Rehabilitation (Stuttg) 2026; 65(01): 7
DOI: 10.1055/a-2777-1880
Aktuelles

Aktion Mensch: Teilhabe am Arbeitsmarkt erneut verschlechtert

Die Aktion Mensch sieht die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung im Arbeitsmarkt in einer tiefen Krise. In ihrem neuesten Inklusionsbarometer Arbeit 2025, das sie in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute erstellt hat, kommt die Sozialorganisation zu wenig ermutigenden Ergebnissen: Dem 30-seitigen Bericht ist zu entnehmen, dass sich die Inklusionslage am Arbeitsmarkt im Jahr 2024 erneut verschlechtert hat und der Negativtrend aus 2023 fortdauert.

Das Inklusionsbarometer Arbeit verfolgt das Ziel, objektiv über den aktuellen Grad der Inklusion von Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung oder von ihnen gleichgestellten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu berichten. Es setzt sich aus 10 Teilindikatoren zusammen – darunter u. a. die Beschäftigungs-, Arbeitslosen- und Erwerbsquote Schwerbehinderter und zwei Indikatoren zur Einhaltung der Arbeitgeberpflicht zur Beschäftigung Schwerbehinderter nach § 154 SGB IX.

Der Gesamtwert des Inklusionsbarometers 2025 ist von 108,3 im Vorjahr auf 107,6 gefallen. Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit einer Schwerbehinderung stieg von 11,0 auf 11,6%; die allgemeine Arbeitslosenquote nahm in demselben Zeitraum von 6,9 auf 7,3% zu. Die Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen – ihr Anteil an der Besetzung der unter die Beschäftigungspflicht nach § 154 SGB IX fallenden Arbeitsplätze – sank zwar nur geringfügig auf 4,41%, markierte damit aber einen neuen Tiefststand seit der Erstausgabe des Barometers im Jahr 2013. Jedes vierte dazu verpflichtete Unternehmen beschäftigt gar keinen Menschen mit Schwerbehinderung.

Die Autorinnen und Autoren verweisen im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Arbeitsmarktchancen für Menschen mit einer Schwerbehinderung auf die Krisen der vergangenen Jahre: Bis 2019 habe sich die Inklusionslage Schwerbehinderter verbessert. Die Corona-Pandemie durchbrach diesen Trend, danach trübten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und den Strukturwandel mitsamt weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen ein. Die Lage für Menschen mit Behinderung verschärft sich laut dem Bericht zusätzlich dadurch, dass diese deutlich schwerer aus der Arbeitslosigkeit herausfinden: Ihre Abgangsrate aus der Arbeitslosigkeit sank 2024 von 3,0 auf 2,9 % (Nicht-Schwerbehinderte: 6,3%). Für das kommende Jahr erwarten die Autoren keine Besserung. Das Inklusionsbarometer ist auf www.aktion-mensch.de/inklusion ->Studien ->Arbeitsmarkt veröffentlicht.



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Article published online:
19 February 2026

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