Handchir Mikrochir Plast Chir
DOI: 10.1055/a-2778-4963
Technische Neuerung

Präzise Korrekturosteotomie einer in Fehlstellung verheilten Kahnbeinfraktur mit computergestützter Planung

Precise corrective osteotomy for scaphoid malunion using computer-assisted planning

Authors

  • Marc Wieckenberg

    1   Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Cottbus, Germany
  • Jan Henkel

    2   Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH, Göttingen, Germany
  • Andreas Stettinger

    3   Clinical Engineer, Medartis AG, Basel, Switzerland
  • Konrad Mader

    4   Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Sektion Ellenbogen-, Unterarm- und Handgelenkstraumatologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

Einleitung

Scaphoid-Frakturen gehören mit bis zu 90% zu den häufigsten Frakturen an der Handwurzel [1]. Neben der Vermeidung einer Pseudarthrose mit den entsprechenden Folgen (karpaler Kollaps) spielt auch die Ausheilung der Fraktur in einer idealen (anatomischen) Stellung eine wichtige Rolle zur Verhinderung von Folgeschäden und präarthrotischen Pathologien. Die Fehlstellung nach verheilter Kahnbeinfraktur ist insgesamt selten. Sie kann jedoch ursächlich für Bewegungseinschränkungen, Steifigkeit und Belastungsschmerzen am Handgelenk sein und stellt möglicherweise eine Präarthrose dar [2]. Es bleibt strittig, ob ein operatives Vorgehen im Sinne einer Korrekturoperation aufgrund der damit verbundenen Risiken (Pseudarthrose nach Osteotomie, Knochennekrosen etc.) ein besseres Ergebnis erzielt als ein rein konservatives Vorgehen [3]. Obwohl viele Fragen zur Behandlung einer in Fehlstellung verheilten Fraktur des Kahnbeins in der Literatur noch nicht eindeutig geklärt sind, lässt sich dennoch feststellen, dass bei einer operativen Intervention die Genauigkeit der Korrekturosteotomie und hierbei vor allem die Aufrichtung einer Humpback-Deformität von entscheidender Bedeutung für das funktionelle Ergebnis ist.

Zur Verbesserung der Präzision von operativen Eingriffen haben in den letzten Jahrzehnten zunehmend digitale präoperative Planungen und 3D-Druckverfahren mit patienten-spezifischen Instrumenten und Implantaten in der Medizin Einzug gehalten. Derartige Verfahren sind auch bereits umfangreich und mit guten Ergebnissen bei Korrekturosteotomien des distalen Radiusendes zur Anwendung gekommen und publiziert worden [4].

Um die Technik erfolgreich auf Korrekturosteotomien am Kahnbein übertragen zu können, müssen spezifische Eigenschaften berücksichtigt werden: Es müssen die geringe Größe sowie die Form des Scaphoids selbst, aber auch die räumliche Enge und unmittelbare Nähe zu den angrenzenden Handwurzelknochen in der Planung sowohl des Instrumentendesigns als auch des Eingriffs berücksichtigt werden. Dadurch wird die Komplexität derartiger Operationen und damit auch die Anfälligkeit für Fehler weiter erhöht. Hierzu finden sich dementsprechend in der Literatur im Bereich des Scaphoids bisher vorrangig Publikationen mit Fallbeschreibungen, vor allem bei Pseudarthrosen [5] [6]. Lediglich der Artikel von Wirth et al. aus dem Jahr 2025 berichtet über die Ergebnisse einer umfangreicheren Fallserie von 39 Patienten mit primärer Scaphoidpseudarthrose oder Heilung in Fehlstellung ohne vorherige Intervention sowie weiteren 15 Patienten mit vorheriger operativer Intervention [7]. Allerdings differenzieren die Autoren in ihrem Artikel im Weiteren nicht explizit zwischen Scaphoidpseudarthrosen und in Fehlstellung verheilten Scaphoidfrakturen. Dadurch ist nicht nachvollziehbar, bei wie vielen der 54 behandelten Patienten eine in Fehlstellung knöchern konsolidierte Kahnbeinfraktur vorlag.

Anhand der vorliegenden Falldarstellung wird der gesamte Prozess einer Korrekturoperation bei einem Patienten mit einer symptomatischen Humpback-Deformität bei in Fehlstellung verheilter Fraktur des Kahnbeins demonstriert. Dabei wird nicht nur die umfangreiche präoperative Planung, sondern auch der Nachweis der Umsetzbarkeit dieser Technik anhand des intraoperativen Bildmaterials dargelegt. Darüber hinaus erfolgt die Analyse der Korrekturgenauigkeit in Bezug auf die präoperative Planung.

Geteilte Erstautorenschaft




Publication History

Received: 03 April 2025

Accepted: 10 November 2025

Article published online:
25 February 2026

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