signifikanten Unterschied zur Vergleichsgruppe (längere Zeit bis zum Stand, langsamere Kniebewegung) , ebenso wie die timed-up-and-go-Zeit. Beide zeigten hinsichtlich der Visuellen Analogen Schmerzskala eine positive Korrelation und eignen sich somit zur klinischen Nachuntersuchung. Keine Unterschiede wurden bei der Erhebung der isometrischen Maximalkraft zwischen den Probanden und der Kontrollgruppe gefunden.

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Kommentar

Der Ansatz dieser experimentellen Studie, das postoperative outcome hinsichtlich der Funktionalität und der Aussagekraft verschiedener Testmethoden zu bewerten, ist vor der Tatsache immer steigender Zahlen von Knieendoprothesen und einer Zunahme der Patientenaktivität im Alter sehr interessant. So konnte gezeigt werden, dass die vorhandenen Fragebögen durch eine unzureichende Korrelation zu bestehenden Schmerzen nicht in vollem Maße Auskunft über das funktionelle Outcome geben. Verschiedene praktische Testverfahren, die in der Studie getestet wurden, scheinen in ihrer Aussagekraft den patientenorientierten Fragebögen überlegen zu sein und werden sich in Zukunft klinischen Studien unterziehen müssen um vollends akzeptiert zu werden. In Folgestudien sollte auf eine Erhebung präoperativer Daten zum Ausschluss individueller Fehler sowie eine Konzentration auf einen Prothesentyp geachtet werden.

Phillip Klages

Phillip Klages

Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover

 
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Abb. 1 Chair-rising-Test und Timed-up-and-go-Test (Bildquelle: Roth A, Abendroth K. Osteoporose. Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2007; 3: 223 – 243).