Psychother Psychosom Med Psychol 2026; 76(02): 55-56
DOI: 10.1055/a-2750-3216
Editorial

Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2026

German Congress for Psychosomatic Medicine and Psychotherapy 2026

Authors

  • Karl-Jürgen Bär

    1   Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
  • Kerstin Weidner

    2   Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

Liebe Leserinnen und Leser,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir laden Sie sehr herzlich ein zum Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 4. bis 6. März 2026 im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin stattfinden wird.

Wir alle erleben gegenwärtig eine Zeit tiefgreifender individueller wie gesellschaftlicher Umbrüche. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob Veränderungen stattfinden, sondern wie wir ihnen begegnen – und ob es uns gelingt, sie aktiv mitzugestalten. Vor diesem Hintergrund widmet sich der Kongress dem Leitthema „Grenzerfahrungen – Wege jenseits des Vertrauten“.

Grenzerfahrungen begegnen uns auf vielfältige Weise: in persönlichen Lebenskrisen wie Krankheit, Verlust oder Migration, ebenso wie angesichts globaler Herausforderungen etwa durch Klimawandel, soziale Polarisierung oder rasante technologische Entwicklungen. Solche Erfahrungen können unsere Selbst- und Weltbilder erschüttern, vertraute Sicherheiten infrage stellen und uns dazu zwingen, Ambivalenzen auszuhalten und neue Perspektiven zu entwickeln. Gemeinsam möchten wir diskutieren, welche gesundheitlichen Folgen Grenzerfahrungen haben können, welche individuellen und kollektiven Bewältigungsprozesse möglich sind und wie psychosomatische Versorgung, Forschung und Psychotherapie neue Räume des Verstehens, der Beziehung und des Handelns eröffnen.

Traditionsgemäß wird der Kongress mit der Carus Lecture eröffnet. Wir freuen uns sehr, dass Steffen Mau als renommierter Makrosoziologe zum Thema „Veränderungsstress. Warum tun sich Gesellschaften mit Veränderungen so schwer?“ sprechen wird. Sein Vortrag verspricht eine eindrucksvolle gesellschaftliche Rahmung der zentralen Kongressthematik.

Das anschließende Kongressprogramm bietet mit bewährten wie auch neuen Formaten ein vielfältiges, inspirierendes und dialogorientiertes Angebot. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den großen Semiplenarveranstaltungen. So wird Giovanni Maio in seinem Vortrag die ethischen Herausforderungen an den Grenzen des medizinisch Machbaren beleuchten und zeigen, wie technischer Fortschritt grundlegende Fragen nach Menschenwürde, Autonomie und Gerechtigkeit aufwirft. Antje Horsch wird die Geburt als existenzielle Grenzerfahrung thematisieren, während Ilona Croy der Bedeutung von Berührung und ihren Wirkmechanismen nachgeht. Meike Baader, Manfred Beutel und Jörg Fegert werden sich mit frühen Entwicklungsbedingungen im früheren Ost- und Westdeutschland befassen und häufige Vorannahmen dieser Grenzerfahrung diskutieren. Für das Semiplenar „Rethinking the origin of somatic symptoms“ konnten wir mit Omer van den Bergh und Hugo Critchley zwei international ausgewiesene Forscher gewinnen. Darüber hinaus erwartet Sie ein breites Spektrum an Parallelveranstaltungen mit zahlreichen weiteren hochkarätigen Referentinnen und Referenten.

In insgesamt zehn „State-of-the-Art“-Veranstaltungen – unter anderem zu Essstörungen, Klima, Long- und Post-COVID oder Schmerzstörungen – werden Expertinnen und Experten den aktuellen Stand klinischer Behandlung im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Leitlinien und klinischer Praxis darstellen. Podiumsdiskussionen zur Steuerung der ambulanten Behandlung oder dem Ende der Anorexie-Behandlung laden zum Mitdiskutieren ein. Zugleich inspirieren innovative Formate wie „Therapy Slam“, „Der interessante Fall“ oder auch eine Kongressbegleitende Großgruppe, sich auf neue Weise mit therapeutischem Denken und Handeln auseinanderzusetzen.

Die Perspektive Psychosomatik richtet sich gezielt an neue Kolleginnen und Kollegen und hat sowohl Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten als auch zur Auswahl psychotherapeutischer Verfahren in der Weiterbildung vorbereitet. Um der wachsenden Bedeutung pflegerischer und kreativtherapeutischer Berufsgruppen gerecht zu werden, werden wir zudem ein umfangreiches Workshopangebot von Pflegenden für Pflegende sowie auch speziell für Kreativtherapeutinnen und -therapeuten anbieten. Der interprofessionelle Austausch und die Weiterentwicklung dieser Berufsgruppen sind uns ein besonderes Anliegen.

Die Interdisziplinarität unseres Faches spiegelt sich nicht zuletzt in mehr als zehn Satellitensymposien anderer Fachgesellschaften wider, die mit ihren jeweiligen fachlichen Perspektiven zu einem lebendigen und facettenreichen Diskurs -gerade auch an der Grenze somatischer und psychosomatischer Medizin- beitragen werden.

Den Abschluss des Kongresses bildet ein besonderer Höhepunkt: Die profilierte Ethikerin und Publizistin Barbara Bleisch wird sich in ihrem Vortrag dem Thema

„Mitte des Lebens – Eine Philosophie der besten Jahre“ widmen und damit philosophische Tiefe mit lebensnaher Reflexion verbinden.

Der Deutsche Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie lebt von Ihrer Beteiligung. Lassen Sie uns gemeinsam erkunden, wie eine relationale Beziehungsmedizin und -psychotherapie auch unter veränderten gesellschaftlichen und biografischen Bedingungen ihren Platz behaupten und weiterentwickeln kann.

Wir freuen uns sehr darauf, Sie in Berlin begrüßen zu dürfen. Begegnen Sie Kolleginnen und Kollegen, tauschen Sie sich mit Expertinnen und Experten aus, knüpfen Sie neue Kontakte und gestalten Sie mit uns einen lebendigen, offenen und anregenden Kongress.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.deutscher-psychosomatikkongress.org

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Karl-Jürgen Bär

Prof. Dr. med. Kerstin Weidner



Publication History

Article published online:
18 February 2026

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