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DOI: 10.1055/a-2753-6017
4. MTT-Symposium Waldenburg 2025
Am 18. Oktober 2025 trafen sich über 250 Teilnehmer*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Campus der Sport- und Physioschule Waldenburg – vor Ort wie auch online – zum 4. MTT-Symposium. Die Veranstaltung, eine Kooperation der Fortbildungsinstitute Waldenburg und DIGOTOR, bot praxisnahen Austausch und aktuelle wissenschaftliche Impulse zur medizinischen Trainingstherapie (MTT) mit zahlreichen Referent*innen ([ Abb. 1 ]).


Block 1: Onkologie, Atemwege, Ernährung
Jan Haselhorst (Therapiezentrum Heidelberg) zeigte die Bedeutung von MTT in der Krebsrehabilitation auf, wies aber auch auf offene Fragen zur Dosis-Wirkung-Beziehung, zu Setting-Einflüssen und Core-Outcomes hin. Nadine Troeller (DIGOTOR) verdeutlichte, dass MTT bei Atemwegserkrankungen sicher und effektiv ist, jedoch immer individuell angepasst werden muss.
Daniela Bergthaler (Wien) gab praxisnahe Tipps zur Ernährung im physiotherapeutischen Setting: Kleine, realistische Änderungen im Alltag können Malnutrition und Muskelatrophie entgegenwirken, ohne die Arbeit von Diätolog*innen zu ersetzen. Als Beispiel für spielerische Umsetzung stellte sie die „30-Pflanzen-pro-Woche-Challenge“ vor, um Patient*innen zur bewussten Auswahl pflanzlicher Lebensmittel zu motivieren.
Block 2: Gelenke
Priv.-Doz. Dr. Philip Rößler (Koblenz) berichtete über Evidenz und Limitationen von Hyaluronsäure, Kortikosteroiden, PRP und Zelltherapien bei Arthrosen. Während Hyaluronsäure gute Evidenz für die Schmerzreduktion am Knie zeigt, gilt dies nicht automatisch für andere Gelenke. PRP scheint in Studien sogar überlegen – vorausgesetzt, die Zubereitungen werden differenziert betrachtet. Wolfgang Schoch (PULZ Freiburg) betonte, dass die schmerzlindernden und funktionsverbessernden Mechanismen der medizinischen Trainingstherapie bei Gon- und Koxarthrose noch nicht vollständig verstanden sind: Kraftsteigerungen erklären nur einen kleinen Teil der Schmerzreduktion; psychosoziale Faktoren wie Selbstwirksamkeit, Schmerzwahrnehmung und Katastrophisieren könnten entscheidender sein. Volker Sutor (DIGOTOR) hob hervor, dass unspezifische Schulterschmerzen multifaktoriell sind und Therapieansätze daher multidimensional geplant werden sollten.
Block 3: Schmerzpatient*innen und Adhärenz
Nach der Mittagspause startete Lukas Dambachmayr (DIGOTOR) mit Trainingsinterventionen bei chronischen Nackenschmerzen. Er fasste zusammen: Aktive Therapie wirkt, Adhärenz hängt stark von der Patient*innenpräferenz ab, und die optimale Trainingsdosis ist noch nicht klar definiert. Immerhin können Physiotherapeut*innen die Akzeptanz therapeutischer Maßnahmen steigern, wie der Vortrag von Georg Supp und Stephanie Moers (beide Freiburg) zeigte. Die beiden stellten das „SIMPLE TIPS“-Konzept vor, das Motivation, Wissenstransfer und Shared Decision Making fördert – ein praxisnaher Leitfaden, damit Patient*innen langfristig „am Ball bleiben“.
Block 4: Spezifische Zielgruppen und molekulare Prozesse
Patrick Hartmann (DIGOTOR) plädierte für eine frühzeitige Förderung von Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen: „Denke weniger an das Risiko, das Krafttraining mit sich bringt – sondern mehr an das Risiko, das kein Krafttraining mit sich bringt.“ Zum Beispiel ist eine gezielte mechanische Belastung eine spezifische Stimulation für den Knochenaufbau und der Schlüsselfaktor zur Prävention von Osteoporose: So kann eine Zunahme von 10 % der Peak Bone Mass in jungen Jahren die Entstehung der Osteoporose um 13 Jahre verzögern. Marcela Wendy Hartwig (TSG Hoffenheim) widmete sich den speziellen Anforderungen eines zyklusbasierten Trainings. Sie kritisierte pauschale Empfehlungen für die verschiedenen Zyklusphasen und betonte: „Die einzige Regelmäßigkeit des Zyklus ist seine Unregelmäßigkeit.“ Zyklustracking solle bei der Selbstwahrnehmung von Nutzen sein, Belastung, Wohlbefinden und Gesundheit sichtbar machen sowie helfen, Zyklusprobleme frühzeitig zu erkennen – und nicht als Grundlage für die Entwicklung starrer Trainingspläne dienen.
Prof. Dr. Sebastian Gehlert (Universität Hildesheim) erläuterte die positiven molekularen Effekte von körperlichem Training auf die Muskulatur. Bewegung unterstützt nicht nur den Erhalt und Aufbau von Muskelmasse, sondern aktiviert auch zelluläre Erneuerungsprozesse wie Autophagie und Mitophagie – Mechanismen, die insbesondere bei Sarkopenie und Kachexie von Bedeutung sind. Den Abschluss bildete Frank Diemer (DIGOTOR) mit praxisnahen Empfehlungen für die Behandlung chronischer Rückenschmerzen unter Berücksichtigung von Empathie, Coping-Stil und individuellen Zielvereinbarungen.
Fazit
Das 4. MTT-Symposium Waldenburg 2025 zeigte die Vielfalt der modernen Trainingstherapie – von molekularer Forschung bis zu konkreter Praxis. Evidenzbasierte, patientenzentrierte und interdisziplinäre Ansätze sind entscheidend, um Trainingstherapie wirksam, individuell und nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Highlights wie die 30-Pflanzen-Challenge oder das SIMPLE TIPS-Konzept zeigten, wie praxisnahes Wissen direkt umgesetzt werden kann. Das nächste Symposium findet am Samstag, den 16. Oktober 2027 statt.
Publication History
Article published online:
23 January 2026
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