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DOI: 10.1055/a-2753-5979
Research
Parameter für die Trainingstherapie bei Tendinopathie der Achillessehne
Ergebnisse einer Delphi-Studie
Während etwa 6 % der Allgemeinbevölkerung im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Achillessehnen-Tendinopathie (AT) erleiden, steigt die Inzidenz bei Leistungssportlern auf 24–52 %. Trotz zahlreicher Fortschritte in der Therapie bleibt die Behandlung der AT eine Herausforderung. Von den frühen Programmen nach Stanish und Curwin bis hin zum Heavy-Slow-Resistance-Protokoll wurden verschiedene Übungsprogramme entwickelt. Viele zeigen eine deutliche Linderung der Symptome, jedoch konnte eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit für keines der Verfahren deutliche Verbesserungen in der Muskelstruktur oder -funktion nach abgeschlossener Rehabilitation nachweisen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Belastungsprotokolle gezielt weiterzuentwickeln, um ihre Wirksamkeit zu steigern.
Zwar gelten Heel Raises in nahezu allen Programmen als zentraler Bestandteil, doch die übrigen Parameter sind oft unzureichend spezifiziert und unterscheiden sich teils deutlich zwischen den Ansätzen. Dies führt zu Unsicherheit, wie diese und andere Übungen optimal durchzuführen sind. Bislang ist unklar, welche spezifischen Parameter den größten Einfluss auf den Rehabilitationserfolg haben. Ein Konsens hierzu würde wertvolle Hinweise für die klinische Praxis liefern.
Ein internationales Expertengremium für die Rehabilitation der AT wurde eingeladen, an einer dreistufigen Delphi-Befragung teilzunehmen. In den ersten beiden Runden sollten die Experten eine vorab erstellte Liste von Übungsparametern (basierend auf Heel Raises) bewerten und deren Einfluss auf das Rehabilitationsergebnis anhand einer 5-Punkte-Likert-Skala (von „1“ [überhaupt keinen Einfluss] bis „5“ [sehr hoher Einfluss]) einschätzen. Für jeden Parameter galten folgende Kriterien als Konsens für einen „wesentlichen Einfluss“ auf die Rehabilitation:
-
Median ≥ 4,
-
≥ 75 % der Bewertungen bei 4 oder 5,
-
Interquartilsabstand (IQR) ≤ 1.
In der dritten Runde sollten die Experten die Übungsparameter nach ihrer Bedeutung für die Rehabilitation in eine Rangfolge bringen (von am wichtigsten bis am wenigsten wichtig).
Insgesamt nahmen 17 Experten am gesamten Delphi-Prozess teil. Es wurden 16 Übungsparameter bewertet, von denen 4 bei der Midportion-AT einen Konsens über einen wesentlichen Einfluss erreichten: Kontraktionsintensität, gesamte Belastungsdauer (time under tension), Anzahl der Wiederholungen und Sätze sowie Art der Muskelkontraktion. Bei der insertionalen AT wurden 3 Parameter als besonders einflussreich eingestuft: Bewegungsausmaß der Sprunggelenksdorsalextension während der Übung, Kontraktionsintensität sowie Anzahl der Wiederholungen und Sätze.
Die Rangfolge der konsensbasierten Parameter zeigte, dass bei der Midportion-AT die Kontraktionsintensität als wichtigste Variable wahrgenommen wurde, während bei der insertionalen AT das Bewegungsausmaß der Dorsalextension im Sprunggelenk als entscheidend angesehen wurde.
Ein häufiges Problem klinischer Effektstudien (z. B. RCTs) in der (Sport-)Physiotherapie und Orthopädie ist die unzureichende oder lückenhafte Beschreibung zentraler Parameter der verwendeten Interventionsprotokolle (z. B. Anzahl der Übungen, Serien, Intensität, Umgang mit Schmerz). Dies kann einerseits dazu führen, dass Studien trotz identischer Protokolle zu inhomogenen Ergebnissen gelangen, und erschwert andererseits die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis.
Die vorliegende Studie hat sich dieses Problems in geschickter Weise angenommen. Die teilnehmenden Experten verfügen sowohl über klinische als auch über wissenschaftliche Erfahrung, was die Ergebnisse besonders interessant macht. So zeigte sich etwa, dass nicht der Kontraktionstyp, sondern die Kontraktionsintensität den größten Einfluss hat. Die Intensität der Belastung hat den stärksten Effekt auf die Adaptationsprozesse der Sehne: Höhere Intensitäten (70–90 % der maximalen willkürlichen Kontraktion, MVIC) sind von zentraler Bedeutung für die Verbesserung von Sehnensteifigkeit und -querschnitt.
Design: Delphi-Methode
Teilnehmer: 17 internationale Experten
Parameter: 16 Schlüsselparameter der Wadenhebe-Übung
Resultate: Die Kontraktionsintensität wurde bei der Midportion-AT als wichtigster Parameter identifiziert, während dem (eingeschränkten) Bewegungsausmaß bei der insertionalen AT die größte Bedeutung zukam.
Dr. Martin Ophey
Demangeot Y, O’Neill S, Degache F et al. Exercise parameters to consider for Achilles tendinopathy: A modified Delphi study with international experts. BJSM 2025; 59(19): 1337–1349. DOI: 10.1136/BJSPORTS-2025–110183
Der Artikel ist „open access“ publiziert.
Publication History
Article published online:
23 January 2026
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